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Partnerlook Mini-Me

Mit zwei T-Shirts das eigene Kind und vor allem sich selbst in Szene setzen. Was soll das?

Partnerlook
Vater und Sohn tragen heutzutage Partnerlook. Foto: etsy.com

Es ist kein Geheimnis, dass die Deutschen schon länger nicht mehr als durchschnittlich 1,5 Kinder in die Welt setzen. Das führt dazu, dass die meisten Heranwachsenden, genauer gesagt jedes vierte Kind, ihr Dasein als Einzelkind fristen, das sich in der Regel zwei Elternteilen gegenübersieht. Und weil diese Eltern auch immer älter sind, wenn sie das Einzelkind bekommen, läuft der Nachwuchs nicht wie früher einfach so mit, sondern steht unter, nennen wir es mal, besonderer Beobachtung.

Die Fokussierung auf die eigenen Nachkommen treibt dadurch immer seltsamere Blüten. Promis machen es trotz der deutlich mehr als 1,5 Kinder bei der Namenswahl vor. Die Kinder der millionenschweren Superstars Beyoncé und Jay Z heißen etwa Blue Ivy, Rumi und Sir. Und die deutsche Sängerin Sarah Connor ist die Mutter von Summer Antonia, Tyler Marc, Delphine Malou und Jax Llewyn. Otto Normalverbraucher weicht da lieber auf Marie, Sophie, Alexander und Paul aus, weiß sich aber anders zu behelfen, um das eigene Kind und vor allem sich selbst in Szene zu setzen.

„Me“ für Vater oder Mutter, „Mini-Me“ fürs Kind

Ideal für ein auf den ersten Blick sichtbares Verwandtschaftsverhältnis sind T-Shirts im Partnerlook, gerne mit sich ergänzenden Slogans. Der Klassiker und irgendwie auch die ehrlichste Variante ist „Me“ für Vater oder Mutter und „Mini Me“ für das Kind.

Weitere Modelle, die auf einschlägigen Webseiten angeboten werden: „The Original“ und „The Remix“. Außerdem „Blessed to be his/her Dad“ (auf dt. etwa: „Ich bin gesegnet, sein/ihr Vater zu sein“) und das Pendant dazu: „Blessed to be his Son/his Daughter“. Der Wahnsinn wird auch für die ganze Familie angeboten. Stellen Sie sich vor, Sie gehen die Straße entlang und eine vierköpfige Familie kommt Ihnen entgegen und trägt identische T-Shirts mit den folgenden Aufschriften. „Papa Bär“, „Mama Bär“, „little Bär“ und „Baby Bär“. Genau.

Als erwachsenere Alternative gibt es die etwas kryptische Kollektion : „Integral Component“, „Special Key Component“, „Special Outcome“, „Special Mix“. Nichts verstanden? Macht nichts, Hauptsache die T-Shirts sehen gleich aus und fördern den familiären Zusammenhalt. Doch wer zum Teufel trägt so was?

Fairerweise muss gesagt werden, dass es den Trend zum Partnerlook schon früher gab, allerdings – so die rein subjektive Erinnerung – eher bei kinderlosen Paaren. Der Klassiker: Zwei Mittvierziger im Wanderurlaub mit dem gleichen praktischen Windjacken-Modell. Auch dafür gibt es inzwischen längst Motto-Shirts („Mr“ und „Mrs“ oder „King“ und „Queen“).

Zurück zu den durchschnittlich 1,5 Mini-Mes. Innige, auch nach außen demonstrierte Elternliebe mag zwar etwas Schönes sein. Aber im Zweifel sollte gelten: Um zu einem mündigen Menschen heranzureifen, braucht ein Kind die Freiheit, nicht nur als vermeintlicher „Remix“ durch die Gegend zu laufen.

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