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Koptische Kirche Ägyptens Epiphanius’ Tod

Die koptische Kirche Ägyptens wird von einem Mord erschüttert. Zerwürfnisse in der Gemeinschaft dringen nach außen. Das Oberhaupt der Kirche wendet sich am Sarg des Toten gegen die Traditionalisten.

Ägypten
Der Mord erschüttert die koptischen Anhänger Ägyptens. Foto: afp

Das düstere Geschehen hätte aus einem Dan-Brown-Thriller stammen können. Früh am Morgen legte sich der Mörder im Makarios-Kloster auf die Lauer. Dreimal hieb er mit einer Eisenstange zu, als das ahnungslose Opfer auf dem Weg zum Sonntagsgottesdienst vorbeikam – ein Verbrechen, das die koptische Kirche Ägyptens nun in ihren Grundfesten erschüttert.

Mitbrüder fanden den 64-jährigen Abt und Bischof Epiphanius mit zertrümmertem Schädel in einer Blutlache. Inzwischen gab die Polizei bekannt, ein Mitmönch mit Namen Isaiah habe das Verbrechen gestanden. Über sein Motiv schweigen Justiz und Kirchenführung. Die Staatsanwaltschaft erklärte lediglich, der Festgenommene habe von „Differenzen“ mit dem Ordenschef gesprochen. Im Februar wollte Bischof Epiphanius seinen späteren Mörder aus dem Kloster verbannen. Isaiah habe sich den üblichen Arbeiten verweigert und Stimmung gegen die Ordensleitung gemacht, lauteten die Vorwürfe. Der Beschuldigte jedoch konnte Klosterbrüder überreden, für ihn zu intervenieren, und gelobte Besserung, so dass der Rauswurf zunächst unterblieb. Im Juli jedoch geriet er erneut mit seinem Oberen in Konflikt, was offenbar die Bluttat auslöste.

Weit mehr als ein schreckliches Einzelereignis

Das Makarios-Kloster ist eine der ältesten Gründungen der koptischen Kirche und liegt mit drei weiteren Klöstern in der Oase Wadi Natrun 90 Kilometer nördlich von Kairo. Alle Ordenshäuser waren Anfang der Sechzigerjahre nahezu verwaist und verfallen. Unter Papst Shenouda III., der bis zu seinem Tod 2012 gut 40 Jahre an der Spitze der Kirche stand, erlebte das Mönchtum eine fulminante Renaissance. Heute leben in Wadi Natrun wieder rund 1000 Mönche, in ganz Ägypten sind es etwa 2000. Der Getötete stammte aus der Stadt Tanta im Nildelta, studierte Medizin und gehörte seit mehr als dreißig Jahren zum Kloster Makarios, wo ihn seine 140 Mitbrüder 2013 zum Abt wählten. Drei Jahre später weihte ihn der damals neue koptische Papst Tawadros II. zum Bischof.

Der spektakuläre Mord jedoch ist weit mehr als ein schreckliches Einzelereignis. Er brachte gravierende Defizite bei der Klosterdisziplin ans Tageslicht genauso wie innere Zerwürfnisse, die die nach außen sehr verschwiegene koptische Kirche offenbar seit Jahren plagen. Als Konsequenz verfügte Tawadros II. in einem Zwölfpunktedekret für sämtliche Klöster einen einjährigen Aufnahmestopp. Alle Mönche müssen ihre Internet-Accounts schließen und bisher unabhängige Wüstenklöster sich der Kirchenleitung unterstellen. In seiner Trauerpredigt brach der orthodoxe Patriarch auch ein zweites Tabu und sprach erstmals die Spaltung seiner koptischen Kirche an, die fast schon Züge eines Schismas trägt.

Die alte Garde seines Vorgängers Shenouda III. überzieht im Internet reformoffene Kleriker, zu denen der jetzige Papst und der ermordete Bischof Epiphanius gehören, mit einem Dauerfeuer der Kritik. Streitpunkte sind Pläne, mit den westlichen Kirchen einen gemeinsamen Termin für Weihnachten und Ostern zu verabreden, die Einigung mit Papst Franziskus 2017 in Kairo, die Taufen von Katholiken und Kopten gegenseitig anzuerkennen, aber auch der Besuch des ägyptischen Pontifex in Schweden und dessen Handschlag mit der protestantischen Erzbischöfin Antje Jackelén. Die klerikalen Traditionalisten, deren Hauptbastion die koptische Jugendseelsorge ist, nennen sich „Beschützer des Glaubens“ und werfen Tawadros II. und dessen Gleichgesinnten vor, sie seien Häretiker und setzten die Grundsätze des Glauben aufs Spiel.

Am Sarg von Bischof Epiphanius trat das Kirchenoberhaupt nun seinen Widersachern offen entgegen. Er werde deren Attacken nicht weiter hinnehmen, wetterte er. „Der christliche Glaube wird vom Herrn bewacht und braucht keine anderen Beschützer.“

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