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Iran Suche nach 66 Insassen

Irans Luftverkehr gilt als einer der gefährlichsten der Welt: Jetzt stürzte wieder ein Flieger ab. Alle Menschen an Bord sollen tot sein.

Aseman Airlines
Aseman Airlines die drittgrößte der 14 Fluglinien des Landes. Foto: rtr

Bei dem Absturz einer iranischen Regionalmaschine vom Typ ATR-72 über dem Zagros-Gebirge sind allem Anschein nach alle 66 Insassen ums Leben gekommen. Der Flug 3704 von Aseman Airlines war am Sonntagmorgen um 8 Uhr auf dem Inlandsflughafen Teheran-Mehrabad gestartet und sollte rund eine Stunde später in der 560 Kilometer entfernten Stadt Yasuj im Süden landen. An Bord der 24 Jahre alten Turboprop-Maschine, deren Typ seit 1989 von einem französisch-italienischen Konsortium gebaut wird, befanden sich 60 Passagiere, zwei Piloten, zwei Flugbegleiter und zwei Sicherheitskräfte.

Zur Zeit des Absturzes herrschten in der bis zu 4000 Meter hohen Unglücksregion Nebel, Schnee und eisige Temperaturen, was die Rettungsarbeiten stark behinderte. Hubschrauber konnten den ganzen Tag nicht aufsteigen, so dass die Bergungsmannschaften versuchten, mit Geländefahrzeugen und zu Fuß zur Unglücksstelle in dem Dena-Bergmassiv vorzudringen.

Wegen der schwierigen Umstände vor Ort wollte der Sprecher der Fluggesellschaft, Mohammad Tabatabaie, die Zahl der Opfer zunächst nicht genau beziffern. „Weil wir die Unglücksstelle bisher nicht erreicht haben, können wir momentan weder die Zahl der Toten noch den Tod aller Passagiere definitiv bestätigen“, erklärte er.

Aseman Airlines ist eine teilstaatliche Fluglinie, die im Iran vor allem Strecken zu kleineren Flughäfen bedient. Das Unternehmen besitzt 29 Maschinen, darunter sechs des jetzt verunglückten Typs. Seine drei Boeing 727 sind mit 38 Jahren fast so alt wie die Islamische Republik selbst, die 1979 gegründet wurde. Nach Iran Air und Mahan Air ist Aseman Airlines die drittgrößte der 14 Fluglinien des Landes.

Irans Luftverkehr gilt wegen der jahrzehntelangen internationalen Sanktionen als einer der gefährlichsten der Welt. Das Land verfügt über rund 250 betagte Maschinen, die nach dem Ende der Atomblockade nun Zug um Zug durch neue Flugzeuge ersetzt werden sollen.

Dazu bestellte Teheran etwa 200 Passagierjets bei Boeing und Airbus. Zusätzlich geplant ist der Kauf von mindestens 100 Regionalfliegern der Firmen Mitsubishi, Embraer und Bombardier. Die ersten Maschinen von Airbus wurden im Februar 2017 an Iran Air ausgeliefert. Aseam Airlines orderte vor acht Monaten 30 Boeing 737MAX im Wert von 2,4 Milliarden Euro.

Im zurückliegenden Jahrzehnt allein erlebte die Islamische Republik neun Flugzeug-Katastrophen mit mehr als 450 Toten. Erst am vergangenen Freitag machte eine Fokker 100 von Qeshm Air auf dem Flughafen Mashad eine Bruchlandung, weil die Piloten das linke Fahrwerk nicht mehr ausfahren konnten. Niemand an Bord wurde verletzt, alle Passagiere konnten sich über Notrutschen retten.

Im August 2014 stürzte eine Turboprop-Maschine von Sepahan Airlines kurz nach dem Start in Teheran-Mehrabad in den fünf Kilometer entfernten Stadtteil Asadi. 39 der 48 Insassen starben. Am Boden gab es keine Opfer, obwohl der Jet um ein Haar ein Wohnhaus gerammt und in einen belebten Markt gekracht wäre. Im Januar 2011 zerschellte eine Boeing 727 von Iran Air in dichtem Schneetreiben beim Anflug auf Urmia im Westen des Landes. 77 Menschen starben, 27 wurden verletzt. Im Juli 2009 schlug eine vollbesetzte Tupolew 154 der Caspian Airlines eine Viertelstunde nach dem Start in Teheran nahe der Stadt Qazvin auf einem Acker auf. Alle 153 Passagiere und alle 15 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Iran

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