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Irland und Großbritannien „Ophelia“ tobt über die Inseln

Der Atlantiksturm fordert in Irland drei Todesopfer. Die Infrastruktur in Großbritannien wird stark beeinträchtigt.

Irland und Großbritannien
Im britischen Ardglass trifft eine Welle auf eine Uferbefestigung. Foto: dpa

Der transatlantische Sturm „Ophelia“ hat am Montag in Irland für schwere Verwüstungen gesorgt und in Großbritannien den Himmel verdunkelt. Windböen von bis zu 160 Stundenkilometern entwurzelten auf der grünen Insel Bäume, deckten Dächer ab und legten vielerorts den Flugverkehr lahm. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben, Hunderttausende von Haushalten mussten ohne Strom zurechtkommen.

„Ophelia“ ist bereits der dritte atlantische Hurrikan dieses Namens im 21. Jahrhundert. Meteorologen beschrieben ihn als äußerst ungewöhnlich, weil er vergleichsweise sehr weit östlich über dem Atlantik, nahe der Azoren, entstanden war.

Das Wetterereignis wurde zunächst als Hurrikan der Stufe Drei eingestuft, schwächte sich aber auf dem Weg von den Azoren Richtung Norden ab. Das zuständige irische Wetteramt Met Eireann hatte bereits seit Donnerstag vor dem Sturm gewarnt, so dass vorsorglich Schulen und Kindergärten für Montag und Dienstag geschlossen wurden.

„Ophelia“ der schlimmste Sturm seit Jahren

Am Montagmorgen warnte dann Premierminister Leo Varadkar persönlich die Iren mit unmissverständlichen Worten. „Es handelt sich um Alarmstufe Rot. Bitte bleiben Sie nach Möglichkeit zuhause“, sagte der Regierungschef in einer kurzen TV-Ansprache. Bei der nationalen Koordinierungsstelle NECG liefen im Lauf des Tages immer neue Hiobsbotschaften zusammen. Man habe es mit „extrem schwerwiegenden Bedingungen“ zu tun, teilte Evelyn Cusack vom Wetteramt mit. Einen Sturm wie „Ophelia“ habe sie in ihrer 35-jährigen Karriere „noch nie gesehen“. Offenbar handelt es sich um den schlimmsten Sturm in Irland seit 50 Jahren.

In der südöstlichen Grafschaft Waterford kam eine Frau ums Leben, als ihr Auto von einem Baum getroffen wurde. Das gleiche Schicksal ereilte einen Mann in Dundalk nahe der Grenze zu Nordirland. In Cahir (Grafschaft Tipperary) starb ein Mann nach Polizeiangaben bei dem Versuch, mit einer Kettensäge einen umgestürzten Baum beiseite zu schaffen. Im südirischen Cork büßte die Douglas Community School das Dach ihrer Turnhalle ein. In Trümmern lag auch das Dach des lokalen Fußballclubs Cory City FC. Die Küstenwacht musste zwei waghalsige Windsurfer und zwei ebenso risikobereite Kitesurfer retten.

Auch in Großbritannien sprachen die zuständigen Behörden von Lebensgefahr und rieten vor allem davon ab, sich in Küstennähe zu begeben. Dort erreichten die Sturmböen Geschwindigkeiten von bis zu 120 Stundenkilometern. Bilder örtlicher Fotografen zeigten gewaltige Wellen an den Küsten der südenglischen Grafschaften Cornwall, Devon und Dorset. Das Verteidigungsministerium versetzte 1200 Soldaten in Alarmbereitschaft.

Flugverkehr auf der Insel beeinträchtigt

In beiden Ländern war der Flugverkehr stark beeinträchtigt, die Flughäfen Cork und Galway wurden ebenso wie Manchester zeitweilig geschlossen. Anderswo mussten reihenweise Flüge gestrichen werden. Der Dubliner Student Sean Hassett filmte am Montagnachmittag die Landung eines Air Lingus-Jets, mit dem seine Eltern aus Faro nach Dublin zurückkehrten. Die Bilder zeigten, wie immer neue Windböen an dem Flugzeug rüttelten. „Mir rutschte das Herz in die Hose“, berichtete der Student auf Twitter. „Alle Achtung vor der Leistung des Piloten.“

360 000 Haushalte in Irland waren am Montagnachmittag ohne Stromversorgung. In weiten Teilen Englands und Schottlands färbte der vom Sturm mitgeführte Sahara-Staub den Himmel orange. Hatte in London zur Mittagszeit noch strahlender Sonnenschein geherrscht, verdüsterte sich der Himmel im Lauf des Nachmittags zunehmend – wie bei einer Sonnenfinsternis. Von der abnehmenden Helligkeit getäuscht ging vielerorts die automatische Beleuchtung an. Dem britischen Wetteramt zufolge hatte „Ophelia“ über dem Atlantik sowohl Sahara-Sand als auch Rauchteilchen von den verheerenden Waldbränden auf der iberischen Halbinsel aufgenommen.

Wie stets in Krisensituationen griffen die Briten auch diesmal zum bewährten Mittel Humor. Er hoffe doch stark, teilte der erfahrene Rundfunk-Journalist Robin Lustig mit, dass „wir nach dem Verlassen der EU keine fremdländischen Sandstürme mehr erleben“. Die Labour-Baronin Helena Kennedy kalauerte mit Blick auf die Zerstörungen von manchen Weilern (englisch: hamlet) im ländlichen Irland, vielleicht gäbe das eine prägnante Zeitungsschlagzeile: „Ophelia zerstört Hamlet“.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Großbritannien

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