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Katastrophe von Enschede Riesenexplosion durch Miniknaller

Vor 10 Jahren hat die Explosion einer Feuerwerksfabrik im niederländischen Enschede 23 Menschen das Leben gekostet und ein ganzes Stadtviertel zerstört. Nun scheint die Ursache klar zu sein.

26.04.2010 12:04
Die brennende Fabrik in Enschede vor zehn Jahren. Foto: dpa

Amsterdam. Eigentlich harmlose Konfettiknaller sollen vor zehn Jahren die verheerende Explosion einer Feuerwerksfabrik in der niederländischen Stadt Enschede ausgelöst haben. Zu dieser Überzeugung gelangte ein Sachverständiger in jahrelangen Recherchen, die jetzt vorgestellt wurden. Offiziell gilt die genaue Ursache der Katastrophe, bei der 23 Menschen getötet und etwa 1000 verletzt worden waren, immer noch als unklar.

In der Stadt an der Grenze zu Deutschland war am 13. Mai 2000 ein ganzes Wohnviertel niedergebrannt, nachdem Hunderte Kilo von Feuerwerkskörpern in die Luft geflogen waren. An die Katastrophe wird zum zehnten Jahrestag mit einer nationalen Gedenkveranstaltung erinnert. Auslöser seien unsachgemäß gelagerte "Eisfontänen" gewesen, berichtete der Sachkundige Simon Vuyk in seinem am Montag vorgestellten Buch "De waarheid achter de vuurwerkramp" (Die Wahrheit hinter der Feuerwerkskatastrophe).

Solche Handfeuerwerke werden in Holland bei Partys zur Verzierung von Eis oder Torten verwendet. Sie enthalten als Treibmittel geringe Mengen Nitrocellulose. In Kombination mit schweren Explosivstoffen würden sich die "Eisfontänen" aber wie Zünder verhalten, erläuterte Vuyk. Nach seinen Erkenntnissen war seinerzeit eine Lieferung "Eisefontänen" aus Dänemark im Enscheder Unternehmen S.E. Fireworks unmittelbar neben großen Feuerwerkskörpern gelagert worden, die dadurch zur Explosion gebracht worden seien.

Die beiden Fabrikdirektoren erhielten damals wegen Missachtung von Vorschriften Gefängnisstrafen von jeweils einem Jahr. Ein mutmaßlicher Brandstifter wurde mangels Beweisen freigesprochen.

Das zerstörte Stadtviertel Roombeek wurde als Experimentierfeld für Wohnhausarchitekten mehrerer Länder - darunter auch Deutschland - wieder aufgebaut. Viele der teils spektakulär wirkenden Häuser gelten als Musterbeispiele für zeitgenössischen Städtebau. Auch deshalb zieht das Viertel Jahr für Jahr große Besucherscharen an. Von der Feuerwerksfabrik haben die Stadtplaner nur einen Explosionskrater übriggelassen, der heute von einer Wiese und modernen Wohnbauten umgeben ist. (dpa)

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