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Jeremiah Duggan Wie starb Jeremiah Duggan?

Es kommt Bewegung in einen der brisantesten Kriminalfälle Deutschlands: Der britische Student Jeremiah Duggan soll doch keinen Suizid begangen haben. Welche Rolle spielt die antisemitische LaRouche-Sekte?

Die Todesursache des britischen Studenten Jeremiah Duggan ist bis heute ungeklärt. Foto: Justiceforjeremiah.yolasite.com

In den Todesfall des britischen Studenten Jeremiah Duggan, einer der brisantesten deutschen Kriminalfälle der letzten Jahre, ist neue Bewegung gekommen. Nachdem eine englische Untersuchung die Suizid-These der deutschen Behörden verworfen hat, fordern die Anwälte von Duggans Mutter Erica eine Ausweitung der Ermittlungen. Es sei zwingend, die Beteiligung der antisemitischen, verschwörungstheoretischen LaRouche-Sekte zu klären, forderten sie am Dienstag in Berlin.

Wiederaufnahme des Verfahrens

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden hatte ihre Ermittlungen zum Tod des damals 22-jährigen Duggan 2003 nach drei Monaten mit dem Ergebnis eingestellt, er habe sich auf einer Schnellstraße in Wiesbaden selbst das Leben genommen. Seine Eltern fechten das seither an und erreichten 2012 sogar das in der deutschen Rechtsgeschichte sehr rare Urteil, in dem das Oberlandesgericht Frankfurt die Staatsanwaltschaft zur Wiederaufnahme der Ermittlungen zwang. Doch während diese seit zweieinhalb Jahren ohne Fortschritt verlaufen und laut Duggans Mutter erneut zu versanden drohen, kam eine gerichtliche Untersuchung des Falls in Großbritannien im Mai zu einem einschneidenden Ergebnis: Die Annahme, es handle sich um einen Suizid, sei nicht haltbar.

Darauf würden die Todesumstände sowie Abwehrverletzungen an Duggans Körper hindeuten, die die deutschen Ermittler ignoriert hatten. Zudem hatte der britische Gerichtsbeamte mehrere vorliegende Aussagen von Insidern der Sekte erstmals berücksichtigt sowie Experten angehört, die Weltbild und Praktiken der Gruppierung beschrieben. Diese stützten den Verdacht einer „Einwirkung durch LaRouche-Mitglieder“, wie Duggan-Anwalt Christian Noll zitierte. Die deutschen Ermittler hatten ausdrücklich betont, sie würden nicht im Umfeld der Sekte ermitteln. Dabei war Duggan 2003 nur auf Betreiben der Gruppe nach Wiesbaden gekommen: Nachdem er bei einem Gastsemester an der Pariser Sorbonne ins Umfeld der Sekte geraten war, reiste er in jenem März zu einer Konferenz des von LaRouche betriebenen „Schiller-Instituts“. Dort sollte auch die Führungsfigur des Kults sprechen: der fanatische US-Millionär, Verschwörungstheoretiker und verurteilte Betrüger Lyndon LaRouche.

Paranoide Ideologie einer Sekte

Dessen Frau Helga Zepp-LaRouche leitet die deutsche Abteilung der Sekte, deren Ableger als „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ seit Jahren bei Wahlen in Deutschland antritt und auf der Straße und an Unis Mitglieder rekrutiert. Nach dem Vortrag blieb Duggan wie die meisten der rund 50 Teilnehmer in Wiesbaden: für ein „Kadertreffen der Militanten“.

Bei den britischen Anhörungen hatten die Experten erklärt, dass sich die hochgradig paranoide Ideologie der Sekte um eine jüdische Weltverschwörung, das britische Empire als Machtzentrale und ein bestimmtes Krankenhaus in England drehe, in dem Duggan zufällig zur Familienberatung gegangen war. Es sei naheliegend, so die Anwälte, dass er als Feind oder Spion ausgedeutet wurde. So hatten Zeugen berichtet, dass er sich vor Ort als Jude geoutet hatte und verprügelt und gehetzt worden sei.

Dass all das in den deutschen Ermittlungen keine Rolle gespielt habe, kritisierte in Berlin auch der Jurist und Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne), der den Fall und die Sekte seit langem beobachtet: „Das Verfahren muss endlich mit der gebotenen Sorgfalt und Nachhaltigkeit angegangen werden.“

So sei bis heute sei die Frage ungeklärt, wo Duggan seine letzte Nacht verbracht habe und wo er war, als er seine Mutter in Todesangst anrief. Nicht einmal die Aussage über den Anruf hatte die Ermittler interessiert, so Erica Duggan. Unverständlich sei ihr, dass der Polizeibeamte, der die ersten Ermittlungen unzureichend geführt hatte, vom Staatsanwalt erneut mit dem Fall betreut wurde. Dabei habe er gegenüber der Öffentlichkeit, den Angehörigen und den britischen Behörden mehrfach falsche Angaben gemacht.

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