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Erika Steinbach So läuft der Hase

Ewiggestrige wie Erika Steinbach wettern mal wieder auf Twitter gegen die Bezeichnung „Traditionshase“ - und liegen wieder daneben. Unsere Kolumne.

Osterhase aus Schokolade
Der Schoko-Osterhase heißt auf Karstadts Kassenzetteln „Traditionshase“. Foto: imago

Eine Aufregung wie an Silvester – und das zur Osterzeit. Und im Fokus der Geschehnisse steht, wie derzeit überall in den Supermarktregalen: der Osterhase. Sofern man ihn denn noch so nennen darf. Keine Angst, das darf man. Doch der Reihe nach …

Auf Twitter kursiert seit wenigen Tagen ein Kassenbeleg aus der Lebensmittelabteilung des Warenhauses Karstadt in Hamburg. Dort hat ein Kunde vermutlich in bester Absicht einen Hasen aus Schokolade gekauft – je nach Marketingstrategie des produzierenden Chocolatiers auch als Schmunzelhase oder Goldhase bekannt.

Doch nun das: Da wird der 1,79-Euro-Mümmelmann auf dem Kaufbeleg doch allen Ernstes als „Traditionshase“ aufgelistet. „Skandal“, schallt es aus der schokoladenfarbenen Ecke: Einige Twitternutzer unterstellten, die Bezeichnung werde verwendet, um keine religiösen Gefühle von Anhängern anderer Glaubensrichtungen zu verletzen. Da mischt dann unter anderem die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach mit: „Wer mir keine Osterhasen mehr verkaufen will, der kann auch sonst auf mich verzichten …“, zwitschert sie.

Verwunderlich ist das von der AfD-nahen Steinbach nur wenig. Ist das mit dem Traditionsbegriff doch das Steckenpferd der selbst ernannten Verteidiger des christlichen Abendlandes. Wobei die Schöpfung des Begriffs „Traditionshase“ mit der Infragestellung des christlichen Osterfestes wohl nur so viel zu tun hat wie der Osterhase selbst mit der Kreuzigung Jesu.

Das geht beispielsweise aus einer Erklärung von Rewe auf Twitter hervor, dort heißt das Tierchen offenbar genauso: „Seit 1992 bezeichnet Rewe den Lindt-Goldhasen, um den es sich hier handelt, am Regal und auf dem Kassenbon als ‚Traditionshasen‘. Da es ihn nach unserem Kenntnisstand bereits seit den frühen 50er Jahren in Deutschland gibt, ist der Begriff ‚Traditionshase‘ also durchaus treffend.“

Das hindert nicht jeden daran, mit der geistigen Kapazität eines Schokohasen eben über jedes hingehaltene Stöckchen zu hoppeln und die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben. Doch zur Beruhigung der allgemeinen Gemütslage sei angemerkt, dass die Mehrheit offenbar weiß, wie der Hase läuft, und Steinbach und Konsorten nur eine Minderheit auf Twitter darstellen. So sehen sie sich einem gepflegten Shitstorm gegenüber – findet sich unter dem Hashtag #Traditionshase doch mehrheitlich Spott für die Ewiggestrigen, die noch nicht erkannt haben, dass nur in ihrer Welt der Hase im Pfeffer liegt.

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