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Indien, Nepal, Bangladesch Wasser, so weit das Auge reicht

Südasien leidet unter schweren Monsun-Überschwemmungen.

Indien
Überflutete Straße im westindischen Agartala. Foto: dpa

Rund 40 Millionen Menschen in Nepal, Indien, Bangladesch und zu Teilen auch in Pakistan leiden in diesem Jahr, weil der lebensspendende Monsun es besonders gut meint. Die schweren Regenfälle, die südlich des Himalaya alljährlich die komplette Region überschwemmen, forderten bislang 1400 Menschenleben. Die Regenzeit, von der die Existenz von rund 400 Millionen Menschen und die Landwirtschaft links und rechts des Ganges und des Brahmaputra abhängt, dauert noch einen Monat und führte diesmal den Regierungen aller betroffenen Länder ihre Sünden vor.

„Wenn an ein oder zwei Tagen die Regenmenge runterkommt, die sonst das ganz Jahr über fällt, nützen keine Vorbereitungen“, flüchtet Anirudh Kumar von der Abteilung für Katastrophenschutz im indischen Bundesstaat Bihar sich in die üblichen Ausflüchte. Tatsächlich verzeichnen die Meteorologen die schlimmsten Überschwemmungen der vergangenen zehn Jahre. In der indischen Finanzmetropole stürzte gar ein Haus ein, dessen Fundament vom Hochwasser unterspült wurde. Bislang bargen die Retter über 30 Tote. Die Kinderschutzorganisation der Vereinten Nationen Unicef meldete am Wochenende, dass von den 40 Millionen Betroffenen 16 Millionen Kinder sind.

Aber Indiens Rechnungshof veröffentlichte erst im Juli einen Bericht, der die skandalöse Gedankenlosigkeit entlarvte, mit der die Behörden des 1,2 Milliarden Menschen umfassenden Staats der alljährlich wiederkehrenden Überschwemmungskatastrophe entgegensehen. Die am meisten betroffenen Bundesstaaten machten sich bislang nicht einmal die Mühe, potentielle Überschwemmungsgebiete zu identifizieren. Von den 4862 großen Dämmen und Talsperren funktionieren laut dem Bericht gerade mal 349.

Außerdem liegen Millionen von Geldern auf Halde, die für Überschwemmungsvorsorge bestimmt sind und nicht ausgegeben wurden. Fast alle Bundesstaaten planen statt sich vorzubereiten lieber mit der Nothilfe nach der Überschwemmung. Das sieht in Fernsehberichten und in Berichten an übergeordnete Stellen spektakulärer aus und entkräftet jeden Vorwurf, man sei nicht gewappnet gewesen.

Im Bundesstaat Bihar wiederum legte die regionale Regierung so viele Straßen und Wege höher, dass die übertretenden Fluten des Ganges nach Ansicht von Fachleuten keine Möglichkeit finden, wieder abzufließen. Im indischen Teil der Churia Hills, die auch Sivalik Berge genannt werden und sich am Fuße der Himalayas 2400 Kilometer lang vom Indus-Tal bis zum Brahmaputra erstrecken, hatte Indiens Bauboom eine verheerende Wirkung. Tausende von illegalen Unternehmer holen seit einigen Jahren Sand und Felsen aus dem 1500 bis 2000 Meter hohen Gebirge – und zerstörten natürliche Hindernisse für die Monsunflut.

Erstmals in der tragischen Geschichte der Überschwemmungen versuchen die Regierungen der betroffenen Länder diesmal, sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben. Indien warf dem Nachbarn China vor, entgegen einer seit Jahren bestehenden Vereinbarung, wichtige Daten zurückzuhalten, dank denen Überschwemmungen im Nordosten nicht effektiv bekämpft werden konnten.

Delhi machte außerdem Nepal für mangelnde Informationen während der gegenwärtigen Überschwemmungen verantwortlich. Kathmandu wiederum kontert, dass Indien mit seiner raschen und gegenüber der Natur rücksichtslosen Weiterentwicklung die Terai-Region entlang der gemeinsamen Grenze die Überschwemmungen verschlimmerten – und bei zwei Staudämmen keinerlei Rücksichten auf Nepal nahm.

Lediglich aus Dhaka, dessen Regierung an der indischen Nabelschnur hängt, kommen keine Vorwürfe. Dabei ist Bangladesch in der Monsunzeit doppelt gestraft, weil Brahmaputra und Ganges sich in dem Land vereinen. Bislang ist nur ein Teil der gigantischen Ströme mit Sandsäcken so in ein Bett gezwängt, dass keine größeren Schäden entstehen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Indien

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