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Kirsten Dunst Miss Melancholia

In Lars von Triers neuem Werk spielt sie eine depressive Braut. Im Interview berichtet Schauspielerin Kirsten Dunst über die Arbeit mit dem berüchtigten Regisseur, ihren deutschen Pass und witzige Nacktszenen in "Melancholia".

11.10.2011 10:12
Schauspielerin Kirsten Dunst bei der Premiere von "Melancholia" in Toronto. Foto: REUTERS

In Lars von Triers neuem Werk spielt sie eine depressive Braut. Im Interview berichtet Schauspielerin Kirsten Dunst über die Arbeit mit dem berüchtigten Regisseur, ihren deutschen Pass und witzige Nacktszenen in "Melancholia".

Ob als Vampirin, Spidermans Angebetete oder Prostituierte: Kirsten Dunst hat schon in vielerlei Rollen überzeugt. Nun ist die Schauspielerin als eine depressive Werbefachfrau in Lars von Triers Film „Melancholia“ zu sehen – eine Rolle, die ihr viel abverlangte, aber auch in Cannes die Goldene Palme einbrachte.

Lars von Trier ist einerseits berüchtigt für seinen Verschleiß an Hauptdarstellerinnen, andererseits schreibt er die schönsten Rollen für Frauen. Ist die Arbeit mit ihm eine Achterbahnfahrt?

Ich habe auch diese Geschichten über Lars gehört. Aber ich habe seine negative Seite nie erlebt. Anders hätte die Zusammenarbeit auch nicht funktioniert. Ich war während der Dreharbeiten sehr verletzlich und habe mich ausgeliefert. Das geht nur mit einem Regisseur, dem ich vertrauen kann.

Sie hat er also geliebt?

Ich verstehe nicht, wie man ihn als Frauenfeind bezeichnen kann. Er ist einer der wenigen Autoren, der noch große Frauenrollen schreibt. Zudem besteht sein Team größtenteils aus Frauen. Wenn er uns so fürchterlich findet, würde er ja mit Männern arbeiten. Zu mir war er zauberhaft.

Einige Vorgängerinnen wollen nie wieder mit ihm arbeiten.

Ich weiß, dass es bei Dreharbeiten dieser Intensität zu Problemen kommen kann, die sich zum Alptraum entwickeln können. Solche Katastrophen haben wir nicht erlebt. Es gibt viele Menschen, die schon seit Jahren mit ihm arbeiten. Das muss auch mal erwähnt werden. Ich habe sogar mit ihm darüber gesprochen, noch einen Film zu machen.

Immerhin kam es bei den Filmfestspielen in Cannes zum Wechselbad der Gefühle. Nazi-Schock bei der Pressekonferenz und dann Freudentränen mit dem Schauspielpreis auf der Bühne.

Lars’ Äußerungen waren vollkommen daneben, darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber man hatte ihn mit einer dämlichen Frage provoziert. Die Produktion hat es mit Humor genommen: An uns wurden Buttons ausgegeben, auf denen stand: „L.v.T. – Persona non grata Cannes 2011“. Der Schauspielpreis hat mich stolz gemacht. So eine Auszeichnung ist etwas Besonderes.

Auf der Bühne hatten Sie Freudentränen in den Augen.

Ich? Ich habe doch nicht geweint! Ich scherze. Natürlich war ich gerührt und überglücklich.

Haben Sie einem Regisseur jemals so viel von sich geschenkt?

Ich versuche immer alles zu geben, doch nicht jede Rolle eignet sich dazu. Ich habe ihm besonders viel gegeben, das lag vor allem an der Rolle, die er geschrieben hat.

Sie haben selbst unter Depressionen gelitten und spielen eine depressive Frau. Holen einen da die Schatten der Vergangenheit ein?

Es ist im Gegenteil so, dass ich mental besonders stabil und gesund sein musste, um so intensiv zu spielen. Ab einem gewissen Punkt habe ich mich auch so sicher gefühlt, dass ich mir keine Gedanken mehr gemacht habe. Ich fühlte mich völlig frei, es gab kein Falsch und kein Richtig.

Sie haben sogar einer Nacktszene zugestimmt, die Schauspielerinnen Ihres Kalibers normalerweise nicht mehr spielen.

Die Szene sollte schön aussehen. Ich liege im Schein des fremden Planeten auf einer nächtlichen Wiese. Als ich das Drehbuch las, hatte ich keine Bedenken, am Drehtag dann doch. So geht es wohl jedem, der sich vor Fremden ausziehen soll. Am Ende haben Lars und ich Witze gemacht, um uns locker zu machen.

Was ist der richtige Witz für eine Nacktszene?

Wir haben uns komische Sachen zugerufen – die Situation war völlig absurd: Ich wurde nackt auf einer Holzplattform vor die Kamera gerollt, und kam mir vor wie Huckleberry Finn auf seinem Holzfloß. Es war eher witzig als peinlich oder erotisch.

Wie wichtig ist Erfolg für Sie?

Ich arbeite schon so lange, mir kommt es so vor, als könnte ich morgen in Rente gehen und stolz auf mich sein. Ich habe mit unglaublichen Kollegen und Regisseuren gearbeitet, das ist mir wichtig. Erfolg wird heute leider nur noch daran gemessen, wieviel Geld ein Film einspielt.

Sie werden bald dreißig, wird das Thema Familie wichtiger?

Ich hätte schon gerne Kinder. Wenn die Dreißig eine neue Tür ist, die sich öffnet, dann würde ich gerne in diese Richtung gehen. Ich hoffe, ich treffe den richtigen Menschen, der mich begleitet.

Sie stehen vor der Kamera seit Sie ein Kind waren. Wann lernten Sie, dass die Zuschauer nicht Sie lieben, sondern eine Illusion?

So geistig verwirrt war ich nie zu glauben, die Zuschauer lieben mich. Ich hatte die Liebe meiner Familie. Die oberflächliche Zuneigung des Filmgeschäfts konnte mich nicht verwirren.

Ihr Vater ist Deutscher. Wie präsent sind diese Wurzeln?

Ich habe seit September einen deutschen Pass, auf den ich sehr stolz bin. Ich könnte jetzt hier arbeite und würde gerne Filme mit Fatih Akin oder Michael Haneke machen. Ich könnte mir auch vorstellen, eine Wohnung in Berlin zu kaufen. Deutschland war immer ein wichtiger Teil meines Lebens.

Das Interview führten Bettina und Christian Aust.

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