Lade Inhalte...

WAS SOLL DAS? Der redselige Pfaffe

Wie geht’s eigentlich Schumi? Georg Gänswein weiß es. Und erzählt’s der Bild.

Gänswein
Hinter vorgehaltener Hand? Gänswein (l.) redet ganz offen. Foto: Imago

Es ist ruhig geworden um Formel-Eins-Legende Michael Schumacher. Wie sollte es auch anders sein, nach seinem Skiunfall Ende 2013, der ihm bis heute ein Leben als Person des öffentlichen Lebens mit einem Schlag verunmöglichte? Seine Familie entschied sich, über Schumachers nachmalige Situation keine weiteren Angaben zu machen. „Die Entscheidung, die Privatsphäre vor der Öffentlichkeit zu schützen, ist in Michaels Interesse getroffen worden. Es ist das Recht der Familie, damit so umzugehen, wie es am besten ist für die Familie“, sagte Schumachers Managerin Sabine Kehm dem Redaktionsnetzwerk Deutschland im Mai 2017, und sprach von „massivem Druck“ seitens der Medien, dem die Familie standhalten müsse.

Ausgerechnet ein aus Deutschland stammender und im Vatikan reüssierender Geistlicher gab den Boulevard-Medien nun Zündstoff für eine neue Schlagzeile zu dem früheren Formel-1-Fahrer. Der „Bunten“ erzählte Georg Gänswein, Präfekt des päpstlichen Haushalts von Papst Franziskus und Sekretär von Alt-Papst Joseph Ratzinger, „exklusiv“ von einem Besuch im Hause Schumacher im Sommer 2016 – trotz der zwei Jahre, die seither ins Land gegangen sind, immer noch berichtenswert genug für die „Bunte“. Der Boulevard-Zeitschrift teilte Gänswein nun also „brühwarm“ mit, dass „liebende Menschen“ um Schumacher herum seien, „sich um ihn sorgen und gottlob die allzu neugierige Öffentlichkeit fernhalten. Ein Mensch, der krank ist, braucht Diskretion und Verständnis.“

Mit der Diskretion des Geistlichen, den die Familie Schumacher dem Vernehmen nach in erster Linie als Seelsorger in ihrer so konsequent geschützten Privatsphäre empfing, kann es derweil nicht allzu weit her sein. Gegenüber der „Bild“-Zeitung plauderte Gänswein weiter, schenkte dem Boulevard-Blatt damit sogar die Titel-Story ihrer Donnerstagsausgabe. Mit seinem Besuch im Wohnzimmer der Schumachers habe er es gut gemeint und zeigen wollen, dass Menschen an Schumacher denken, „auch jetzt, wo er nicht mehr der große Rennfahrer sein kann, wo er nicht im Licht der Öffentlichkeit steht“.

Mit dem Licht der Öffentlichkeit ist es bei dem Geistlichen auch so eine Sache, hat er es mit seinen 62 Jahren doch nicht aus dem kurialen und medialen Schatten zweier Päpste geschafft. Lediglich zu einem sogenannten Titularerzbischof wurde er geweiht und steht damit einem nur auf dem Papier existenten Bistum vor. In München gab es derweil ein großes Aufatmen, als sich die Gerüchte nicht bestätigen sollten, wonach der hierzulande mehr als Ratzinger- denn als Franziskus-Jünger verschriene Gänswein auf Erzbischof Reinhard Marx folgen sollte. Dieser wiederum sollte einstigen Gerüchten zufolge den 2014 frei gewordenen Bischofsstuhl in Berlin besetzen. Doch Gänswein kam zur Freude der Münchner Katholiken nicht in die Bayerische Landeshauptstadt, wo er immerhin das späte Erbe „seines“ Ratzingers angetreten hätte, der fünf Jahre lang in München Bischof war. Stattdessen ist es Gänswein aufgetragen, den Päpsten den Hof zu machen – entsprechend kreisen die Fragen der Medien, so sie ihn denn aufsuchen, auch selten um seine Person, sondern mehr um die „großen Rennfahrer“ seiner Kirche, Ratzinger und Franziskus.

Nun war es ein unfreiwillig geschiedener Rennfahrer, dessen Name den Geistlichen in ein fragwürdiges „Licht der Öffentlichkeit“ rückte. Für Alexander Filipovic, Professor für Medienethik an der Jesuiten-Hochschule für Philosophie in München, ist klar: Krankenbesuche sind grundsätzlich eine gute Sache. „Dass hier aber ein Geistlicher, der selbst eine Art Celebrity ist – und offenbar nicht danach trachtet, diesen Eindruck zu zerstreuen – bei einer weltweiten Berühmtheit zu Besuch ist und darüber Details an ‚Bunte‘ und ‚Bild‘ liefert – das ist mindestens problematisch. Zumal wir wissen, wie sehr und nachvollziehbar die Familie auf Diskretion achtet.“

Außerdem sei es ja auch so, sagt der Medienethiker: „Wer krank ist oder einen kranken Menschen betreut: Seelsorgerinnen und Seelsorger sind vor Ort, in der Gemeinde um die Ecke, und sie kommen gerne vorbei, zu jeder und jedem.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen