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Kate Middletons Brautkleid McQueen vor der Queen

Sarah Burton, Chefdesignerin des Modelabels Alexander McQueen, schneiderte Kate Middletons Brautkleid. Es war das bestgehütete Geheimnis der Insel - und soll rund 34.000 Euro gekostet haben.

29.04.2011 18:04
Judith Kessler
Die Braut mit Kleid. An der Schleppe: ?Pippa Middleton, die Trauzeugin ihrer Schwester Kate. Foto: afp

Monatelang war es das bestgehütete Geheimnis im Vereinigten Königreich. Wer würde Kate Middletons Brautkleid entwerfen? Modeblogs- und -zeitschriften, aber auch mehr und weniger seriöse Zeitungen beteiligten sich munter an den Spekulationen. Stardesignerin Vivienne Westwood sah sich irgendwann genötigt, zu gestehen, sie habe man jedenfalls nicht gefragt. Aber Kate sei ohnehin noch gar nicht „reif genug“ für ihre Kreationen. Schließlich schaltete sich sogar die Chefin der britischen Vogue, Alexandra Shulman ein und sprach eine deutliche Empfehlung aus: Die zukünftige Königin müsse McQueen tragen.

Und dann stieg die Braut am Freitag Mittag aus dem schwarzen Rolls Royce und alles war gut. Catherine Middleton trug ein elfenbeinfarbenes Korsagenkleid, dessen Rock und enganliegendes, tailliertes Oberteil – mit langen Ärmeln und hohem Kragen – mit Blumenranken aus feinster Spitze besetzt waren. Ein schlichtes und doch raffiniertes Stück Mode. So zeigte der spitze V-Ausschnitt verhältnismäßig viel Dekolletée. Die Hüftpolster, die an der eng geschnittene Taille ansetzten, erinnerten an viktorianische Kleider. Ein Markenzeichnen des Design-Hauses, in dem jenes Kleid, dass das Brautkleid der Dekade werden dürfte, entstand: des Hauses McQueen. Dessen Chefdesignerin Sarah Burton hatte den Zuschlag bekommen.

Die 36-Jährige hatte erst im vergangenen Jahr, nachdem sich Vorgänger Alexander McQueen mit 40 Jahren das Leben genommen hatte, die Leitung des britischens Modelabels übernommen. McQueen war bekannt für seine provokanten, extravaganten, aber auch exakt geschneiderten Roben, für die er stets Anleihen bei der Mode vergangener Jahrhunderte machte.

An diese Tradition knüpft McQueens Nachfolgerin Sarah Burton an. Sie ist wie ihr Vorgänger Absolventin des Londoner Saint Martin’s College, der Kaderschmiede junger Designer. Sie könne nicht so tun, als sei sei McQueen, sagte sie bei ihrem „Amtanstritt“ 2010. Spektakuläre Modenschauen werde es mit ihr eher nicht geben. Zwar wolle sie wie McQueen einen Schwerpunkt auf das Textil-Kunsthandwerk legen, dabei aber mehr Feminität in die Kollektionen bringen.

Diese Symbiose aus handwerklicher Tradition und modernen Schnitten passte perfekt zu einer Braut wie Kate Middleton, die an ihrem Hochzeittag – und von da an wohl für den Rest ihres Lebens – den Spagat zwischen Tradition und Moderne meistern musste. Ihr Brautkleid und Schleier zeugen von diesem Anspruch.

Der Spitzenbesatz war in aufwendiger Handarbeit von der „Royal School of Needlework“ gefertigt worden. Mit einer Technik, die in den 1820er Jahren in Irland entwickelt wurden. Die Blumenranken symbolisierten die vier Teile Großbritanniens: englische Rose, schottische Distel, walisische Osterglocken, irisches Kleeblatt. Das enge Mieder und der weite schwingende Rock des Kleides waren aus elfenbeinfarbenem und weißem Satin-Gaze. Sie habe traditionellen Stoffen und Spitze eine moderne Struktur geben wollen, sagte Sarah Burton über ihr Kleid. Es ist ihr gelungen.

Das Brautkleid ist elegant, aber mit den vielen Details, die sich nur auf den zweiten Blick erschließen, das personifizierte Understatement, jene Tugend, die die britische Upper Class wie niemand sonst kultiviert. Kate Middleton, das Mädchen aus der gehobenen Mittelschicht, wird mit ihrer Hochzeit Teil dieser Klasse und zeigt mit ihrem Brautkleid, das sie deren Codes beherrscht.

Gleichzeitig erinnert Kates Kleid mit seinem hohen Kragen und den spitzenbesetzten langen Ärmeln an jenes Kleid, indem die Hollywood-Schauspielerin Grace Kelly, wie Kate Middleton bürgerliche Millionärstochter, 1956 Prinz Rainier von Monaco heiratete. Das Kleid galt jahrzehntelang als schönstes Brautkleid aller Zeiten und Grace Kelly als Stil-Ikone. Man darf Kates Brautkleid also durchaus als Ansage verstehen.

Ein eigenes Zimmer fürs Kleid

Rund 34.000 Euro soll es gekostet haben. Im Clarence House, dem Wohnsitz des Prinzen, hatte es wochenlang sein eigenes Zimmer. Niemand außer den wenigen Eingeweihten sollte erfahren, wie es aussehen würde und wer der glückliche Designer war, dessen Name plötzlich Millionen von Haushalten zum Begriff werden würde.

Dass es eine Britin sein sollte, war schnell klar. Alles andere wäre ein Affront gewesen. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, das eine Prinzessin oder eine, die es werden will, ihr Kleid im Heimatland schneidern lassen muss. Schließlich legitimieren die Monarchen des 21. Jahrhunderts den Prunk und Pomp ihrer Hochzeiten auch damit, die heimische Wirtschaft zu fördern.

Aber warum diese Geheimniskrämerei? Schließlich führte diese wenige Wochen vor der Hochzeit zu immer absurderen Spekulationen: Modeblogs munkelten, die Braut habe drei unterschiedliche Kleider von drei verschiedenen Designern entwerfen lassen. Damit sie, wäre der Name ihres Favoriten vorher öffentlich geworden, in letzter Minute einfach ein anderes Kleid hätte wählen können. Die Jagd auf den Designer erreichte einen Tag vor der Hochzeit ihren Höhepunkt: Britische Medien rätselten, wer die Dame mit der überdimensionierten Pelzmütze sein könnte, die am Donnerstag Abend die Braut besuchte. Findige Modejournalisten schlossen von der Gürtelschnalle und den flachen Ballerina auf Designerin Sarah Burton – und lagen richtig.

Aus dramaturgischer Sicht machte der Rummel um das Brautkleid allerdings Sinn. FLenkte er die Aufmerksamkeit doch auf die Hauptrolle dieser großen Märchenaufführung – auf das einfache, gute Mädchen, das am Ende den Prinzen heiraten darf.

Und dann stecken noch ganz pragmatische Erwägungen hinter der Geheimniskrämerei: Die Angst, das Kleid könne noch vor dem großen Auftritt kopiert werden. Weltweit sind die Brautmodenschneider bereits in Stellung gegangen, um das Brautkleid des Jahrzehnts nachzuschneidern. Die Nachfrage wird enorm sein. Vermutlich wird man schon morgen „The Kate“ übers Internet für 1000 Euro aus China ordern können.

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