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Klimawandel Schwindendes Eis bedroht Walrosse

Da Walrosse im Arktischen Ozean nicht mehr genug Eis finden, auf dem sie ihre Jungen gebären können, müssen sie die Küste aufsuchen. Dort erdrücken sie sich gegenseitig. Von Gerd Braune

20.10.2009 11:10
Gerd Braune
Walrosse erdrücken sich aus Platzmangel gegenseitig. Foto: dpa

Ottawa. Klimaveränderungen und schwindendes Eis bedrohen nun die Walrosse im Arktischen Ozean. Da die Tiere im Meer nicht mehr genug Eis finden, auf dem sie ihre Jungen gebären und von dem aus sie Nahrung suchen können, müssen sie die Küste Sibiriens und Alaskas aufsuchen. Wissenschaftler fanden nun auf Icy Cape in Alaska die Kadaver von 131 Walrossen, die offenbar erdrückt wurden, fast ausschließlich Kälber und einjährige Tiere.

"Ohne den dramatischen Verlust an Meereis würden die jungen Walrosse jetzt wahrscheinlich auf dem Eis leben und nicht tot am Strand liegen", urteilt Geoff York, Arktisbiologe des WWF der USA, und fordert drastische Maßnahmen gegen den Klimawandel von der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember.

Das Phänomen, dass riesige Walrossherden an die Küste kommen, wurde in Alaska und Sibirien erstmals 2007 beobachtet. An der Tschuktschen-See wurden Buchten mit Zehntausenden Tieren entdeckt. Russische Biologen fanden zudem 3000 bis 4000 Kadaver überwiegend junger Tiere. Vor fünf Wochen sichteten US-Forscher rund 3500 Walrosse an Icy Cape. Wenige Tage später fanden sie mehr als 100 tote Tiere. Untersuchungen ergaben Prellungen an Nacken und Brust, Rippen- und Schädelfrakturen, und dass die meisten aus den Nüstern bluteten, was auf innere Verletzungen schließen ließ. Die Mediziner folgerten, dass die Jungtiere von erwachsenen Tieren erdrückt wurden, als die Herde vermutlich in Massenpanik ins Wasser eilte.

Die mehr als drei Meter großen und eine Tonne schweren Tiere ernähren sich vor allem von Muscheln, Krabben und Würmern, die sie auf dem Meeresboden finden. Sie nutzen das Eis als Plattform, von der aus sie tauchen. Allerdings muss das Eis in die Küstenregion hineinreichen. Dort ist das Meer durch den Kontinentalsockel nur wenige hundert Meter tief, so dass die Walrosse den Boden erreichen können.

Nun aber zieht sich das Eis weit ins Nordpolarmeer zurück, wo es zu tief für Tauchgänge ist. "Die Walrosse können dort keine Nahrung finden und müssen in großer Zahl an die Küste kommen, wo sie zuvor nicht waren. Wenn 20.000 Walrosse versuchen, auf dem Meeresboden etwas zu essen zu finden, dauert es nicht lange, bis es keine Nahrung mehr gibt." Der WWF-Experte befürchtet, dass dadurch die Walross-Population schrumpfen wird.

Zudem kann es in Walross-Herden auf engem Raum leicht zu Panik kommen, verursacht etwa von Eisbären, Jägern oder einem einzelnen schreckhaften Tier - mit schlimmen Folgen für Jungtiere wie in Icy Cape. "Massenfluchten gab es schon immer", sagt Biologe York, "aber es gab nicht so große Ansammlungen an der Küste."

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