Lade Inhalte...

Keith Richards im FR-Interview „Wenn ich den Teufel treffe, helfe ihm Gott"

Keith Richards über das Leben vor und nach dem Tod, seine Liebe zu Deutschland, die nächste Tournee der Rolling Stones und seine neue Freundschaft mit Paul McCartney

12.11.2010 22:24
Sympathy for the devil: Keith Richards und Mick Jagger 2003 im Münchener Olympiastadion. „Mick und ich sind wie Brüder. Es gab oft Zoff, aber die Wunden heilen schnell“, sagt Richards heute. Foto: Jörg Koch/ddp

Mr. Richards, reden wir über Vergänglichkeit.

Wenn’s sein muss.

Als ich Sie 1988 zum ersten Mal interviewte, waren Sie 44 und ich 25 Jahre alt...

(lacht) Das ist ja eine Ewigkeit her.

Es gibt ein paar Fotos von dem Gespräch. Als ich die wieder hervorgekramt habe, bin ich nicht nur über die Frisuren erschrocken...

Zeigen Sie mal her. Ich weiß gar nicht, was Sie haben: Ist doch fantastisch! Ich mit Schulterpolstern, Sie mit Vokuhila. Also, ich finde: Wir sehen beide großartig aus. (lacht)

Damals sagten Sie, die Rolling Stones seien Pioniere, weil noch keine andere Rockband jemals so lang – 26 Jahre – zusammengeblieben sei. Das wäre heute, 22 Jahre später, ein Understatement.

Ich würde Ihnen heute genau das Gleiche wieder sagen. Mit dem Unterschied, dass die Aussage inzwischen noch mehr Gewicht hat als damals.

Sind Sie manchmal über sich selbst verblüfft, dass Sie nach all den Exzessen eines halben Jahrhunderts noch leben?

#infobox

Ja. Ich muss mich manchmal schon über mich wundern. Im Moment bin ich für solche Gefühle besonders anfällig. Ich habe drei Jahre damit verbracht, mir mein Leben wieder für meine Autobiografie zu vergegenwärtigen. Ich hatte zwar damit gerechnet, dass all diese Geschichten gewisse Menschen interessieren würden. Aber dass es auf Platz Eins der Bestsellerlisten steht, überwältigt mich dann doch. Ich sitze hier im Moment voller Ehrfurcht vor Ihnen.

Paul McCartney hat uns letztes Jahr erzählt, wie er es schafft, sich mit 67 bei Songs wie „Helter Skelter“ immer noch die Lunge aus dem Leib zu schreien. Er sagte: Ich kann das nur machen, weil ich mich nicht in Frage stelle. Ist das auch Ihre Philosophie – drauflos leben und Musik machen ohne Sicherheitsnetz?

Ich könnte es nicht besser als Paul sagen. Ich habe mich nie in Frage gestellt. Und ich frage mich auch heute nie, ob ich zu alt bin, ob ich das alles meinem Körper noch zumuten soll. Das bringt doch nichts. Du machst es einfach, du machst einfach immer weiter. Ich habe den Eindruck, dass uns diese Art von Fragen gestellt wurden, seit es uns gibt. Wie lange wollt ihr das noch machen? Ist das eure letzte Tour? Undsoweiterundsofort. Blues-Musikern wie Muddy Waters oder John Lee Hooker, die wir bewundert haben, hat man solche Fragen nie gestellt. Die haben Musik gemacht, bis 70, 80 waren. Bis sie umgefallen sind. Aber es ist interessant, dass Sie gerade Paul im Zusammenhang mit Vergänglichkeit ansprechen. Ich meine: Er und Ringo sind die beiden letzten noch lebenden Beatles. Ich habe John gut gekannt, auch George und Ringo, aber Paul und ich sind in den Jahrzehnten zuvor nie wirklich zusammengekommen, wir haben nie zusammengesessen und mal geredet. Das haben wir kürzlich nachgeholt. Schon kurios, dass es erst jetzt nach so vielen Jahren dazu kam, aber es hat sich eher zufällig ergeben. Paul hat mich eine zeitlang jeden Tag in meinem Haus auf der Insel Parrot Cay besucht, wo er zeitweise auch lebt. Wir sprachen über das Songschreiben, das Leben, den Tod und darüber, was die Beatles von den Stones unterschieden hat.

Was war das?

Bei den Beatles konnten alle singen, wir waren eher eine Musikband, wir hatten nur einen Frontmann.

Haben Sie mit ihm nur geredet oder auch zusammen Musik gemacht?

Wir haben tatsächlich ein paar Songs miteinander geschrieben: McCartney-Richards-Songs. Die sind aber noch nicht veröffentlicht worden (lacht).

Warum nicht?

Wir haben sie noch nicht fertiggestellt. Es war ein Anfang, wir haben eine Art fortlaufende Beziehung.

Auf seiner letzten CD schrieb McCartney einen Song darüber, wie er sich seine Beerdigung vorstellt: als Feier mit Musik, tanzenden Menschen und Kindern. Haben Sie ähnliche Gedankenspiele?

Nein, mit meiner Beerdigung habe ich mich noch nicht beschäftigt. Aber ich kann gut nachfühlen, warum Paul sich mit solchen Dingen auseinandersetzt. Nur sind wir in diesem Punkt beide sehr unterschiedlich. Es fällt mir schwer, solche Gedankenspiele über die Zukunft anzustrengen. Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit ja eine ziemlich konkrete Erfahrung mit dem Tod, als ich 2006 bei einem Urlaub auf den Fidschi-Inseln vom Baum stürzte und mich am Kopf verletzte.

Was seitdem als Palmensturz des Keith Richards in Ihre überbordende Mythensammlung eingegangen ist.

Es war ja keine Palme, sondern ein anderer Baum. Aber, weil es auf den Fidschi-Inseln passierte, hatten die Medien eben die Palme dazugedichtet.

Sie hatten sich dabei einen Riss im Schädel zugezogen, den Sie zunächst nicht bemerkten, später erlitten Sie als Folge davon zwei Schlaganfälle im Schlaf.

Ja, es war eine bedrohliche Situation. Sie mussten mir ein Blutgerinnsel unter der Schädeldecke operativ entfernen. Viele in meinem Umfeld dachten, ich würde sterben. Als ich im Krankenhaus lag, bekam ich Unmengen an Briefen mit Genesungswünschen – von Jerry Lee Lewis bis zu Bill Clinton. Es war eine interessante Vorschau darauf, wie sich meine Nachrufe lesen würden.

Hat Sie das erschreckt?

Erschreckend war ein Brief von Tony Blair, der mir neben den guten Wünschen noch schrieb, ich sei immer sein Held gewesen. Der Staatschef Großbritanniens nahm ausgerechnet mich zum Vorbild? Also das fand ich wirklich erschreckend. Im Ernst: Mit all den wohlmeinenden Wünschen konnte ich leben. Aber ich würde es hassen, mir über meine eigene Beerdigung Gedanken zu machen. Da bin ich ganz anders als Paul.

Glauben Sie an Gott?

Ob ich an Gott glaube? Ich kann Ihnen auch nicht sagen, ob er existiert.

Das habe ich Sie auch nicht gefragt.

Also ich fand immer, dass sich diese Frage außerhalb dessen bewegt, was wir Menschen erfassen können. Wer weiß schon, was nach dem Tod passiert.

Macht Ihnen der Tod Angst?

Ich bin auf beides vorbereitet: Entweder erwartet mich das große Nichts oder... es beginnt ein neuer Trip (lacht). Ich weiß nur eins: Wenn ich den Teufel treffen sollte – dann helfe ihm Gott.

In „Life“ schildern Sie sehr ausführlich, wie Sie am Bett Ihrer schwerkranken Mutter sitzen und für sie Gitarre spielen – bis kurz vor ihrem Tod. Helfen solche Momente, die Angst vor dem eigenen Tod zu überwinden?

Es war mir wichtig, dass ich bei ihr war. Ich hatte immer eine besondere Beziehung zu meiner Mutter. Sie war es, die mir die Musik gegeben hat. Sie stammt aus einer sehr musikalischen Familie. Meine Liebe zur Musik verdanke ich ihr. Und dann sagte sie auf dem Krankenbett: „Keith, deine Gitarre ist verstimmt.“ Sorry, Mutter. Sie hatte eben ein sehr feines Gehör, bis zum Schluss. Mein Großvater mütterlicherseits war auch sehr musikalisch, wie überhaupt viele Verwandte aus der Familie meiner Mutter. Musik war überall. Jeder sang, jeder liebte Musik. In diesem Umfeld wuchs ich auf. Bei uns zu Hause war es nie still – das wäre auch langweilig gewesen.

Mr. Richards, Sie wurden während des Zweiten Weltkriegs geboren, eine deutsche V1-Rakete zerstörte das Haus Ihrer Eltern in Dartford. Sie haben später mal gesagt: „Ich wollte herausfinden, wer diese Arschlöcher waren, die all das angezettelt haben.“ Haben Sie eine Antwort auf diese Frage gefunden?

In vieler Hinsicht ja. Aber die Frage beschäftigt mich noch immer. Es gibt natürlich historische Erklärungen, wie jene, dass sich Deutschland nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag gegängelt fühlte. Aber das ganze Ausmaß kann man nicht erfassen. Ich frage mich noch immer, wie es geschehen konnte, dass Deutschland sich von einem österreichischen Gefreiten ins Verderben reißen ließ. Sehen Sie, die Folgen des Zweiten Weltkriegs haben mich sehr geprägt. In meinen ersten Kindheitserinnerungen sehe ich mich immer wieder durch die Ruinenlandschaften von London gehen. Es gab 1946 / 47 praktisch keine intakten Gebäude mehr. Um mich herum diese totale Zerstörung. Und in jenen Jahren wuchs in mir der Wunsch, etwas Neues entstehen zu lassen. Ich habe das nur mit Hilfe der Musik geschafft, das war für mich der einzige Weg.

Wie haben Sie Deutschland und die Deutschen später gesehen?

Ich hatte nie feindselige Gefühle gegenüber Deutschland verspürt. In Berlin oder Frankfurt sah es ja nach dem Krieg nicht besser aus als in London, vielleicht sogar noch schlimmer. Das werden Ihnen Ihre Eltern und Großeltern auch geschildert haben. Was mich damals verstörte, war, dass um mich herum alle Erwachsenen ständig von der Zeit vor dem Krieg schwärmten. Vor dem Krieg war alles so viel besser. Das ging mir auf die Nerven, weil ich dieses Leben nicht kannte. Denn ich lebte nach dem Krieg. Es hat lang gedauert, bis ich damit zurecht kam, dass alle um mich herum immer nur nostalgisch zurückblickten. Sie schienen so zu tun, als hätte dieser Krieg nicht stattgefunden. Was einerseits verständlich war: Jeder wünschte sich, dass dieser Krieg nie stattgefunden hätte. Aber es hat ihn gegeben. Eine Zeit lang hatte ich mir ernsthaft überlegt, mein Buch mit dem Satz „Hitler war mir auf den Fersen“ zu beginnen. Das wäre dann wohl doch übertrieben gewesen.

Aber die Frage, wie es zu dieser kollektiven Entfesselung kommen konnte, beschäftigt mich bis heute. Dass sich ein ganzes Volk von einer Bande besessener Verbrecher und Verrückter mitreißen lässt. Ich frage mich grundsätzlich, wie solche Regimes auch an anderen Plätzen der Welt entstehen konnten. Aber mit der deutschen Geschichte habe ich mich besonders intensiv befasst. Ich habe unter anderem Gitta Serenys Buch „Das Ringen mit der Wahrheit“ über Hitlers Lieblingsarchitekten Albert Speer gelesen.

In dem Sereny die Selbstdarstellung Speers, er sei nur ein Mitläufer gewesen, durch ihre akribischen Recherchen in Frage stellt.

Ja. Speer war ein sehr talentierter Architekt und gleichzeitig ein sehr schwacher Mensch. Ich habe viel über ihn gelesen. Die Macht, die Menschen wie er ausübten, war enorm und erschreckend. Und so ein totalitäres Regime könnte wieder entstehen. Nicht unbedingt in Deutschland. Aber das Potenzial dafür gibt es überall auf der Welt. Es ist erschreckend und faszinierend zugleich, dass sich Menschen von solchen Führern derart vereinnahmen lassen. Ich habe mich sehr dafür interessiert, wie Hitler es schaffte, die Massen zu kontrollieren. Und ich weiß inzwischen mehr darüber als er.

Bei manchen Ihrer Stadion-Auftritte spielen Sie so wild, dass es wirkt, als wollten Sie die Publikumsmasse anpeitschen. Ist das eine bewusste Machtgeste?

Da kommt der Dämon in mir zum Vorschein (lacht). Nein, im Ernst, manchmal läuft ein Konzert einfach so gut, dann machst du auf einmal Sachen, die du dir im Traum nicht vorstellen würdest. Du kannst so was nicht planen, das hat nichts mit Manipulation zu tun. Genau das sind nämlich die schönen Momente im Rock’n’Roll. Sie sind nicht vorhersehbar, es entsteht ein Gefühl von Freiheit.

#html


Sie sind mit den Rolling Stones mehrmals im Berliner Olympiastadion und auch auf dem Nürnberg Zeppelinfeld, dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nazis, aufgetreten. Beides Orte, die von Albert Speer mit gestaltet wurden. Mit dem Wissen, das Sie über diese totalitäre Architektur haben – was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie dort spielten?

Es war... gespenstisch. Ja, das trifft es am besten. Wenn wir an solchen Orten vor 70000 euphorisierten Menschen spielten, wurde mir klar: Ich wuchs gerade heran, als all das hier gebaut wurde und die Nazis die Massen verführten. Das hat mit stammesgeschichtlichen Ritualen zu tun. Wenn zigtausende Menschen eins werden, ist das in gleichem Maße faszinierend und erschreckend.

Können Sie sich noch daran erinnern, wie es Ihnen ging, als Sie erstmals nach Deutschland kamen?

Ich habe mich den Menschen in Deutschland immer auf seltsame Weise verbunden gefühlt. Vor allem mit denjenigen, die damals so alt waren wie ich, mit Menschen, die aus dem Nichts, das sie umgab, etwas machen wollten. Das hat uns über die Ländergrenzen nach dem Krieg verbunden. Es hat mich auch gelehrt, wie schnell sich Menschen zum Positiven verändern können. Mein Rezept war: Liebe deine Feinde – meine erste Frau Anita Pallenberg war Deutsche.

Der Konzert-Veranstalter Fritz Rau hat die ersten großen Tourneen der Stones in Deutschland organisiert. Anfang der 60er hatte er mit dem American Folk Blues Festival erstmals amerikanische Blues-Musiker wie Memphis Slim oder John Lee Hooker zu Konzerten nach England geholt, die Sie damals als Fans besuchten. War Rau für Sie der gute Deutsche?

Ja, Fritz half mir, die Deutschen besser zu verstehen. Es gab eine spontane Zuneigung zwischen ihm und mir und der ganzen Band. Seine Liebe zum Blues hat uns verbunden. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Wie geht es ihm?

Er ist in diesem Jahr 80 geworden und hält oft Vorträge darüber, wie er den Blues und den Rock nach Deutschland geholt hat.

Fritz war ein Gigant unter den deutschen Promotern. Ich sagte ihm mal: „Okay, du bist Deutscher, ich Engländer – wen kümmert’s!“ Die Leidenschaft für Blues-Musik war wichtiger als die Frage, wer du bist und woher du kommst. Fritz hat mich viel darüber gelehrt. Ich weiß nicht, ob er sich seiner Bedeutung damals überhaupt bewusst war. Er hat es einfach gemacht, er stand weit über der Tagespolitik, über all dem Bullshit.

Mr. Richards, reden wir noch ein bisschen über die Auswirkungen Ihres exzessiven Lifestyles auf andere Teile Ihres Lebens. Sie haben inzwischen vier erwachsene Kinder. Die meisten Kinder rebellieren irgendwann mal gegen ihre Eltern. Wie haben Ihre Kinder gegen ihren Rebellen-Vater aufbegehrt?

Ich glaube, sie hatten nie einen Grund, gegen mich zu rebellieren. Ich hatte ihnen nie strenge Regeln vorgegeben, um durchs Leben zu kommen oder den Alltag zu bewältigen. Wir waren Nomaden, ständig am Herumziehen.

Auch Nomaden haben bestimmte Regeln.

