Lade Inhalte...

Weihnachten Keine Karte, keine Messe!

Überfüllt? In Essen geht’s Heiligabend nur mit Ticket in die Kirche.

Maria und Josef
Abgewiesen? Das kommt in den besten Familien vor. Foto: Imago

Da sage noch mal einer, die Deutschen gingen nicht mehr in die Kirche … Eine evangelische Gemeinde im nordrhein-westfälischen Essen sieht sich aktuell sogar dazu gezwungen, schwere Geschütze aufzufahren, um der an Weihnachten erwarteten Gottesdienstbesucher Herr zu werden: Ein „Kartensystem für die Heiligabend-Gottesdienste 2018“ soll verhindern, was den Kirchenverantwortlichen vor Ort im vergangenen Jahr offenbar ein Horrorszenario gewesen ist. So groß war der Andrang, dass zahlreiche gottesdienstwillige Besucher vor den beiden Kirchorten der Gemeinde abgewiesen werden mussten.

„Wegen Überfüllung geschlossen“ – das passt doch irgendwie zu Weihnachten. Immerhin waren es laut Bibel ja Maria und Josef höchstpersönlich, die auch keinen Platz in ihrer gewünschten Herberge fanden. „Dies führte zu Enttäuschung, Ratlosigkeit und Ärgernis“ – nein, das steht so nicht im Evangelium, sondern auf der Homepage der Essener Gemeinde und begründet mit Blick auf die niedergeschlagenen, weil abgewiesenen Besucher aus dem vergangenen Jahr, warum man heute mit einem eigens etablierten Kartenverkauf aufrüstet.

Enttäuscht, ratlos und verärgert mögen aber auch Maria und Josef gewesen sein, als sie damals abgewiesen wurden. Ein Schelm, wer nun denkt, die beiden hätten sich mal besser vorher einen Platz in der Herberge gesichert …

In Haarzopf mag es dieser Tage viele Schelme geben. Zumindest unter denen, die für ihren gewünschten Gottesdienst keine Karte mehr ergattern konnten. Immerhin sind vier der sechs angebotenen Messfeiern schon ausgeschöpft. „Es gibt keine Karten mehr“, heißt es in roten Lettern und mit drei fetten Ausrufezeichen dahinter auf der Homepage.

Doch was, wenn sich trotz des Brimboriums, den die findige Gemeinde betreibt, an Heiligabend eben doch kartenlose Besucher in der Kirche einfinden – Pardon, einfinden wollen? Und damit dürfte zu rechnen sein, schließlich ist kaum anzunehmen, dass wirklich jeder willige Kirchgänger informiert ist. Oder er entschließt sich erst in letzter Minute für den Gottesdienstbesuch – einmal im Jahr, man kennt es ja, sonst kein großer Kontakt zur Kirche, woher soll also die Info über das strenge Reglement kommen? Und dann wären da noch die „Ungläubigen“ und die bereits angekündigten „Wo gibt’s denn sowas?“-Besucher, die meinen, dass sie schon ohne Karte reinkämen. So streng könne die Kirche das Ganze schon nicht handhaben, ausgerechnet zu Weihnachten.

Denkste: keine Karte, keine Messe – und auch keine Sicherheit, glaubt man den Kirchenverantwortlichen in Haarzopf, die mitteilen: „Die Karten ermöglichen Ihnen die verlässliche Teilnahme des jeweils darauf vermerkten Gottesdienstes und garantieren Ihnen einen Sitzplatz. Dadurch werden die sehr strengen Sicherheitsbestimmungen eingehalten, die Ihnen die größtmögliche Sicherheit im Unglücks- oder Notfall bieten.“

Der verantwortlichen Pastorin zufolge gilt es auch nach dem Love-Parade-Unglück von Duisburg, erhöhte Sicherheitsauflagen zu treffen. Geht es auch eine Nummer kleiner? In der Weihnachtsmesse mag zwar das Fest der Liebe gefeiert werden, aber wohl kaum unter Gefahr von Leib und Leben. Vielmehr rutscht man bei erhöhtem Andrang doch gerne zusammen, um gemeinsam zu feiern. Schließlich ist es ja ein Geburtstag – und je mehr da kommen, desto besser.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen