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Kalifornien Kaliforniens Großbrände weiter außer Kontrolle

Große Gebiete in Kalifornien stehen in Flammen. Das „Camp“-Feuer fordert die meisten Todesopfer in der Geschichte des Bundesstaats und hinterlässt Paradise als Geisterstadt.

15.11.2018 06:16
Schutt und Asche
Blick auf den abgebrannten Pine-Grove-Wohnwagenpark in Paradise. Von dem Ort sind nur qualmende Ruinen übrig. Foto: dpa

Die Zahl der Toten nach den verheerenden Bränden in Kalifornien steigt weiter. Am Mittwoch wurden im Norden des US-Bundesstaats acht weitere Leichen entdeckt. Damit kamen mindestens 56 Menschen in den Flammen um - die meisten von ihnen in dem fast vollkommen niedergebrannten Ort Paradise nördlich von San Francisco.

Dies sind mehr Tote als je zuvor bei einem Feuer in dem Bundesstaat seit Beginn der Aufzeichnungen. Vom Ort Paradise blieben nur qualmende Ruinen übrig.

Mehr als 100 Menschen wurden noch vermisst, die meisten von ihnen waren älter als 65 Jahre. 

Im Süden Kaliforniens bei Malibu nordwestlich von Los Angeles wütete weiter das „Woolsey“-Feuer. Beide Brände haben bereits Hunderte Quadratkilometer Wald und Tausende Häuser zerstört. Das „Camp“-Feuer war am Mittwoch zu rund einem Drittel eingedämmt, das „Woolsey“-Feuer fast zur Hälfte.

Die „Woolsey“-Flammen fressen sich weiter durch die pittoreske hügelige Gegend rund um den Promi-Wohnort Malibu. Im Süden beläuft sich die Todeszahl bislang auf zwei, Tausende Bewohner der Gegend mussten sich jedoch in Sicherheit bringen und ihre Heime zurücklassen. Auch die Villen mehrerer in und um Malibu ansässiger Stars brannten ab - darunter die Häuser von Popstar Miley Cyrus und ihrem Lebensgefährten Liam Hemsworth sowie von Schauspieler Gerard Butler und Moderator Thomas Gottschalk.

Dana Schweiger, die Ex-Frau von Schauspieler Til Schweiger, musste mit ihrer Tochter Emma (16) fluchtartig ihr Haus in Malibu verlassen. „Die dicken Rauchwolken waren schon über uns und kamen näher. Es war schrecklich“, berichtete Schweiger der „Bild“-Zeitung. Ob das Haus noch stehe, wisse sie nicht. Der US-Rapper Kanye West und seine Frau Kim Kardashian hatten Medienberichten zufolge ihr Anwesen in Hidden Hills mit privaten Feuerwehrleuten vor dem Brand schützen können und damit wohl auch die Flammen von angrenzenden Grundstücken ferngehalten.

Stars wie Lady Gaga riefen dazu auf, die Feuerwehr oder Hilfsorganisationen in Kalifornien mit Spenden zu unterstützen. Das Paar Cyrus/Hemsworth spendete nach CNN-Angaben 500.000 US-Dollar (rund 444.000 Euro) für die Waldbrandopfer. Es sei „großartig zu sehen, wie die Gemeinschaft zusammenhält, um sich gegenseitig auf jede mögliche Weise zu helfen“, schrieb Liam Hemsworth am Dienstag auf Twitter. „Malibu ist eine starke Gemeinde, und dieses Ereignis wird sie nur stärker machen.“

Seit Donnerstag sind mehrere Tausend Feuerwehrleute im Einsatz, um die Flammen im Norden und im Süden zu bekämpfen. Der Ort Paradise nördlich von Sacramento gleicht nach dem „Camp“-Inferno einer Geisterstadt, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur von vor Ort berichtete. Hier wurden die 48 Leichen in verbrannten Häusern und Autos gefunden. Die Gesundheitsbehörde im Butte County rief die Bevölkerung auf, sich und besonders Kinder vor der rauchverschmutzten Luft zu schützen und drinnen zu bleiben.

Einsatzkräfte gingen davon aus, dass starke Winde und die knochentrockene Landschaft gerade im Süden die Lage verschärfen dürften. Die leicht entflammbare Vegetation, fehlender Niederschlag und eine geringe Luftfeuchtigkeit seien die „perfekten Zutaten für ein explosives dynamisches Brandwachstum“, sagte Chris Anthony von der kalifornischen Brandschutzbehörde der „Los Angeles Times“. Die Kalifornier sollten sich auf eine „lange und potenziell tödliche“ Feuersaison einstellen. Es werde schlimmer, als es sich die Bevölkerung jemals habe vorstellen können.

US-Präsident Donald Trump sprach am Dienstag von verheerenden Bränden, wie es sie noch nicht gegeben habe. „Wir trauern um jene, die ihr Leben verloren haben“, sagte er im Weißen Haus in Washington. „Wir beten für die Opfer.“ Trump dankte Feuerwehrleuten, Katastrophenschützern und Rettungskräften für ihren Einsatz in Kalifornien. Man werde alles Erdenkliche tun, um die Betroffenen in der Region zu schützen. „Es ist eine sehr schwierige Situation.“

Am Wochenende hatte Trump mit einem Kommentar zu den Bränden in Kalifornien Empörung ausgelöst und sich viel Kritik eingehandelt. Er hatte Behörden Versäumnisse und Fehler beim Forstmanagement vorgeworfen und mit dem Entzug von Bundesmitteln gedroht - während die Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpften und Bewohner um ihr Leben bangten. (dpa/rtr)

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