Ich habe immer darauf geachtet, dass sich meine Kinder geborgen fühlen, dass sie sicher aufwachsen können, egal an welchem Ort. Aber ich hatte keine Regeln. Wer bin ich denn, dass ausgerechnet ich meinen Kindern Regeln aufstelle?! Ich habe mein ganzes Leben gegen Reglementierungen gekämpft.

Ihr Sohn Marlon war ein kleines Kind, als Sie schwer drogensüchtig waren. Sie schreiben, dass Sie sich sorgten, dass Sie auch die Kinder mit reinziehen.

Natürlich gab es auch Probleme. Auf der Schule haben ihn andere Kinder aufgezogen: „Dein Dad ist ein Junkie, weißt du das?“ Das war nicht leicht für ihn. Er musste damit fertig werden und er hat es auch geschafft. Ich habe mich nie vor meine Kids hingesetzt und mir einen Schuss verpasst. Meine Kinder sind heute oft um mich herum, sie sind gewachsene, stabile, herzliche Persönlichkeiten, mehr kann ich mir vom Leben nicht wünschen.

Haben Sie Ihre Kinder vor Drogen gewarnt?

Wir haben darüber gesprochen, aber ich habe nie versucht, sie zu belehren. Ich habe mich und meinen Köper als eine Art Privatbesitz betrachtet, mit dem ich experimentieren konnte. So nach dem Motto: „Oh, nehmen wir mal diesen Stoff und schauen, was es mit mir macht.“ Ich bin wie Dr. Jekyll, ich war mein eigenes Versuchskaninchen.

Mr. Richards, Sie schreiben in Ihrem Buch auch sehr ausführlich über Mick Jagger – über die Streitereien, aber auch über ihre enge Verbundenheit. Die Medien-Schlagzeilen zu Ihrer Autobiografie beziehen sich fast nur auf diese Konflikte. Ärgert Sie diese eingeschränkte Wahrnehmung?

Zuneigung taugt nicht für Schlagzeilen. Das wusste ich natürlich vorher. Ist mir egal. Mick und ich sind wie Brüder, keine Freunde. Und wenn man zwei Brüder zu lange auf engem Raum zusammensperrt, dann kracht es eben oft. Es gab oft Kämpfe zwischen uns, als er das Leadsänger-Syndrom hatte und sich für den Größten überhaupt hielt. All das konnte und wollte ich in meinem Buch nicht auslassen, dann wäre es nicht ehrlich gewesen. Es gab oft Zoff, aber am Ende sind wir immer wieder zusammengekommen. Die Wunden heilen schnell. Die ganz heftigen Verwerfungen liegen ja auch schon fast 30 Jahre zurück.

An einer Stelle machen Sie sich über den riesigen aufblasbaren Penis lustig, mit dem Mick Jagger auf der Bühne spielte und womit er, wie Sie uns jetzt verraten, seine Unsicherheit überspielte. An anderer Stelle enthüllen Sie dann, sein Geschlechtsteil sei winzig. Haben Sie eigentlich zweimal nachgedacht, bevor Sie dem Rest der Welt das mitteilten?

Gut, da habe ich alte Wunden geöffnet. Auch das gehört zu meiner Geschichte. Ich hätte sie sonst nicht ehrlich erzählen können. Ich weiß, dass ich Mick jahrelang mit meinem Verhalten bis zur Weißglut getrieben habe. Klar greift sich jetzt jeder solche Details raus. Deshalb habe ich Mick das Buch ja vorher zum Lesen gegeben. Damit er wusste, was auf ihn zukommt. Er war darauf vorbereitet.

Es gab darüber keinen Streit?

Wir freuen uns auf den kommenden Juni, dann gehen wir wieder gemeinsam auf Tour. Beantwortet das Ihre Frage?

Sie enthüllen in Ihren Memoiren auch, dass sich die Stones oft während der Konzerte hinter den Bühnen-Verstärkern übergeben. Aus Erschöpfung. Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen?

Diese Band besteht aus sehr robusten Typen. Ab und zu mal kotzen während eines Konzerts – das ist wirklich keine große Sache. Man sollte nur darauf achten, dass man sich hinter den Verstärkern übergibt, wo es niemand sieht. Wer kotzt sich schon gern vor 80 000 Zuschauern auf der Bühne aus. (lacht)

Interview: Martin Scholz

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum