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Kölner Stadtarchiv Drei Freisprüche

Nur einer der vier Angeklagten im Kölner Stadtarchivprozess wird verurteilt.

Kölner Archiv
Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagt: „Das Ereignis hat eine Narbe im Stadtbild hinterlassen und im Gedächtnis der Stadt.“ Foto: dpa

Neuneinhalb Jahre nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat das Landgericht einen 57 Jahre alten Bauüberwacher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) wegen fahrlässiger Tötung zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die drei anderen Angeklagten – eine weitere Überwacherin der KVB und zwei Mitarbeiter von Baufirmen – wurden freigesprochen.

Ihm sei klar, sagte der Vorsitzende Richter Michael Greve, dass vor allem die drei Freisprüche in der Öffentlichkeit ein „gewisses Unverständnis“ hervorrufen könnten. „Aber das darf nicht Maßstab unserer Entscheidung sein“, so Greve. Den beiden Angestellten der Baufirmen seien zwar Pflichtverletzungen nachzuweisen, diese waren aber nach Überzeugung der Strafkammer nicht ursächlich für den Einsturz. Bei der KVB-Mitarbeiterin sei bereits zweifelhaft, ob sie über die Tatsachen zur Einsturzursache informiert gewesen sei.

Der 57-jährige Angeklagte dagegen habe es unterlassen, seine Überwachungspflichten zu erfüllen. Der Einsturz und der Tod zweier Anwohner hätte nach Ansicht des Gerichts verhindert werden können, wenn der KVB-Mitarbeiter seine Pflichten „nach den Regeln der Baukunst“ ausgeübt hätte.

Auch wenn das Gericht einige Fragen nicht klären konnte, so stehe doch die Ursache für den Einsturz „eindeutig und zweifelsfrei“ fest. Er sei auf einen „gravierenden Fehler“ bei der Herstellung einer unterirdischen Betonwand für das U-Bahn-Bauwerk zurückzuführen, die drei Meter vor dem Archiv errichtet worden war, sagte Greve. Andere Einsturzursachen seien ausgeschlossen.

Frank Pagel, Stiefvater eines Opfers, das beim Einsturz starb, zeigte sich bestürzt: „Es tut weh. Ich muss das erstmal sacken lassen.“ Fritz Schramma, 2009 Oberbürgermeister von Köln, zeigte sich erstaunt, dass man nun zwar um gravierende Baufehler wisse, aber kein Schuldiger auszumachen sei. Verlaufe der Zivilprozess ähnlich, werde der Steuerzahler für den Pfusch aufkommen müssen. „Aber das haben ja viele Kölner von Anfang an geahnt.“

Oberbürgermeisterin Henriette Reker wollte sich zunächst nicht zum Urteil äußern, sagte aber: „Das Ereignis hat eine Narbe im Stadtbild hinterlassen und im Gedächtnis der Stadt.“ Das Ende des Strafprozesses sei „wichtig für die Angehörigen“. Und weiter: „Ich hoffe, dass wir uns bald den Themen widmen können, die Zukunft sind.“

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