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Interview mit Al Pacino "Als Platzanweiser ging's mir gut"

Zehn Fragen, zehn Antworten: Warum sich der Schauspieler und Oscar-Preiträger Al Pacino nur schwer an seinen Ruhm gewöhnte.

02.01.2009 00:01
Hollywood-Star soll Stargast beim Opernball 2010 werden. Foto: Getty

Mr. Pacino, Sie haben lange Zeit gar keine Interviews gegeben - eigentlich ein Unding im PR-Rummel, auf den Hollywood angewiesen ist. Warum haben Sie die Medien so lange gemieden?

Ich habe einfach schon immer ungern mit der Presse über mich selbst geredet. Ich hatte das Gefühl, dass das Publikum meine Filmcharaktere besser annehmen und verstehen würde, wenn es die Figuren nicht mit der Person Al Pacino in Verbindung bringen könnte. Für eine lange Zeit habe ich an diese Theorie geglaubt.

Wieso hat sich das inzwischen verändert?

Irgendwann habe ich akzeptiert, dass es ein öffentliches Interesse gibt, sobald man eine bestimmte Position im Leben erreicht hat. Und ich sehe heute eine Verantwortung darin. Ich habe verstanden, dass Karriere, Arbeit, Berühmtheit, Showbusiness - dass all das zusammen gehört. Natürlich gibt es auch Bereiche meines Lebens, die privat sind. Über meine Beziehungen spreche ich zum Beispiel bis heute nicht.

Und was wurde aus Ihrer Theorie, dass Ihre Person zu sehr auf Ihre Filmrollen abfärbt? In Ihrem neuen Film "Kurzer Prozess - Righteous Kill" spielen Sie zum Beispiel einen frustrieren Polizisten, der die Regeln des Gesetzes aushebelt. Nimmt man Ihnen den leichter ab, weil man Sie aus all Ihren Mafia-Filmen kennt?

Schwer zu sagen. Ich glaube, wenn man lange genug Schauspieler ist, fällt einem mit der Zeit beides leichter: sich in die Filmfigur hineinzuversetzen, aber auch, sie wieder hinter sich zu lassen. Zu Beginn meiner Karriere haben meine Filmcharaktere mich länger begleitet und mich mehr vereinnahmt.

Wie können wir uns das vorstellen?

Zum Beispiel spielte ich einmal einen Rechtsanwalt. Als mir jemand, mit dem ich mir zufällig ein Taxi teilte, von einem vertragsrechtlichen Problem erzählte, das er hatte, sagte ich: "Ich gucke mir das gern einmal an." Ich habe mich einfach manchmal vergessen. Vielleicht hätte ich auch damals schon leichter loslassen können, aber als junger Schauspieler war ich der Meinung, dass diese starke Identifikation mit der Rolle von mir erwartet wurde. Aber seit etwa 20 Jahren kann ich meine Filmfiguren leichter loslassen.

Bekommt Ihnen inzwischen auch Ihre Berühmtheit besser?

Es fällt mir manchmal immer noch schwer, damit umzugehen - weil ich mich eben auf die Rollen konzentrieren will, die ich spiele. Mitte der 80er Jahre habe ich mich dem ganzen Zirkus sogar ganz verweigert um mich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Vier Jahre lang habe ich überhaupt keinen Film gemacht. Ich kam mit all der Aufmerksamkeit, die mir entgegengebracht wurde, nicht klar. Heute habe ich damit keine Probleme mehr. Ich erzähle einfach nicht mehr alle meine Geheimnisse.

Sie sollen sogar darüber nachgedacht haben, Ihren Namen zu ändern ...

Ja, aber auch das war ganz am Anfang meiner Karriere. Damals kam ein Name, der mit einem Vokal endete, nicht so gut an. Ich wollte mich damals Sonny Scott nennen. Aber ich bin froh, dass ich es nicht getan habe. Nur manchmal checke ich unter diesem Namen noch in Hotels ein.

Haben Sie je darüber nachgedacht, was Sie heute wären, wenn Sie kein Schauspieler geworden wären?

Ich wäre wahrscheinlich zufrieden als Platzanweiser in einem Kino. Ich habe das mal eine Weile gemacht - und ich liebe seit jeher Filme. Also wäre das wohl der beste Job für mich gewesen.

Wie sehr hat Ihr Erfolg auch Ihr Privatleben verändert?

Er hat mich umgehauen. Es war eine riesige Veränderung, auf einmal so von Interesse zu sein. Die Arbeit wurde meine Therapie - und leider auch das Trinken. Ich bin zu Psychotherapeuten gerannt, aber die konnten mich nicht so beruhigen wie ein ordentlicher Drink. Ich habe dann bald gemerkt, dass ich mich wohler fühle, wenn ich unter Leuten bin. Da konnte ich besser reden als in einer Therapie.

Sie haben das Trinken in den späten siebziger Jahren aufgegeben.

Heute gibt es nur noch Eiscreme und Kekse.

Denken Sie inzwischen manchmal an Ihren Ruhestand?

Ja, aber dann realisiere ich, dass ich nicht aufhören könnte. Ich muss etwas zu tun haben. Ganz im Ernst: Ich liebe diese Situation, wenn man sich eine Zeitlang intensiv mit etwas beschäftigen, es in sich aufnehmen kann. Einfach nur du und die Rolle, die du lebst, und über die du nachdenkst.

Interview: Bruno Lester

Übersetzung: Martina Winkler

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