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Konsumforscher Mehr Spenden, aber weniger für Flüchtlinge

Das Aufkommen an Zuwendungen für gemeinnützige Organisationen steigt, das finanzielle Engagement für Flüchtlinge geht zurück. Vor allem Jüngere spenden für Flüchtlingsprojekte.

Unicef
Spendendose des Kinderhilfswerks Unicef: Besonders wichtig für Hilfsorganisationen sind die über 70-Jährigen. (Archiv) Foto: dpa

Zwei Jahre ist es her, dass Menschen mit Teddybären und Willkommensschildern an Bahnhöfen standen und Flüchtlinge begrüßten. Dass die öffentliche Aufmerksamkeit mittlerweile erheblich nachgelassen hat, macht sich auch bei den Spenden für die Flüchtlinge bemerkbar. Während das Aufkommen an Zuwendungen für gemeinnützige Organisationen insgesamt leicht gestiegen ist und bis Ende September 3,1 Milliarden Euro betrug, ist das finanzielle Engagement für Flüchtlinge im Vergleich zu 2016 deutlich zurückgegangen.

285 Millionen Euro und somit 16 Prozent weniger als 2016 haben Menschen in Deutschland bis einschließlich September für Geflüchtete gespendet. Dem steht das Wachstum von 0,9 Prozent für alle Spenden gegenüber. Das hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Deutschen Spendenrates ermittelt. Die Konsumforscher befragen jedes Jahr 10.000 in Deutschland lebende Menschen über zehn Jahren, ob und wie viel sie an welchen Zweck spenden. Die Werte rechnen sie auf die Gesamtgesellschaft hoch.

Befragung berücksichtigt nur Spenden bis 2500 Euro

„Diese Ergebnisse zeigen, dass Geflüchtete weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen“, sagt Daniela Geue, Geschäftsführerin des Spendenrates, der sich als Dachverband gemeinnütziger Organisationen für mehr Transparenz über den Einsatz von Spendengeldern einsetzt. Die Zahl der Menschen, die für Geflüchtete gespendet haben, ging von 2,9 Millionen im Vorjahr auf 2,4 Millionen zurück. Die Befragung berücksichtigte nur Spenden bis 2500 Euro.

Doch wer spendet für Geflüchtete? Jüngere entscheiden sich, wenn sie überhaupt Geld für etwas spenden, eher für Flüchtlingsprojekte. Während nur 13 Prozent aller Spenden von Menschen bis 39 Jahren kommen, liegt der Anteil der Jüngeren bei Spenden für Flüchtlingen bei 18 Prozent. Allerdings scheint das finanzielle Engagement der Jungen ein kurzfristiger Effekt gewesen zu sein: 2016 trugen sie noch zu 31 Prozent zu den Flüchtlingsspenden bei. Der Großteil der Zuwendungen für Flüchtlinge kommt von Älteren: Mehr als jeder zweite Spender (51 Prozent) ist 60 Jahre oder älter.

Die Auswertung der GfK zeigt auch: Die Zahl der Menschen, die ab und an ein paar Euro für wohltätige Zwecke spenden, ist so niedrig wie noch nie seit Beginn der Umfrage im Jahr 2005. 17 Millionen Menschen spendeten in diesem Jahr, das sind in etwa ein Viertel der Deutschen über zehn Jahren.

Fast 80 Prozent der Spenden entfallen auf Organisationen für humanitäre Hilfe, den Rest teilen sich Umwelt- und Naturschutz, Sport, Tierschutz und Denkmalpflege. 5,8 Mal zückten die Spender im Schnitt ihr Portemonnaie – und gaben jeweils 32 Euro. Auffällig ist, dass Spenden für Flüchtlingsorganisationen höher ausfallen: 41 Euro.

Besonders wichtig für Hilfsorganisationen sind die über 70-Jährigen. Für sie scheint Teilen und Abgeben selbstverständlich zu sein. Rund 41 Prozent des gesamten Spendenaufkommens von 3,1 Milliarden Euro stammt von Menschen aus dieser Altersgruppe. „Das ist eine bedenkliche Entwicklung“, findet Bianca Corcoran-Schliemann von der GfK. Die Organisationen stelle dies vor das Problem, dass ihre treuesten Spender bald nicht mehr da sein könnten.

Die Marktforscherin hält es für auffällig, dass die Generation der Babyboomer zwischen 50 und 59 Jahren, denen es wirtschaftlich relativ gut gehen müsste, selten spendet. Von dieser Altersgruppe kommen nur 16 Prozent aller Spenden. Nur 5,7 Prozent der Gelder gaben Menschen unter 30 Jahren. „Das mag an ungefestigten Arbeitsverhältnissen oder familiären Verpflichtungen liegen“, erklärt Bianca Corcoran-Schliemann von der GfK.

Für das komplette Jahr 2017 erwartet die GfK ein Spendenaufkommen zwischen 5,3 und knapp 5,5 Milliarden Euro. Das wäre ein Wachstum von bis zu 4,3 Prozent im Vergleich zum vorigen Jahr. Der Dezember ist traditionell der Monat, in dem am meisten gespendet wird. Im vergangenen Jahr nahmen Hilfsorganisationen in dieser Zeit 1,2 Milliarden Euro ein.

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