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Kanada Brutale Jagd nach Grizzlys

Im Westen Kanadas beginnt die brutale, aber legale Jagd nach Bären. Die amerikanischen Ureinwohner machen mobil und wollen die Grizzlys beschützen. Sie finden die Trophäenjagd ethisch abstoßend.

Die Population der Grizzlys in Kanada ist bereits stark zurückgegangen. Foto: imago/Westend61

Bald kommt es in den Wäldern Kanadas wieder zum Showdown. Dann werden sich Männer wie Vernon Brown ihre Uniformen überstreifen, ihre Gewehre und Patronen einstecken und mit ihren Patrouillenbooten durch die Küstengewässer nördlich von Vancouver kreuzen. Immer auf der Hut, dass ihnen und ihren Schützlingen nichts passiert.

Brown gehört zum Volk der Kitsaoo-Xai’Xais und unterstützt die „Coastal Guardian Watchmen“, eine Art freiwillige Tierschutzpolizei der indigenen Bevölkerung Kanadas, die bedrohte Bären vor Trophäenjägern und Wilderern schützen will. „Wir tun alles, um das sinnlose Abschlachten der Bären in unserer traditionellen Heimat zu verhindern“, erzählt er. „Wenn nötig greifen wir die Jäger auch mit unseren Waffen auf oder blockieren ihre Boote.“

Eile ist geboten. Denn am 1. Oktober beginnt in der kanadischen Westküstenprovinz British Columbia wieder die umstrittene Trophäenjagd auf Grizzlybären, die jeden Herbst und jedes Frühjahr Jäger aus dem In- und Ausland in die Wildnis lockt.

Die Jagd ist in der Bevölkerung hoch umstritten, neun von zehn Kanadier sind laut Umfragen dagegen. Trotzdem ist sie legal und die Regierung hat in diesem Jahr 3500 Abschusslizenzen zur Verfügung gestellt.

Im Land der Trapper ist die Jagdlobby traditionell einflussreich und das Geschäft mit den Grizzlys ist für Outfitter lukrativ. Bis zu 20 000 Dollar zahlen Jagdtouristen aus den USA oder Europa für eine geführte Grizzlyjagd, die in laut Gesetz auf etwa zwei Dritteln der Fläche British Columbias möglich ist. Schätzungsweise 350 Tiere werden in der Provinz pro Jahr im Schnitt legal erschossen, dazu kommt die illegale Jagd, die kaum zu kontrollieren ist. Tierschützer und Indianer sind empört. Vor ein paar Tagen sorgte in ganz Kanada ein zweiminütiges Video für Aufregung, das die ganze Brutalität der Grizzly-Jagd bis ins Detail zeigt und von der Umweltgruppe „Wildlife Defense Leauge“ aus Vancouver ins Internet gestellt wurde. Darauf ist zu sehen wie einige Jäger einen Grizzlybären aus dem Hinterhalt mit mehreren Schüssen erlegen und sich danach vor laufender Kamera über den Erfolg brüsten.

„Die Trophäenjagd ist ethisch abstoßend und wird auch von unserer traditionellen Kultur nicht gedeckt“, erklärt Brown, der in Klemtu im Herzen des „Great Bear Rainforest“ lebt, einem einsamen Wildnisgebiet größer als die Schweiz. Mit 14 verbündeten Stämmen haben die Kitsaoo-Xai’Xais ihr Territorium vor einigen Jahren symbolisch zu einem Sperrgebiet für Trophäenjäger ernannt – und nehmen das Recht seitdem in die eigenen Hände.

„Da die Regierung nichts unternimmt müssen wir selbst für den Schutz der Grizzlys sorgen“, erklärt Stammes-Häuptling Doug Neasloss. Mit dem Widerstand will die indigene Bevölkerung ihre Traditionen bewahren, denn nach ihrem Selbstverständnis ist die Jagd nur zu Beschaffung von Nahrung erlaubt. Es geht aber auch um wirtschaftliche Gründe, denn einige Stämme betreiben im „Great Bear Rainforest“ Hotels, die sich ganz auf Bärenbeobachtung spezialisiert haben.

„Die Bärenjagd ist ein Skandal. Neben den ethischen Aspekten sprechen auch ökonomische Gründe klar dagegen“, kritisiert Ian McAllister von der Umweltgruppe „Pacific Wild“. Laut kanadischem Fremdenverkehrsverband spült der naturnahe Tourismus in British Columbia inklusive Bärenbeobachtung jedes Jahr rund 1,5 Milliarden Dollar in die Kassen der Provinz – die Bärenjagd dagegen nur 116 Millionen Dollar. Um die Bestände der Grizzlys zu schützen, kaufen viele Tourismusunternehmen mittlerweile für teures Geld selbst Abschusslizenzen auf – um sie danach verfallen zu lassen. Das Management der Knight Inlet Lodge, einem weltbekannten auf Bärenbeobachtung spezialisierten 18-Betten-Hotel in Glendale Cove, hat nach eigenen Angaben seit 2006 über 100 000 Dollar dafür ausgegeben.

Die Regierung dagegen hält die Jagd für vertretbar und die Aktionen der Indianer für illegal. Sie beruft sich auf Studien, wonach es in British Columbia rund 15 000 Grizzlybären gibt. Kritiker ziehen die Studien allerdings in Zweifel. Die Zahlen der Behörden seien oft zu hoch gerechnet, beklagt Umweltschützer McAllister. Unabhängige Experten gehen von einem Bestand von 6000 Tieren aus und verweisen darauf, dass Grizzlys in einigen Regionen als bedroht gelten. In der Nachbarprovinz Alberta ist die Jagd auf die ikonischen Tiere seit 2006 verboten.

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