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LaFee Die Prinzessin aus der Imbissbude

Die Popsängerin LaFee trifft mit derben Texten das Lebensgefühl deutscher Teenies. Sie hat Erfolg, obwohl ihre Lieder - vielleicht wegen der Texte - kaum im Radio zu hören sind. Von Angela Breitkopf

17.04.2009 00:04
ANGELA BREITKOPF
"Ich wünsch’ dir die Krätze an den Hals", singt LaFee - und der Saal tobt. Jörg Carstensen Foto: dpa

Dampfgewaber, Brachialgitarren, bedeutungsschwangere Gesten: So könnte auch ein "Rammstein"-Konzert beginnen, wären da nicht die vielen Teenager mit Zahnspangen im Publikum. Die Konzerthalle ist ausverkauft, die Luft zum Schneiden dick, hysterisches Kreischen überall - und dann ist sie da: LaFee! Bandkollegen heben die zierliche Sängerin aus einem auf der Bühne platzierten Sarg, sie schüttelt ihre toupierte Mähne, skandiert die ersten Zeilen ihres Hits "Prinzesschen" - und der Saal tobt.

So weit, so Tokio Hotel: Erstaunlich an LaFee ist aber nicht, dass da eine Pop-Lolita, die kaum älter ist als ihre Fans, ein paar Songs veröffentlicht und damit Erfolg hat. Das gab es schon immer: Britney Spears stürmte als 17-Jährige mit "Hit me Baby One More Time" die Hitparaden, das deutsche Popsternchen Blümchen sang mit 15 "Herz an Herz", und Vanessa Paradis fiepte als 14-Jährige ihren Hit "Joe Le Taxi" auf Band. Wirklich erstaunlich an LaFee sind der Fleiß und die Konsequenz, mit der die Tochter eines Fernfahrers schon seit Grundschultagen an ihrer Karriere gearbeitet hat. Ihr Ziel: ganz groß rauskommen.

Groß rauskommen, das heißt für Christina Klein zunächst einmal raus aus Stolberg-Büsbach, wo sie die Hauptschule besucht und ihre Mutter Koula eine Imbissbude betreibt. Schon mit zehn Jahren macht sie sich auf, die Showbühnen der Welt zu erobern.

"Mein Ziel ist es, eine gute Performance zu machen, besser zu sein als die anderen", sagt Christina mit rheinisch eingefärbter Kinderstimme in einem ihrer ersten TV-Interviews. Da ist sie 13 und singt im Finale der österreichischen Castingshow "Kiddy Contest", nachdem sie zuvor bei "Star Search" in Deutschland in der Vorrunde rausgeflogen war. Auch den "Kiddy Contest" gewinnt sie nicht - findet aber darüber ihren Manager Bob Arnz. Der hat einst den Big-Brother-Insassen Zlatko und Jürgen zu kurzfristigen Charterfolgen verholfen, jetzt lanciert er - mit massiver Unterstützung der Zeitschrift Bravo - eine erstmals auch langfristig erfolgreiche Pop-Marke: LaFee.

LaFee präsentiert sich als Mischung aus Shakira und Gothic-Maus. Sie trägt Schwarz, ihre Schläfe ziert ein aufgemaltes Tattoo. Ihre Songs handeln von Liebeskummer ("Virus") und Weltschmerz ("Lieber Gott"), passend zum Lebensgefühl ihrer Fans. Und das Ziel, eine "gute Performance" abzuliefern, hat Christina Klein alias LaFee erreicht: Sie kann singen, ihre Posen sitzen und auf der Bühne behält sie jederzeit die Kontrolle über Show und Publikum.

Der Erfolg kommt mit dem Alter

Vier Jahre nach ihrem missglückten Start beim TV-Casting ist aus dem Kind mit dem Mikro ein Vollprofi geworden: LaFee liefert Hitalben wie "LaFee" und "Jetzt erst recht" ab, sie heimst reihenweise Preise ein, darunter die Goldene Stimmgabel 2007 und diverse Echos; LaFee singt Silvester 2008 am Brandenburger Tor vor hunderttausend Menschen, übt sich als Soap-Darstellerin in "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" und gastiert im Ausland - mit einem Album in englischer Sprache.

Dieser Erfolg ist umso überraschender, wenn man berücksichtigt, dass LaFee kaum "Airplay" bekommt, also nur sehr selten im deutschen Radio zu hören ist. Vielleicht liegt das auch an den Texten: "Du Schlampe bist so link, dass es bis zur Hölle stinkt, und du fragst auch noch dumm, ob ich sauer bin warum, was soll sein, ich hau dir eine rein."

Ein Kenner der Musikindustrie erklärt ihren Erfolg so: "LaFee ist ein Marketing-Phänomen. Ihre Verkäufe basieren fast ausschließlich auf ihren Auftritten und auf der konstanten Werbung durch die Bravo." LaFee selbst sieht ihren Erfolg anders begründet: "Ich bin natürlich älter geworden, und ich habe mich auch verbessert, was das Singen angeht", sagt die heute 18-Jährige in einem Interview und sieht mit ihrem glatt geschminkten Gesicht und den ondulierten Locken aus wie Mitte 20.

Auf ihrer Website steht, dass für die Marke LaFee "schon im Vorfeld akribisch geplant, getüftelt und ein stimmiges Marketingkonzept entwickelt" wurde. Und doch hasst es LaFee, wenn ihr Erfolg allein der Vermarktung zugeschrieben wird. Mit wachsender Professionalität und Popularität kommt die Wut auf alle, die sie anfangs als One-Hit-Wonder belächelten. Das schlägt sich auch in den Texten auf dem neuen Album "Ring Frei" nieder: "Ich wollte damit sagen: Hey, ich bin noch immer da!"

Entsprechend kampfeslustig gibt sie sich im Video zum Titelsong des Albums: Wie Gandalfs Enkelin stürmt sie dort mit wehendem Gewand durch eine düstere Festung, als gälte es, Frodo und seine Gefährten gleich noch einmal zu retten. Dazu die Drohung: "Es ist noch nicht vorbei. Jetzt kannst du was erleben …" Na dann, also: Ring frei.

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