Lade Inhalte...

Interview mit Robert Pattinson „Clowns sind furchteinflößend“

Schauspieler Robert Pattinson erzählt, warum er gerne mit Tieren dreht und was sein Lieblingsfilm mit dem Zirkus zu tun hat.

04.05.2011 15:00
Der junge Tierarzt Jacob (Robert Pattinson) mit Filmpartnerin Rosie. Foto: 20th Century Fox

Herr Pattinson, ich musste mich vor Ihrem Hotel durch eine Horde wildgewordener Teenager kämpfen...

...beängstigend, nicht wahr? Und dann hat da gerade eben jemand einen absolut furchterregenden Schrei von sich gegeben – obwohl ich noch nicht mal in der Nähe des Eingangs war.

Sie haben Angst vor schreiendem Publikum? Und dann spielen Sie ausgerechnet in einem Zirkusfilm mit?

Stopp! In „Wasser für die Elefanten“ gibt es zwar auch viel Spektakel, aber das ist trotzdem kein Zirkusfilm.

Entschuldigung? Die Geschichte handelt doch von einem US-Zirkus in Zeiten der Großen Depression. Mit Löwen, Pferden, Elefanten. Alle betreut von Ihnen als jungem Tierarzt Jacob und gequält von Christoph Waltz als Zirkusdirektor August Rosenbluth.

Ich wette mit Ihnen, dass Zirkusse in Wirklichkeit viel unheimlicher sind. Vor allen Dingen Zirkusse in der damaligen Zeit. Da war doch jeder kriminell. Und zum Zirkus zu gehen, war die einfachste Art abzuhauen: Wenn du etwas verbrochen hast, bist du einfach auf einen vorbeifahrenden Zug gesprungen und hast dir ein bisschen Make-up ins Gesicht geschmiert – weg warst du. Und niemand hat dich je wieder gesehen.

Sie haben ja ein interessantes Bild des Zirkus-Gewerbes.

Nur einmal in meinem Leben war ich als Zuschauer da drin. Eigentlich ist meine einzige Verbindung einer meiner Lieblingsfilme: „Es“, von Stephen King. Da geht es um einen Clown, der in der Kanalisation lebt und Teenager mordet. Eine der beängstigendsten Sachen, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Clowns sind furchteinflößend. Ich weiß nicht, warum, aber irgendwas an ihnen macht Angst.

Stellt sich umso mehr die Frage: Wieso haben Sie mitgespielt?

Ich traf den Elefanten, also die Elefantendame, die auch im Film mitspielt. Bevor ich das Drehbuch las. Und sie war unglaublich, sie hatte eine richtige Persönlichkeit. Das war sehr wichtig für meine Entscheidung.

Wieso?

Wenn du als Schauspieler ein paar Filme gemacht hast, dann weißt du, dass die Möglichkeit, mit einem Elefanten zu arbeiten, etwas ganz Besonderes ist. Nur wenige haben die Gelegenheiten so etwas zu tun. Ich mag die Arbeit mit Tieren generell sehr.

Was macht die Arbeit mit Tieren so besonders?

Niemand erwartet Perfektion. Du drehst eine Szene und niemand am Set weiß, was passiert. Vor allem, wenn du mit einem Tier wie einem Tiger arbeitest. Und, was auch wichtig ist: Deine Reaktionen gegenüber einem Tier sind echt. Du wirst nicht auf die Idee kommen, ihm etwas vorzuspielen. Diese Tatsache entspannt mich, nimmt mir Hemmungen.

Und dann kommt der Perfektionist Christoph Waltz und die Hemmungen sind wieder da.

Sicher. Aber das war auch Teil meiner Rolle. Ich konnte es mir leisten, nervös zu sein – fast den gesamten Film durch. Jacob ist entweder eingeschüchtert oder bewegt sich in einer Welt, deren Regeln von anderen Menschen gemacht werden. Allerdings hat Christoph es mir auch leichtgemacht. Er ist so ein netter Mensch! Dabei wäre es für ihn leicht gewesen, auf mich herabzuschauen und zu sagen: „Was ist das für ein Kind?“ Dieses Kompliment gilt übrigens auch für Reese Witherspoon, die die weibliche Hauptrolle gespielt hat.

Mit der Sie schon einmal einen Film gedreht haben...

„Vanity Fair“. Mein erster Kinofilm.

Ein freudiges Wiedersehen?

Naja. Sie hat nicht einmal gewusst, dass wir je miteinander gearbeitet haben. Am Ende hat es ihr ein Freund erzählt. Reese war die Sache immerhin furchtbar unangenehm.

Andererseits waren Sie am Ende ja auch gar nicht mehr im fertigen Film zu sehen.

Ja, ich wurde aus dem fertigen Film komplett rausgeschnitten. Reese spielte meine Mutter. Als 25-Jährige. Vielleicht lag es daran.

Diesmal ist es ja besser gelaufen.

Die Entscheidung fiel mir dieses Mal aber auch sehr leicht. Normalerweise mache ich mich erstmal verrückt, weil ich nicht weiß, ob ich den Film machen soll oder nicht, ob ich „Ja“ sagen soll. Und nachdem ich „Ja“ gesagt habe, denke ich gleich, dass ich einen Fehler gemacht habe. Aber hier hatte ich beim Lesen des Drehbuchs sofort das Gefühl: Diesen Jacob kennst du. Ich konnte mir vorstellen, wie ich da stehe und diese Worte spreche.

Jacob ist Robert?

Nein. Es war nur ein Gefühl ihm gegenüber. Es gibt in dieser Figur nämlich auch Charakterzüge, die ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Beispielsweise weiß er wirklich, wer er ist – ich habe nicht das Gefühl, mich selber zu kennen. Andererseits... in manchen Dingen habe ich mich tatsächlich wiedererkannt.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel ist er sanft, ein eher netter Mensch. Oder ist das jetzt irgendwie ein bisschen viel Eigenlob?

Wir sind unter uns.

Na denn: ein total cooler Typ!

Interview: Rudolf Novotny

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen