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Israel Shopping Schalom!

Zwar wünscht man sich auch in Tel Aviv am Ende der Woche ein „Schabbath Schalom“, einen friedlichen Sabbat. Einkaufen wollen die Bewohner am heiligen Ruhetag trotzdem.

Tel Aviv
Jeder wie er will: Viele Bewohner in Tel Aviv wollen ihren Samstag lieber mit Freizeitgestaltung und offenen Geschäften verbringen. Foto: rtr

Tel Aviv rühmt sich als die Stadt, die niemals schläft – auch nicht am Sabbat, dem jüdischen Ruhetag. Anders als in Jerusalem, wo von Freitagnachmittag an bis nach Sonnenuntergang am Samstagabend nahezu alle Läden im jüdischen Teil zumachen, ist in der quirligen Metropole am Mittelmeer jederzeit ein Sprung zum nächsten Minimarkt möglich.

Wem daheim Milch, Brot oder sonstige Lebensmittel ausgegangen sind, der muss in Tel Aviv auch am Sabbat nicht weit laufen. Über hundert Gemischtwarenläden stehen offen und dazu drei Shoppingcenter in den Ausgehvierteln am alten Bahnhof und in der Hafengegend.

Das soll auch weiter so bleiben, hat das Oberste Gericht in Jerusalem jetzt entschieden. Die Leute hätten nun mal unterschiedliche Bedürfnisse an ihrem wöchentlichen Ruhetag, urteilten die Richter.

Damit gaben sie der Tel Aviver Stadtverwaltung recht, die besagten, quer über alle Viertel verteilten Geschäften eine Öffnung am Sabbat ausdrücklich erlaubt. Für Bürgermeister Ron Huldai ist das ein eindeutiger Grund zum Jubeln: „Tel Aviv ist und bleibt eine freie Stadt.“

Vorbei sind die Querelen um den öffentlichen Umgang mit dem biblischen Ruhegebot in Israel damit allerdings nicht. Den Strengreligiösen ist der „Schabbes“, wie sie den Sabbat nennen, heilig. Jede Missachtung wie den Herd anzünden, Licht anmachen, Auto fahren oder eben Einkaufen ist in ihren Augen ein Frevel. Auch wenn sich das Gerichtsurteil auf das mehrheitlich säkulare Tel Aviv beschränkt, Innenminister Arieh Deri von der ultraorthodoxen Schas-Partei sieht darin „einen schwerwiegenden Bruch des Status Quo“.

Gemeinsam mit den Kabinettskollegen von der Thora-Partei will er nun Regierungschef Benjamin Netanjahu zu einem Machtwort in der Schabbes-Frage veranlassen. Der Gerichtsbeschluss verletze schließlich nicht nur den „heiligen Sabbat“ sondern darüber hinaus auch den „jüdischen Staatscharakter“.

Welten prallen da aufeinander. Denn die Mehrheit der Israelis folgt individuellen Sabbat-Regeln. Koscher im strengfrommen Sinne sind die nicht. Am Ende der Arbeitswoche wünscht man sich zwar ein „Schabbath Schalom“, einen friedlichen Sabbat. Aber wenn der Feiertag mit dem obligatorischen Essen im Familienkreis eingeläutet ist, widmen sich die meisten ihrer Freizeitgestaltung. Man sieht fern, fährt ans Meer und nutzt den Tag nach Lust und Laune – ohne wirklich viel auf rabbinische Vorschriften zu geben.

Einem eigenwilligen Sabbat-Kompromiss war bis vor vier Jahren auch die Stadt Tel Aviv gefolgt. Schabbes-Inspektoren verhängten bisweilen Bußgelder gegen Ladenbetreiber, schließen mussten die geöffneten Geschäfte jedoch nicht. Die großen Ketten zahlten und machten weiter. Als „thorasanktionierten Bluff“ hatte damals das Oberste Gericht diese Praxis untersagt, woraufhin der Stadtrat die seitdem geltenden Regularien verabschiedete. 164 Läden, ausgesucht nach Stadtteilkriterien, erhielten eine Verkaufsgenehmigung für den Sabbat. Nun haben sie dafür auch den richterlichen Segen. Fragt sich nur, ob die Regierung unter Benjamin Netanjahu alles wieder kippt. Zumal der politische Einfluss der Ultraorthodoxen, die inzwischen ein Zehntel der Gesamtbevölkerung ausmachen, stetig weiter wächst.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Israel

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