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Kate Spade Vereinbarkeit von Spaß und Stil

Die New Yorker Designerin Kate Spade ist tot – sie wurde nur 55 Jahre alt.

Kate Spade store
In goldenen Lettern: Kate Spade ist erst zur Marke, und dann zum Erfolg geworden. Foto: rtr

Kaum eine Marke ist so allgegenwärtig in New York. Auf den Schaufenstern großer Departmentstores, über den Türen der eigenen Geschäfte, auf den Handtaschen unzähliger Geschäftsfrauen, die darin ihre High Heels in die Bürotürme tragen – überall prangt in goldener Schrift: „Kate Spade New York“.

Das Leder unter den Lettern ist oft farbenreich, gestreift oder gepunktet, mit Blumen bedruckt, mit Tier-Applikationen besetzt, mit Eulenaugen oder Hasenohren. Eine konsequente Formgebung und der Sinn für den humoristischen Moment – das sind die wichtigsten Charakterzüge der Kate Spade-Taschen, die als Aushängeschild der gesamten Markenwelt gelten. „Mach jeden Tag zu einem Samstag“, sagte Kate Spade einmal, „iss Kuchen zum Frühstück“ oder: „Beginne jeden Tag, als sei er dein Geburtstag“.

Als Katherine Noel Brosnan wurde Kate Spade selbst am 24. Dezember 1962 im US-Bundesstaat Missouri geboren, ein Weihnachtskind. Ihre Jugend verbrachte sie in Kansas City, die Eltern waren irischer Abstammung, die Tochter besuchte eine katholische Mädchenschule. Später studierte sie Journalismus, fand eine Anstellung als Moderedakteurin bei der „Mademoiselle“. Es sollte der Start in eine Designerkarriere werden: Ähnlich wie Jil Sander erkannte Brosnan erst in der intensiven Auseinandersetzung mit der Branche und ihren Produkten, was der Mode fehlte.

Gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Andy Spade, den sie bei der „Mademoiselle“ kennengelernt hatte, gründete sie 1993 „Kate Spade Handbags“. Am Anfang standen sechs Modelle und ein kleines Büro im privaten Apartment, das Ende markierten ein denkbar breites Sortiment und ein internationales Modeimperium. Konsequent entwickelten Kate und Andy Spade ihr Unternehmen weiter, zu den Handtaschen kamen bald Modelinien hinzu, dann Schuhe und Accessoires, Babymode, Brillen, Parfum, Heimtextilien, Schreibwaren, 2004 schließlich eine eigene Dekorationslinie.

Da hatten Kate und Andy Spade ihr Unternehmen bereits größtenteils verkauft, schon 1999 waren 56 Prozent der Anteile an die Neiman Marcus Group gegangen. 2006 erwarb die Gruppe auch die übrigen 44 Prozent, um die gesamte Firma nur kurze Zeit später weiter zu verkaufen. „Die visionäre Gründerin unserer Marke ist verstorben“, steht jetzt auf der Webseite des Labels, „wir halten all die Schönheit in Ehren, die sie in diese Welt gebracht hat.“

Denn auch wenn sich Kate Spade und ihr Mann 2006 aus dem Geschäft zurückgezogen hatten, um sich vorerst auf ihr Familienleben und ab 2015 auf ihre neue Marke Frances Valentine zu konzentrieren: Über den Produkten des Labels Kate Spade New York schwebt noch heute ihr Credo der Vereinbarkeit von Spaß und Stil, das sie auch in Benimmbüchern umschrieb. Bloß als gute Geschäftsfrau wolle sie einmal aber nicht in Erinnerung bleiben, sagte Spade 2002 im „Glamour“-Interview, „sondern als eine gute Freundin – und als jemand, der verdammt viel Spaß hatte.“ Es ist ihr gelungen.

Von einem großen Sinn für Humor, von Herzenswärme und ihrem verschmitzten Grinsen ist in vielen Beileidsbekundungen zu lesen. Und von ihrer Fähigkeit, diese Lebensfreude ihren Kundinnen zugänglich zu machen. Auf sozialen Medien erinnerten sich am Mittwoch zahlreiche Prominente an ihre erste Kate Spade-Tasche, darunter etwa die Präsidentinnen-Töchter Chelsea Clinton, Jenna Bush Hader und Ivanka Trump. Die Modedesignerin und Vorsitzende des Council of Fashion Designers of America (CFDA) Diane von Fürstenberg ehrte Spades „unermesslichen Einfluss auf die US-Modebranche und darauf, wie die Welt amerikanische Accessoires gesehen hat.“ Die Autorin und Schauspielerin Lena Dunham schrieb: „Danke Kate, von einer aus Millionen, die sich deinetwegen schön gefühlt haben.“

Lesbar wird aber auch, dass sich unter der Freude, unter den leuchtenden Farben und geistreichen Designs, eine tiefe Traurigkeit verborgen haben mag. So fühlt sich die amerikanische Uno-Botschafterin Nikki Haley durch Spades Tod daran erinnert, „dass wir nie wissen, womit eine Person im Inneren zu kämpfen hat.“ Am Dienstagabend wurde Kate Spade mit nur 55 Jahren von ihrer Haushälterin leblos in ihrem New Yorker Apartment gefunden. Die Polizei spricht von Suizid, Spade habe ihrer 13-jährigen Tochter einen Brief hinterlassen.

„Sie macht den Tag heller“, antwortete Kate Spade einmal befragt nach ihrer typischen Kundin, die immer auch sie selbst hätte sein können. „Sie hinterlässt ein bisschen Glitzer, wo auch immer sie hingeht.“

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