Lade Inhalte...

Interview mit Stings Tochter „Tschüss, ich werde Rockstar“

Immer nur wird sie nach Sting gefragt. Wie Eliot Paulina Sumner, genannt Coco, aus dem Schatten ihres berühmten Vaters tritt.

08.02.2011 18:32
Ein Unfall nahm ihr den Geruchssinn: Coco Sumner. Foto: dapd

Ms Sumner, Sie sind Stings Tochter – was war die blödeste Frage, die Ihnen wegen Ihres Rockstar-Vaters bislang gestellt wurde?

Die waren alle ziemlich dumm. Niemand kann sich aussuchen, woher er kommt. Trotzdem muss ich die ganze Zeit diese Fragen beantworten. Die Menschen finden das offensichtlich interessant, für mich ist das aber sehr frustrierend. Ich fühle mich drangsaliert, in die Ecke gedrängt.

Viele junge Musiker wären froh, wenn sie Ihre Kontakte hätten...

Mein Vater war für meine Karriere nicht hinderlich – aber auch nicht hilfreich. Wir achten darauf, unser eigenes Ding zu machen. Deshalb reden wir auch in der Öffentlichkeit nicht übereinander: Wir wollen einander beschützen.

Litten Sie früher schon unter der Prominenz Ihres Vaters? In der Schule, bei Freunden?

Ich freunde mich nicht mit Arschlöchern an. Und auch sonst habe ich eine ziemlich gute Menschenkenntnis.

Immerhin durften Sie Ihren Vater monatelang auf seinen Tourneen begleiten.

Von wegen! Ob Sie es glauben oder nicht, ich musste zur Schule gehen. Zumindest bis ich 14 war. Dann zog ich aus unserem Landhaus in Salisbury nach London, besuchte eine Kunstschule und fing an, in Bands zu spielen. Zwei Jahre habe ich Kunst studiert...

...und dann abgebrochen.

Stimmt. Es waren eher eindreiviertel Jahre. Dabei lerne ich gerne. Leider liebe ich auch Musik. Ich arbeitete also parallel zur Schule bis um 3 Uhr morgens im Studio. Irgendwann war klar: Wenn ich Musikerin werden will, muss ich der Schule, meinen Lehrern tschüss sagen. Und das machte ich dann auch: „Tschüss, ich werde jetzt Rockstar.“

Wie fanden das Ihre Eltern?

Für sie war es in Ordnung. Meine Eltern kommen aus sehr armen Familien. Trotzdem haben sie das gemacht, was sie liebten. Im Falle meines Vaters war das Musik. Und meine Mutter ist Schauspielerin und Filmproduzentin.

Wann haben Sie selbst Ihre Liebe zur Musik entdeckt?

Mit vier. Auf der Gitarre. Ich war nicht sehr gut. Klang wahrscheinlich furchtbar, hat wahrscheinlich alle genervt. Aber ich entwickelte eine Obsession für all diese Klänge, die ich da erzeugen konnte. Erst mit Gitarren und später dann mit dem Schlagzeug.

Und irgendwann standen Sie auf der Bühne.

Auf offenen Bühnen in Bars in Camden, einem Stadtteil von London. Das Publikum war ein ziemlich übler Haufen, die meisten standen nur rum, ich spielte im Grunde für mich selbst. Gutes Training. Ich habe es genossen. Dabei wollte ich nie Frontfrau sein.

Zu schüchtern?

Zu nervös. Mittlerweile kann ich Nervosität und Ängste kanalisieren, für das Songschreiben, für Auftritte. So habe ich es geschafft, dass meine Aufregung für mich arbeitet. Bis auf so einen kleinen, merkwürdigen Freudentanz.

Sie tanzen auf der Bühne?

Ja. Aber nicht bewusst. Es passiert einfach. Deshalb bin ich auch ziemlich froh, dass ich meine Auftritte nie live sehe. Trotzdem genieße ich es, da oben auf der Bühne zu stehen. Egal, ob ich wie ein Idiot aussehe oder tanze wie eine Verrückte.

Dafür sind die Texte Ihres Albums erstaunlich traurig.

So habe ich mich damals auch gefühlt. Traurig, wütend, frustriert, glücklich – meine Gefühle sind oft sehr extrem. Und dann schreibe ich Lieder.

Warum waren Sie traurig?

Wegen allem. Als ich die Platte produzierte, da war ich 19. Mein letztes Jahr als Teenager, das letzte Jahr, in dem es dir noch erlaubt ist, dich extrem zu benehmen, bevor du erwachsen bist. Oder? Nein. Das stimmt nicht. Ich sehe mich nicht als Erwachsene. Ich fühle mich alterslos. Ich fühle mich lebendig.

Und seit wann fühlen Sie sich alterslos?

Immer schon. Wenn du jung bist, willst du älter sein, Verantwortung haben, willst nicht mehr gesagt kriegen, was du tun sollst... Was rede ich da eigentlich? Das hört sich jetzt an, als hätten wir eine Therapiesitzung. Entschuldigung.

Sie hatten einen Unfall.

Ja, vor anderthalb Jahren.

Es gibt eine ganze Menge Gerüchte darüber: Überarbeitung, Schlaganfall...

Schlaganfall? Echt? Wie witzig! Nein. Ich bin in einem Restaurant zusammengebrochen, schlug mit dem Kopf auf und verletzte mich dabei. Mittlerweile geht es mir wieder gut. Obwohl dieser Unfall mein Leben für einige Zeit auf den Kopf stellte, weiß ich immer noch nicht, woran es lag. Ich wollte ihn aber auch nicht ungeschehen machen, denn er hat mich verändert.

Sie haben Ihren Geruchssinn verloren.

Das ist wahr. Ich kann nichts mehr riechen.

Welche Gerüche vermissen Sie?

Speck und Benzin.

Sonst nichts?

Sonst habe ich nur Angst, dass in meiner Wohnung Gas austreten könnte und ich nichts merke. Andererseits gibt es ja meinen Hund. Der würde mich auch anbellen, wenn ich nur dabei wäre, saure Milch zu trinken

Interview: Rudolf Novotny

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen