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Israel Schmutzige Wäsche

In Jerusalem beginnt der Prozess wegen Betrugs und Veruntreuung öffentlicher Gelder gegen Israels First Lady Sara Netanjahu.

Netanyahu
Wie wohl der Mantel duftet? Sara Netanjahu und Mann. Foto: rtr

Wenn es richtig peinlich wird für Sara Netanjahu, reden sie auch noch über die Sache mit der Wäsche: Ihr Mann, der Premierminister Israels, soll mehrfach Schmutzwäsche mit ins Ausland geschmuggelt haben, weil die First Lady das Waschmittel so gerne riecht, das in Hotel-Wäschereien benutzt wird. Ihre Wäsche sollte auch so gut duften. 

In der Regel waren es vier oder fünf, einmal sogar acht Koffer, die mit an Bord der Regierungsmaschine kamen und auf Staatskosten um die Welt flogen, um in ausländischen Luxushotels gereinigt zu werden. So steht es in einem Transkript eines Gesprächs aus dem Jahr 2010, das im Juni dieses Jahres an die Öffentlichkeit kam, wenige Tage bevor Israels Generalstaatsanwalt Avichai Mandelblit Anklage wegen Betrugs und Veruntreuung öffentlicher Gelder gegen Israels First Lady erhob. An diesem Sonntag soll in Jerusalem der Prozess gegen sie beginnen.

Sara Netanjahu bestreitet sämtliche Vorwürfe

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gehen weit über den illegalen Wäschetransport hinaus. Speisen im Wert von umgerechnet 83.000 Euro soll sich Sara Netanjahu aus Jerusalemer Luxusrestaurants auf Staatskosten nach Hause bestellt haben, obwohl die Regierung schon einen Hauskoch für sie stellte und Lieferungen auf Staatskosten nur erlaubt sind, wenn kein Koch zur Verfügung steht. Teure Geschenke soll sie empfangen und sogar eingefordert haben, Angestellte misshandelt und angeschrien haben.

Sara Netanjahu bestreitet sämtliche Vorwürfe. Ihre Köchin, die vor der Polizei gegen sie aussagte, nannte sie eine „widerwärtige Lügnerin“ und „beschissene Köchin“. Polizisten beschuldigte sie der Diskriminierung. Als Staatsanwalt Mandelblit ihr einen Deal anbot, um ihr einen Gerichtsprozess zu ersparen, lehnte sie empört ab. Zur Anhörung erschien sie nicht. Der Prozess, der längst begonnen haben sollte, musste immer wieder verschoben werden.

Sara Netanjahu, von Beruf Psychologin, 59 Jahre alt, zwei erwachsene Kinder, ist eine kleine, sehr blonde und sehr entschiedene Frau, die oft an der Seite ihres Mannes zu sehen ist und über die in Israel das Gerücht kursiert, sie sei die eigentliche Chefin im Land. Wer sich durch die Archive der israelischen Zeitungen arbeitet und mit Juristen spricht, hat das Gefühl, mitten in einem ziemlich schlechten Thriller gelandet zu sein. Von Verschleierung von Beweisen ist die Rede, von Erpressungsversuchen, auch gegen ihren eigenen Mann: Wenn er nicht mache, was sie sage, packe sie über seine Affären aus. Ein Buch ihres Ex-Mannes mit pikanten Details soll unter mysteriösen Umständen kurz vor der Veröffentlichung verhindert worden sein. 

Israel muss man wissen, ist ein kleines Land, in dem fast jeder jeden kennt, aus der Schule oder aus der Armeezeit. Das erleichtert den Informationsfluss – die Medien berichten erbarmungslos über jedes neue Detail aus dem Privatleben der Netanjahus – erschwert aber mitunter auch die Ermittlungen. Generalstaatsanwalt Mandelblit beispielsweise, ein renommierter Jurist, wurde 2016 von Netanjahu persönlich berufen. Kritiker vermuten, das könnte ein Grund dafür sein, warum es so lange gedauert hat, bis die Vorwürfe gegen Sara Netanjahu in einer Anklage mündeten und Ermittlungen gegen den Premierminister selbst wegen Wahlmanipulation und doppelter Abrechnung von Reisekosten wieder eingestellt wurden.

Auch Benjamin Netanjahu könnte bald vor Gericht landen

Aber auch gegen ihn gibt es Korruptionsvorwürfe, auch er könnte bald vor Gericht landen: Von 2007 bis 2016 soll Netanjahu von einem australischen Geschäftsmann und einem Hollywood-Produzenten Geschenke im Wert von insgesamt 230.000 Euro empfangen haben: Schmuck, Champagner, Zigarren, Kleidung. Bei dem Hollywood-Produzenten handelt es sich um Arnon Milchan, der Filme wie Free Willy, Pretty Woman, Der Rosenkrieg oder Gone Girl produziert hat. In weiteren Vorwürfen geht es um Einflussnahme auf israelische Medien wie die News-Website „Walla“ oder die Tageszeitung „Jediot Achronot“. Netanjahu, der bis 2017 auch noch Kommunikationsminister war, soll versucht haben, sich positive Berichterstattung zu erkaufen.

Fast täglich werden in Israel Geschäftsleute und Politiker angeklagt. Besonders schwer scheint es Israels Bürgermeistern zu fallen, Bestechungsversuchungen zu widerstehen. Rund zehn Prozent aller Kommunen im Land verlieren ihre Stadtoberhäupter nicht durch Abwahl, sondern durch Festnahmen oder Gerichtsentscheide. Was einige nicht davon abhält, danach wieder ins Amt zu streben. Ein gutes Beispiel dafür ist Itamar Shimoni, ehemaliger Bürgermeister von Berlin-Pankows Partnerstadt Aschkelon. Gerade saß er noch wegen sexueller Belästigung und Bestechungsvorwürfen in U-Haft, bei den Kommunalwahlen Ende dieses Monats aber tritt er bereits wieder an. Seine Chancen sind gut: Bei der jüngsten Umfrage unter den Bürgern seiner Stadt führte er mit 37,5 Prozent vor den anderen Kandidaten.

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