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Was soll das? Noch drei Minuten bis...

Und immer läuft der Countdown: Ob Ankunft der Straßenbahn oder Anpfiff der nächsten Fußball-WM - in unserem Alltag wird zwanghaft runtergezählt.

Immer im Blick: die Uhrzeit
Die Uhrzeit immer im Blick: Unser Alltag ist häufig komplett durchgetaktet. Foto: dpa

Guten Morgen, guten Morgen! Es ist 8.05 Uhr! In etwa fünf Minuten werden Sie diesen Text zu Ende gelesen haben. Damit bleibt Ihnen noch ein Zeitfenster von weiteren fünf Minuten, um Ihre Zähne zu putzen, die Spülmaschine anzustellen und zur Bahn zu laufen oder ins Auto zu steigen. Ihr verbleibender Tag hat, wenn man die durchschnittliche Zubettgehzeit der Deutschen – 23.04 Uhr – zugrundelegt, dann noch knapp 15 Stunden, also 894 Minuten, die Sie absolut effektiv ausnutzen sollten. Vergeuden Sie nicht Ihre wertvolle Zeit!

Ach ja, jetzt ist es schon 8.07 Uhr. Und damit haben Sie noch drei Minuten, bis Sie los müssen ...

Eine Seuche grassiert! Im Radio, an Bahnhöfen oder vor Großereignissen wie der Fußball-WM läuft eigentlich immer ein Countdown. Noch drei Minuten bis zum nächsten Gewinnspiel, noch neun Minuten bist die S9 kommt, noch 353 Tage, 8 Stunden und sieben Minuten, bis die Olympischen Spiele in Pyeongchang beginnen. Angeblich soll es beruhigend wirken, wenn Menschen wissen, dass die S-Bahn in exakt vier Minuten abfährt, anstatt diese lange Zeitspanne im Ungewissen zu verbringen. Und so drängt sich das zwanghafte Runterzählen immer aufdringlicher in unser Leben. Die Kollegin fliegt in genau neun Tagen in den Urlaub, die Freundin heiratet in fünf Monaten und 14 Tagen und die Frauenzeitschrift mahnt, dass ab 35 die biologische Uhr sehr, sehr laut tickt. Die fruchtbare Zeit laufe nämlich langsam aber sicher ab.

Noch Fragen, warum wir uns alle ständig gehetzt und unter Zeitdruck fühlen? Dabei steigt unsere Lebenserwartung immer mehr und somit auch die Zeit, die uns zur Verfügung steht. Obendrein sind wir länger fit und gesund. Allerbeste Voraussetzungen also. Wären wir nicht ständig damit beschäftig, dieses Geschenk möglichst effizient durchzutakten.

Der permanente Blick auf die verrinnende Zeit suggeriert eine Eile, die es gar nicht gibt. Ich komme morgens nicht schneller zur Arbeit, nur weil der Radiomoderator mich alle drei Minuten daran erinnert, wie spät es gerade ist. Im Gegenteil, es macht mich nervös. Und es mag zwar schön sein, einem besonderen persönlichen Ereignis wie der eigenen Hochzeit entgegenzufiebern, aber deshalb darf auch die Zeit zwischen den Ereignissen nicht als lästige Verzögerung empfunden werden. Im Gegenteil: In den allermeisten Fällen sind es die alltäglichen Kleinigkeiten, die das Leben bereichern.

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