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Was soll das? Kein Weg zurück

Ohne Smartphone geht gar nichts, ein Generationenkonflikt.

Smartphone
In Deutschland hat fast jedes Kind ein Smartphone, sobald es zwölf Jahre alt wird. imago Foto: imago

1980 sangen The Buggles in „Video Killed The Radio Star“ davon, wie Technik sich immer wieder selbst überholt. Sie trafen den Nerv der Zeit. Es kam die goldene Ära des Fernsehens und schillernder Musikvideos. Das Radio war out. Vor der Glotze sitzen war die Nummer-eins-Freizeitbeschäftigung, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Und das hielt eine ganze Weile an.

37 Jahre später ist der einstige Star zwar noch nicht tot, aber längst abgelöst. Nicht die Glotze, das allgegenwärtige Smartphone ist heute das Tor zur Welt. Zu erkennen sind die Nutzer an ihren gebeugten Nacken und apathischem Verhalten.

Der Hightech-Verband Bitkom hat schon 2014 in seiner Studie „Kinder und Jugend 3.0“ herausgefunden, dass bereits ein Fünftel der 6- bis 7-Jährigen Smartphones nutzen. Bei den 16-18-Jährigen sind es sogar 89 Prozent. Und das ist drei Jahre her. Rund 95 Prozent der 12- bis 19-Jährigen besaßen laut einer weiteren Studie in 2016 ein Smartphone. Also so gut wie jeder.

Und was genau machen die mit dem Gerät? Laut einer Langzeiterfassung von ARD und ZDF nutzen rund 80 Prozent ihr Smartphone, um sich zu informieren, Denkanstöße zu kriegen, mitreden zu können und Spaß zu haben. Das Smartphone ist für sie das wichtigste Zugangsmittel zum Internet. Noch wichtiger als das unendliche Wissen, das ihnen damit zur Verfügung steht, ist den Jugendlichen aber die Kommunikation mit ihren Freunden. Laut Studie verschicken 94 Prozent der Mädchen und Jungen täglich Textnachrichten.

Eine Kollegin berichtete kürzlich davon, dass ihr Sohn (17) sogar mit der Freundin chattet, während er sich die Zähne putzt. Eine andere, dass ihre Tochter (13) einen Heulkrampf bekam, als auf einer längeren Autoreise der Akku mitten in einem WhatsApp-Chat leer ging und kein Aufladekabel zur Hand war.

Und wie war das früher? The Buggles singen: „I met your children. What did you tell them?“ – Ich habe Deine Kinder getroffen. Was hast Du ihnen gesagt?

In der Pre-Handy-Ära sind die Kinder auch nicht immer nur auf Bäume geklettert oder haben im Matsch gespielt. Ich erinnere mich noch sehr gut an Drei-Stunden-Telefonate nach der Schule (1992) mit der besten Freundin und endlose TV-Sessions am Wochenende. Und das hat auch nicht unbedingt geschadet ...

Ein Gespräch zwischen zwei Frauen mittleren Alters neulich in der Umkleide des Fitnessstudios bringt es auf den Punkt:

„Der glotzt den ganzen Tag nur auf sein Handy!“

„Das geht doch nicht!“

„Und da habe ich gesagt: Geh’ doch mal raus. Und er dann so: Was soll ich denn da? Da ist doch keiner.“

 

Wie war das noch gleich bei The Buggles: „In my mind and in my car, we can’t rewind, we’ve gone too far“ – In meinem Kopf, in meinem Auto, wir können nicht zurückspulen, wir sind zu weit gegangen.

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