Lade Inhalte...

Was soll das? Weil sie ein Mädchen ist

Emily gewinnt in Uxbridge im US-Bundesstaat Massachusetts ein Golfturnier, bekommt aber den Pokal nicht.

Golfschläger
Mit 75 Schlägen die Beste auf dem Platz, aber trotzdem nicht die Siegerin: Die 16-jährige Emily musste nach einem Golfturnier den Pokal an den Zweitbesten abgeben - weil sie ein Mädchen ist. Foto: imago

Emily Nash war die Beste. Mit 75 Schlägen - und damit vier besser als der nächste Konkurrent - hat sie am Dienstag ein Golfturnier in Uxbridge im US-Bundesstaat Massachusetts gewonnen. Zum ersten Mal in ihrem Leben. Den Pokal bekam trotzdem der Zweitplatzierte Nico Ciolino – weil Emily Nash ein Mädchen ist. 

Es handelte sich nämlich um ein Jungenturnier, bei dem die 16-Jährige mit ihrem Team mitspielen durfte. Offensichtlich hatte der Organisator, die Massachusetts Interscholastic Athletic Association (MIAA), nicht damit gerechnet, dass ein Mädchen auch gewinnen könnte oder zumindest nicht gewusst, wie er in so einem Fall reagieren sollte. „Ich bin enttäuscht, aber ich verstehe, dass es Regeln gibt“, sagte Nash der Zeitung „Telegram“. Sie sei der MIAA nicht böse. „Sie wussten einfach nicht, was zu tun ist.“

Der Zweitplatzierte Nico Ciolino fühlte sich jedenfalls schlecht, als sein Name aufgerufen wurde. „Ich habe mich gefühlt, als hätte ich betrogen, weil ich nicht gewonnen habe“, sagte er dem „Boston Herald“. Er sei umgehend an den Tisch von Nash gegangen und habe ihr die Trophäe hingestellt und gesagt: „Sie gehört dir.“ Emily Nash lehnte jedoch ab. In den sozialen Netzwerken gab es für diese Geste viel Lob und sehr viel Unverständnis für die Turnierleitung. „Selbst High-School-Schüler sind in diesen Dingen besser als einige Erwachsene“, schrieb einer.

Eine andere kritisierte Nashs Vater, der gegenüber dem TV lediglich sagte: „Es ist, was es ist. Das sind die Golfregeln und sie spielt nach den Regeln.“ Das sei die Gelegenheit, sich hinter sein Kind zu stellen und dann so was, echauffiert sich die Nutzerin. „Sind wir im Jahr 1850?“ Turnierdirektor Kevin Riordan betonte, dass er Nash und ihrem Trainer vorher die Regeln klargemacht habe. Er werde aber persönlich dafür sorgen, dass sie ihre Trophäe bekomme.

Nur mit einer Sache kann er ihr nicht helfen. Beim Staatsturnier in Wyantenuck wird Emily Nash nicht teilnehmen können, weil ihre gute Leistung nicht reichte, um sich mit dem Team zu qualifizieren. Gedurft hätte sie es. Ob es bei einem Sieg einen Pokal für sie gegeben hätte, wird man jetzt leider nicht mehr erfahren. Dafür werden jetzt viele ihre Golfkarriere genauestens verfolgen. 

Alle Kolumnen unter fr.de/was

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen