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Interview mit Daniel Brühl „Ich kann auch nein sagen“

Daniel Brühl spricht über seine Heimatstadt Barcelona, die Frage, wie viel ein Schauspieler drehen sollte und wie sein Plan B aussieht.

22.02.2011 15:57
Szene aus dem neuen Film von Daniel Brühl "Der ganz große Traum". Foto: Maria Krumwiede/Senator Film Verleih

Daniel Brühl spricht über seine Heimatstadt Barcelona, die Frage, wie viel ein Schauspieler drehen sollte und wie sein Plan B aussieht.

Herr Brühl, kicken Sie selbst?

Früher mehr. Meist in den Positionen Sturm oder offensives Mittelfeld. Mein größter Erfolg als Stürmer war mal ein Hattrick. Aber Schwalben konnte ich immer am besten.

Ihr neuer Film „Der ganz große Traum“ erzählt von dem Mann, der den Fußball nach Deutschland brachte. Da musste man Sie wohl nicht lange überreden.

Im Gegenteil. Ich habe sofort zugesagt, nachdem ich das Drehbuch gelesen hatte. Das passiert mir sehr selten, aber ich war so begeistert von dieser Geschichte und diesem Mann Robert Koch, der eine so reichhaltige Figur ist, mit der ich als Schauspieler viel machen konnte. Außerdem sollte man doch als großer Fußballfan mindestens einen Fußball-Film im Leben gemacht haben.

Welcher Verein liegt Ihnen mehr am Herzen – der 1. FC Köln oder der FC Barcelona?

Ich glaube, das ist ein Unentschieden. Obwohl, ich bin gerade schwer hinter eine Dauerkarte für den FC Barcelona her…

Sie sind in Köln aufgewachsen und in Barcelona geboren, zurzeit schreiben Sie an einem Buch über Ihre Geburtsstadt. Was wird es denn sein – ein Barcelona-Stadtführer? Ein Tagebuch?

Ich war total von Ulrich Tukurs Buch über Venedig, „Die Seerose im Speisesaal“, begeistert. Wenn es mir also gelänge, in einem ganz anderen Stil – und längst nicht so gut wie Ulrich Tukur –, aber mit viel Witz, Charme und Seele ein Buch über Barcelona zu schreiben, wäre ich schon sehr zufrieden. Mein Buch ist ein sehr besonderer, konkreter und intimer Blick auf die Stadt und die Menschen dort. Wie ein langer Spaziergang. Es soll noch dieses Jahr erscheinen.

Dann werden Sie uns also die absoluten Geheimtipps von Barcelona verraten?

Nein, die ganz gewiss nicht. Die behalte ich lieber für mich. Aber ich hatte das Glück, dort viele interessante Leute kennen zu lernen, die mir die Stadt auf eine sehr aufregende Art und Weise nahe gebracht haben. Das ist es, was ich mit den Lesern teilen will. Ich will übrigens an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, einmal klarzustellen, dass ich mitten in Barcelona geboren wurde – und nicht wie oft behauptet und geschrieben in Arenys de Munt. Dort kommt ein sehr bekannter Fußballer her. Wahrscheinlich haben sie mich mit dem verwechselt.

Mit Cesc Fàbregas? Der stammt aus Arenys de Munt und spielt bei Arsenal London. Er sieht Ihnen aber nicht gerade ähnlich.

Ich bin schon mehr Deutscher als Spanier. Aber je älter ich werde, desto größer wird die Sehnsucht nach dem weniger Gelebten. Es zieht mich zurzeit immer öfter nach Spanien. Und ich habe seit kurzem auch eine eigene Wohnung in Barcelona, worüber ich sehr glücklich bin. Es wird also wohl so sein, dass ich den Winter – der in Berlin ja meist so ist, dass man vom Balkon springen will – künftig in Barcelona verbringe.

Fühlen Sie sich als Filmstar in Deutschland schlecht behandelt?

Die Einzigen, die es in Europa geschafft haben, eine sehr gut funktionierende Kinokultur aufzubauen, sind die Franzosen. Und dafür beneide ich sie sehr. Welche Anerkennung meine französischen Kollegen dort erfahren, ist schon phänomenal. Das könnte mir schon gefallen. Aber ich will nicht klagen. Ich bekomme auch hier genug Aufmerksamkeit für mein Ego. Wenn es weniger wäre, wäre es ein Problem. Wenn es zu viel wäre, auch.

Man hat den Eindruck, Sie drehen fast pausenlos. Können Sie nicht nein sagen?

(Lacht) Das kann ich sehr wohl. Ich habe eben immer noch eine große Lust zu schauspielern. Dieses Jahr drehe ich zum Beispiel noch zwei oder drei Filme in Spanien und dann endlich einen neuen Film mit Wolfgang Becker, nämlich „Ich und Kaminski“ nach dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann. Ein absolutes Herzensprojekt von mir. Und dann gibt es noch eine Romanverfilmung, über die ich aber noch nichts sagen darf. Das sieht zwar auf den ersten Blick nach viel aus, wenn man aber genauer hinschaut, dann sind das gerade einmal ein, zwei Filme in Deutschland pro Jahr. Das ist nicht gerade üppig.

Wie man’s nimmt: Sie haben mehr als 40 Filme seit 1994 gedreht, dazu Hörbücher gesprochen – man könnte auf die Idee kommen, Sie arbeiten für schlechtere Zeiten vor.

Gelegentlich mache ich mir schon Gedanken darüber, was ich machen würde, wenn es einmal nicht mehr so laufen sollte. Aber einen Plan B habe ich eigentlich nicht. Allerdings versuche ich mich gerade sehr behutsam an das Regieführen heranzutasten. Wenn alles gut läuft, könnte da 2012 etwas draus werden. Aber jetzt versuche ich erst einmal herauszufinden, ob ich vielleicht auch als Schriftsteller etwas taugen könnte.

Und als Gastronom.

Ja – ein anderer großer Traum von mir ging gerade in Erfüllung: Zusammen mit drei Freunden habe ich in Berlin Kreuzberg das „Raval“ eröffnet, eine Tapas-Bar. Damit es endlich auch in Berlin gutes spanisches Essen gibt.

Interview: Ulrich Lössl

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