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Hurrikan „Harvey“ „Hinnehmen oder wegziehen“

Der Kieler Klimaforscher Professor Mojib Latif erklärt, wieso die Niederschläge bei Hurrikan „Harvey“ diesmal historische Ausmaße angenommen haben.

Houston
Menschen waten durch die überfluteten Straßen von Houston. Foto: afp

Professor Latif, die US-amerikanische Golfküste wird schon immer von Tropenstürmen und Hurrikanen heimgesucht, der „Große Hurrikan“ von 1780 zum Beispiel forderte 22.000 Tote. Was ist das Besondere an Harvey, der jetzt Houston verwüstet?
Das Besondere sind die extremen Regenfälle, die diesmal historische Ausmaße angenommen haben.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Klimawandel zur Schwere der Überschwemmungen beiträgt?
Der Klimawandel hat dazu geführt, dass sich die Weltmeere erwärmen. Auch der Golf von Mexiko ist deutlich wärmer geworden. Dadurch verdunstet mehr Wasser und tropische Wirbelstürme wie Hurrikane können potenziell zu noch stärkeren Niederschlägen führen.

Gibt es denn Parallelen zum Hurrikan Katrina, der New Orleans im Jahr 2005 traf?'
Nur die gigantische Zerstörung. Katrina war stärker, zog auf seinem Weg allerdings auch schneller. Deswegen waren die Regenfluten nicht so intensiv auf eine Region konzentriert wie jetzt bei Harvey.

Hurrikane werden nach Aussagen der Klimaforschung zwar nicht häufiger, aber heftiger. Was bedeutet das für die betroffenen Regionen?
Man muss sich noch besser auf die Hurrikane einstellen. Dabei geht es um drei Gefahren: Starkwind, Sturmflut und Starkregen.

Könnten Städte wie Houston sich besser auf solche Ereignisse einstellen – oder muss man sie einfach als schicksalhaft hinnehmen?
Es gibt Grenzen der Anpassung, wie wir gerade erleben müssen. Irgendwann werden die Wetterextreme so stark, dass man sie einfach hinnehmen muss . Oder die Menschen ziehen weg.

US-Präsident Trump hat getwittert, die Zusammenarbeit bei den Rettungsaktionen laufe „großartig“. Er will die Region Houston am heutigen Dienstag besuchen. Erwarten Sie, dass der Eindruck seine Einschätzungen zum Klimawandel verändert?
Das wäre zu wünschen. Ich glaube es allerdings nicht. Trump wird versuchen, das Ereignis als „Laune“ der Natur darzustellen, das nichts mit dem Klimawandel zu tun hat.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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