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Kälte Auch Rom bibbert

Winter in der italienischen Hauptstadt: Busse und Züge in Rom sind lahmgelegt, dafür fahren Schlitten am Circus Maximus.

Schnee in Rom
Seltenes Motiv: Selfies im Schnee vor dem Kolosseum. Foto: dpa

Winter in Rom, das heißt eigentlich Cappuccino im Freien und frühlingshafte Temperaturen. Schneeschippen gehört definitiv nicht dazu. Am Montag aber erwachten die knapp drei Millionen Römer in einer verzauberten Welt. Die sonst vom morgendlichen chaotischen Berufsverkehr und Lärm geplagte Stadt lag wunderbar still und friedlich unter einer fünf bis zehn Zentimeter dicken Schneeschicht.

Ein Kältetief sibirischen Ursprungs hatte in der Nacht mit stundenlangen Schneefällen für die weiße Pracht gesorgt. Das kommt in Rom nur alle Jubeljahre vor, zuletzt 2012 und 1985. Entsprechend befand sich die Stadt im Ausnahmezustand und viele Römer legten kurzerhand einen außerplanmäßigen Feiertag ein. Die sozialen Netzwerke waren schon am frühen Morgen voller Fotos von Kolosseum, Piazza Navona und Spanischer Treppe in märchenhaftem Weiß.

Manche packten ihre Ausrüstung vom letzten Winterurlaub und die Skianzüge aus, überall in der Stadt lieferten sich Familien laute und fröhliche Schneeball-Schlachten und bauten Schneemänner. Am Circus Maximus nutzen Hunderte Römer die Böschungen der antiken Arena zum Schlittenfahren. Am Petersplatz knipsten Touristen und Einheimische Selfies mit einer Schneeskulptur, die dem Papst ähneln sollte.

Bürgermeisterin Virginia Raggi hatte nach Warnungen der Meteorologen vorsorglich angeordnet, dass Schulen und Kindergärten am Montag geschlossen bleiben sollten. Die Stadtverwaltung rief die Bürger dazu auf, sich möglichst wenig fortzubewegen. Viele Berufstätige konnten ihren Arbeitsplatz sowieso nicht erreichen, weil Busse, Straßenbahnen und Züge wegen des Schnees weitgehend lahmgelegt waren. Lediglich die beiden Metrolinien funktionierten störungsfrei. Zahlreiche Geschäfte und Büros blieben geschlossen oder öffneten verspätet.

Die Feuerwehr musste ausrücken, weil Bäume unter der Schneelast umkippten und Äste abbrachen. Der Zivilschutz rief das Militär zu Hilfe, um Straßen zu räumen. Bahnhöfe und Kirchen wurden für Obdachlose geöffnet. Der außergewöhnliche Wintereinbruch sorgt auch in anderen Teilen Italiens für Probleme. In den Bergen des mittelitalienischen Apennin herrschen erhöhte Lawinengefahr und eisige Temperaturen bis minus 20 Grad. In Venedig war wegen des starken Windes bereits am Sonntag ein Pfeiler der Ponte della Libertà eingestürzt, der Freiheitsbrücke, die Venedig mit dem Festland verbindet. Die Zugangsstraße zur Lagunenstadt blieb acht Stunden lang für Autos, Busse und Tram blockiert, Venedig war nur per Zug erreichbar.

In Rom schmolz am Montagmittag der Schnee schon wieder langsam im Sonnenschein unter einem strahlend blauem Himmel. Doch in den kommenden Nächten werden klirrend-kalte Temperaturen von bis zu minus neun Grad erwartet. Wenn der Matsch gefriert, könnte Glatteis für echtes Chaos in der sonst klimatisch so verwöhnten Ewigen Stadt sorgen.

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