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Interview Die Temponauten

Ein Ex-Manager, ein Physiker und ein Ingenieur wollen beweisen, dass Zeitreisen möglich sind - und sogar profitabel.

13.12.2010 09:00
Die Drei von der Zeitmaschine: Ingenieur Uwe Aloé, Finanzexperte Bernd Siebler und der Physiker Walter Gith (v.l.). Foto: Timemachine1212

Ein Ex-Manager, ein Physiker und ein Ingenieur wollen beweisen, dass Zeitreisen möglich sind - und sogar profitabel.

Herr Siebler, in ziemlich genau zwei Jahren erwarten Sie Besuch aus der Zukunft. Wie das?

Kurz gesagt: Die Teilnehmer unseres Experiments, die sogenannten Temponauten, vererben die Idee, ein Codewort und das Startkapital – 90000 Euro – über Generationen weiter bis zu dem Zeitpunkt, an dem Zeitreisen möglich sind; vielleicht im Jahr 2500. Dann nimmt der erfolgreiche Temponaut das bis dahin vervielfältigte Kapital, erwirbt die Zeitmaschine und reist zurück ins Jahr 2012.

Und das klappt?

Davon können wir grundsätzlich ausgehen, physikalisch betrachtet.

Warum ist das Reiseziel ausgerechnet Mittwoch, 12.12.2012?

Das hat nichts mit diesem berühmten Maya-Kalender zu tun...

...der angeblich die Welt im Dezember 2012 untergehen sieht.

Nein, wir brauchten beim Projektstart 2007 einfach fünf Jahre Vorlauf, um genug Temponauten zu rekrutieren, und dann ein griffiges Datum. Zufällig hat einer der Initiatoren, Uwe Aloé, am 12.12. Geburtstag.

Ist das Startkapital komplett?

Wir, die drei Initiatoren, haben die 90000 selbst gespendet. Die laufenden Kosten decken wir aus sogenannten Schmucklizenzen.

Schmucklizenzen?

Ja. Jeder darf kostenlos eine Lizenz als Temponaut anfordern – Sie auch. Und dann gibt es noch die nicht-kostenlosen Lizenzen, Schmucklizenzen zu 40 Euro, die Sie sich an die Wand hängen dürfen. Die werden für laufende Kosten – Druckerpatronen und so weiter – verbraucht.

Kommt da genug rein?

Puh, das stellt sich am Ende des Projekts heraus. Wir haben etwa 70 Schmucklizenz-Temponauten, das war’s auch schon, aber die kostenlosen gehen stramm auf die 1000 zu. Wenn ich das mit meinem Kollegen, Diplomphysiker Walter Gith, exponential hochrechne, dann sind wir bescheiden zu sagen, wir dürfen etwa mit 10000 Temponauten rechnen.

Es könnte ja jemand aus der Zukunft Geld mitbringen, mit dem Sie das Ganze refinanzieren.

So gewagt wollen wir gar nicht an die Sache herangehen. Da kann viel passieren in der Zukunft: Es gibt kein Kapital mehr, es gibt ganz andere Wirtschaftssysteme. Was der Zeitreisende aus der Zukunft mitbrächte, da würden wir vielleicht drüber lachen. Ein Zeitkonto oder was auch immer. Also: Davon gehen wir überhaupt nicht aus, dass wir etwas aus der Zukunft bekommen – außer dem Zeitreiseverfahren selbst. Daraus könnte man natürlich trefflich Kapital schlagen, indem man sagt: Okay, ich nehme das Ding, ...

...also die Zeitmaschine...

...egal, wie es aussieht, ob es ein Armbanduhr-ähnliches Gerät ist oder ein rein mentales Verfahren, schaue acht Tage in die Zukunft und guck’ mir die Lottozahlen an.

Oha!

Wobei man da vorsichtig sein muss: Kollege Gith sagt, schon die Absicht, sich die Lottozahlen der Zukunft anzusehen, um sie in der Gegenwart zu verwenden, könnte zu einer anderen Zukunft mit anderen Lottozahlen führen.

Schwierig. Falls Zeitreisen möglich sind – warum ist eigentlich nicht schon längst jemand zum Beispiel ins Jahr 1970 gereist, und wir wissen Bescheid?

Wir schließen nicht aus, dass sowas längst passiert ist, wir die Folge von Zeitreisen sind und sich die Geschichte schon etliche Male verändert hat, weil, ich sag’ mal: die Zukunftspolizei gekommen ist und gesagt hat: Hoppla, wenn die sich jetzt in die Luft sprengen, dann existieren wir ja auch nicht mehr. Nach David Deutsch und anderen ernst zu nehmenden Physikern kreieren wir ja ständig Multiversen, also Parallelwelten, und es ist keineswegs ganz verrückt zu sagen: In der einen Parallelwelt ist das passiert und in der anderen nicht. Vielleicht haben gewisse Leute Kenntnis, aber wir wissen es nicht.

Sie sagen also: Möglich, dass es längst Zeitreisen gibt, aber gewisse Kreise haben das der Öffentlichkeit nicht verraten.

Ja. Aber ohne Beweise in der Hand zu haben. Hypothetisch.

Und wenn aus der Zukunft Leute zurückreisen, die Unheil anrichten? Haben Sie davor Angst?

Eigentlich nicht. Dann hätten wir ja schon die Auswirkung dieser Zeitreise verkraftet. Wir existieren ja noch.

Herr Siebler, fühlen Sie sich mit Ihren Plänen überall richtig verstanden?

Sicher nicht. Mitunter kommt der Begriff „Spinner“ ins Geschäft, obwohl ich dann immer fröhlich sage: Würden wir nicht die Fäden ständig spinnen, dann blieben wir stehen. Wären Einstein und Co. keine Spinner gewesen, wären wir jetzt nicht da, wo wir stehen.

Wer genau hinschaut, sieht Sie auf Ihrer Zeitreise-Website mit einem Auge zwinkern.

Mein angeborener Humor. Hat aber nichts damit zu tun, dass ich unser Projekt auch nur in entferntester Weise als Jux oder Tollerei bezeichnete. Das ist einfach meine Philosophie: Man kann das Leben nur mit einem gewissen Augenzwinkern bewältigen.

Interview: Thomas Stillbauer

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