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Ingvar Kamprad „Er war ein schrecklich intensiver Mensch“

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Mit ihm geht ein Mythos - und ein umstrittener Geschäftsmann.

Ingvar Kamprad
„Ich bin den Baum des Wissens nie heraufgeklettert“, sagte Kamprad einmal. Seinem Erfolg hat das keinen Abbruch getan. Foto: afp

Es war Anfang der 60er Jahre – so jedenfalls erinnerte sich Ingvar Kamprad etliche Jahrzehnte später. Einige Jahre betrieb er da schon sein erstes eigenes Möbelhaus, das seine Initialen im Namen trug: Ikea, die letzten beiden Buchstaben stehen für den Hof seiner Eltern (Elmtaryd) und das nächstgelegene Dorf (Agunnaryd). Seine Geschäfte liefen gut, viel besser als in der tiefsten Provinz zu erwarten war. Kamprad war nicht in eine der seinerzeit blühenden schwedischen Industriestädte gegangen, als er 1958 den Grundstein legte für das, was später eines der größten Unternehmen der Welt werden sollte. Er blieb da, wo er sich auskannte: in Älmhult, 25 Kilometer von Agunnaryd entfernt.

Eine eigensinnige Entscheidung – Rat von außen war ihm trotzdem wichtig. Also engagierte Kamprad einen Unternehmensberater. Der Mann reiste an, schaute sich um und kam am ersten Abend zum Gründer und Geschäftsführer. Er wolle den Auftrag zurückgeben, habe der Berater gesagt. Warum, wollte Kamprad wissen. „Ich hätte dir mit aller Kraft davon abgeraten, dieses Geschäft zu eröffnen“, soll der Berater daraufhin gesagt haben. „Aber ich sehe, dass es funktioniert. Ich kann dir keinen Rat geben.“ Es ist nicht überliefert, wer der Mann war und auch nicht, ob er sich später gegrämt hat, dass ihm an diesem Tag kein klügerer Kommentar einfiel zu dem, was er einige Stunden lang studiert hatte: die Revolution des globalen Möbelhandels.

Ikea machte den Möbelkauf zum Erlebnis

Ohne größeres Aufheben hatte Kamprad sämtliche Grundsätze seiner Branche für nichtig erklärt. Nicht nur, dass er Möbelproduzent und -händler in einem war. Er veränderte tiefgreifend den Charakter des Produkts. Das Sofa, das Regal, der Tisch waren bei Ikea keine Anschaffungen fürs Leben mehr, als Einzelstücke oder in Kleinserie gefertigt. Sie wurden zu Massenware, unschlagbar günstig, umstandslos austauschbar durch den Kunden, der ebenfalls eine vollkommen neue Rolle bekam. Er nahm sein Möbel als unhandliches Paket entgegen, brachte es im eigenen Auto nach Hause – es waren die Jahre der beginnenden Massenmotorisierung, als in Schweden Monat für Monat Tausende neue Volvos und Saabs auf die Straßen rollten – und übernahm dort die Endfertigung. Je nach Geschicklichkeit und Qualität der Gebrauchsanweisung fühlte er sich anschließend wie ein genialer Tischler oder wie ein vollkommener Tölpel – dann tröstete ihn zumindest der niedrige Preis. Ikea machte den Möbelkauf zum Erlebnis, im Guten wie im Schlechten. 

Kamprads Konkurrenten neideten ihm nicht bloß den Erfolg, sie hassten ihn. Auf vielen Möbelmessen hatte der Revolutionär aus Älmhult in den 60er-Jahren Hausverbot. Beirren ließ er sich dennoch nicht. Ingvar Kamprad expandierte – mit eigenen Geldern. Aus heutiger Sicht, wo Kapital im Überfluss bereitsteht und Investoren nichts dabei finden, Millionen in erfolglosen Gründungen zu verbrennen, wirkt seine Strategie antiquiert: Wenn genug Geld beisammen war, eröffnete Kamprad ein neues Möbelhaus. Nach fünf Jahren eröffnete er eine Filiale in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Erst zwei Jahre später folgte das erste Ikea-Möbelhaus in Stockholm – es habe einige Zeit gedauert, den Grundstückspreis auf ein angemessenes Niveau zu drücken, dass zu den Preisen seiner Produkte passe, berichtete er seinerzeit im Radio.

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