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Was soll das? Dein Haus, dein Auto, deine Jacht

Schon Wilhelm Busch wusste: „Kaum haste mal ein bisschen was, gibt es wen, den ärgert das.“

Neidfaktor Nummer eins: Geld und teure Besitztümer. Foto: rtr

In der klassischen Theologie gehört der Neid neben Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei und Faulheit zu den sieben Hauptlastern. So gesehen müssen wir also wohl alle irgendwann in der Hölle schmoren, denn wer war noch nie faul, zornig oder neidisch?
Neid ist jedoch bei dieser Aufzählung das Gefühl, das wir am wenigsten an uns mögen, denn es ist stark mit der empfundenen eigenen Unzulänglichkeit verbunden.
Trotzdem oder gerade deshalb haben laut einer Umfrage der „Apotheken Umschau“ die meisten Menschen ein Problem damit, anderen etwas zu gönnen. Jeder vierte Befragte bekennt sich dazu, neidisch zu sein, wenn es einem anderen besser geht als ihm selbst, zwei Drittel geben zu, ihren Mitmenschen zumindest manchmal bestimmte Vorteile zu neiden. So weit, so erwartbar. Viel interessanter hingegen ist, worauf die Befragten missgünstig schielen. Ganz oben auf der Liste steht – wen wundert’s – das liebe Geld. Auch auf den Plätzen zwei und drei der Neidfaktoren liegen materielle Dinge: Jeder Fünfte gerät demzufolge bei einem komfortablen Lebensstil mit viel Freizeit, Reisen und schönen Hobbys in emotionale Wallung. Jeder Sechste reagiert auf Besitztümer wie Haus, Auto oder Jacht. Erst auf den Plätzen vier bis acht landen nichtkäufliche Dinge: Karriere, eine harmonische Partnerschaft, Talent, Schönheit und Gesundheit. Verrückt.
Ein alter Werbespot der Sparkasse bediente sich schon Ende der 90er Jahre des Klischees vom missgünstigen Gegenüber. Darin treffen sich zwei alte Bekannte nach langer Zeit wieder und versuchen sich gegenseitig mit ihren materiellen Errungenschaften zu übertrumpfen.
Grundlage des Neids ist immer der Vergleich – allerdings nur mit jemandem, der ähnliche Voraussetzungen hat. Dazu passt, dass im Durchschnitt knapp 37 Prozent der Deutschen ausgerechnet ihre Freunde und Nachbarn um etwas beneiden, wie eine Studie aus dem Jahr 2015 ergeben hat. Schon Wilhelm Busch wusste: „Kaum haste mal ein bisschen was, gibt es wen, den ärgert das.“
Rational gesehen ist Neid natürlich ein völlig absurdes Gefühl. Wenn ein anderer viel Geld hat oder erfolgreich ist, habe ich davon keinen Nachteil. Das Gleiche gilt für den umgekehrten Fall: Weil es einem anderen schlecht geht, geht es mir nicht besser.
Zumindest in einer Hinsicht lässt die Umfrage auf ein wenig Gerechtigkeit hoffen: Am neidischsten, so ergab die Befragung, sind die gut Betuchten und Jungen. Wer alt und arm ist, hat also wenigstens seinen Seelenfrieden. Man könnte glatt neidisch werden.

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