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Kindsmörderin gesucht Eine Frau in einer Ausnahmesituation

Allein in Nordrhein-Westfalen muss die Polizei im Jahr durchschnittlich vier Tötungen von Neugeborenen aufklären. Dabei helfen jetzt Profiler des LKA.

Akten
Ein Stapel Fassungslosigkeit: Selbst erfahrene Ermittler sind immer wieder geschockt. Foto: dpa

Ein Ansatzpunkt für die Ermittler ist die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft. „Viele Frauen geben an, Medikamente zu nehmen. Aber es fällt auf, wenn sie plötzlich wieder schlank sind. Die Ermittler können nachhaken, ob solche Frauen im Umfeld des Fundorts aufgefallen sind“, so Müller. Laut Statistik werden „Schwangerschaftsmerkmale“ in etwa 75 Prozent der Fälle im Umfeld erkannt. In einem Drittel der Fälle wurden den Frauen sogar konkrete Fragen zu einer möglichen Schwangerschaft gestellt. Die Profiler nutzen auch die sozialen Netzwerke für ihre Nachforschungen.

Bei den Ermittlungen müssen die Fahnder hochsensibel vorgehen. Vor allem Angehörige haben meist eine hohe Hemmschwelle, einen Verdacht gegen ein Familienmitglied auszusprechen, auch wenn sie bereits konkrete Mutmaßungen hegten. „Geldsummen zur Aufdeckung der Tat auszuloben, bringt meist nichts“, sagt Müller. „Die Hinweisgeber wollen keinen Judaslohn kassieren.“

Dennoch: Im Fall von Willich-Anrath führt schließlich der Hinweis einer Tante zum Erfolg. Samantha M. und Kindsvater Dennis F., der den Jungen nach der Tat in den Bach gelegt hatte, werden nach Jugendstrafrecht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Mutter wurde zugutegehalten, dass sie zum Tatzeitpunkt wegen einer psychischen Erkrankung in ihrer Steuerungsfähigkeit eingeschränkt war.

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