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Jury hat entschieden Das Unwort des Jahres ist "alternativlos"

Das Wort suggeriere, "dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe", findet die Unwort-Jury. Sie kritisiert zudem einen Minister und einen Kirchenvertreter.

18.01.2011 10:41
Das Unwort des Jahres 2010 ist "alternativlos". Foto: dpa

Das Unwort des Jahres (Homepage) 2010 heißt „alternativlos“. „Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe“, sagte der Sprecher der Unwort-Jury, Horst Dieter Schlosser, am Dienstag in Frankfurt.

„Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.“ Das Wort habe zunächst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Begründung der Griechenlandhilfe gebraucht. Doch in den letzten Jahren wurde der Begriff immer wieder (FR, 17.01.2011) von Politikern benutzt.

Die Unwort-Jury kritisiert in diesem Jahr außerdem die Formulierung „Integrationsverweigerer“. Das von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Umlauf gebrachte Wort unterstelle, viele Migranten verweigerten ihre Integration. In den Debatten um das Thema werde meist ausgeblendet, dass für eine solche Behauptung eine sichere Datenbasis fehle und der Staat für die Integration noch zu wenig tue.

Auch „Geschwätz des Augenblicks“, eine Formulierung des Dekans des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, in der Ostermesse des Papstes, stieß auf Kritik der Sprachjury. Damit sei versucht worden, die massiven Vorwürfe sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche beiseitezuschieben.

Im Dezember war „Wutbürger“ von der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden als Wort des Jahres 2010 bestimmt worden. Das Unwort wird seit 1993 von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Ihr gehören außer Schlosser noch drei andere Sprachwissenschaftler an: der Autor und Literaturkritiker Hellmuth Karasek sowie die Journalistin Ruth Fühner vom Hessischen Rundfunk. Der 73-jährige Germanist Schlosser kündigte aber an, dass er nach 20 Jahren zum letzten Mal das Unwort verkündet habe. Zu seiner Nachfolgerin als Jurysprecherin wurde die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich von der TU Darmstadt gewählt.

Die nur 1.123 Einsendungen dieses Jahres waren die geringste Zahl seit 17 Jahren. Zum Börsen-Unwort des Jahres wurde am selben Tag in Düsseldorf „Euro-Rettungsschirm“ gewählt. (dpa/dapd)

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