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Hundekämpfe in Pakistan Tödliche Bisse als Unterhaltung

Blutige Hundekämpfe sind in Pakistan zwar offiziell verboten, doch reiche Landbesitzer und Geschäftsleute vertreiben sich damit die Zeit. Die Regierung greift nicht durch.

03.05.2012 17:51
Zwei Hunde kämpfen in Pakistan gegeneinander. Foto: afp

Moti ist der Held des Tages. Männer wuchten die Bulldogge auf ihre Schultern und tanzen mit ihr zum Lärm von Trommeln und Flöten durch die Menge. Geldscheine regnen auf den Hund herab. „Ich liebe Moti wie meine Kinder. Ich bin so stolz auf ihn“, sagt Malik Tassaduq Hussain. Der Pakistaner ist außer sich vor Freude: Moti hat gerade den Hundekampf in Tangdhe Sayedan gewonnen.

Tangdhe Sayedan, ein Dorf in der Provinz Punjab, ist nur einer von vielen Schauplätzen des blutigen Sports. Offiziell sind Hundekämpfe in Pakistan verboten, doch reiche Landbesitzer und Geschäftsleute vertreiben sich damit die Zeit.

Die Regeln sind so einfach wie brutal: Die Hunde kämpfen so lange gegeneinander, bis einer verblutet, wegläuft oder der Halter Mitleid bekommt und sein Tier aus der Arena holt. Zu gewinnen sind Handys oder Fernsehapparate, manchmal auch Preisgelder von bis zu 100?000 Rupien, umgerechnet etwa 830 Euro. Doch es ist nicht das Geld, das die Männer dazu bringt, ihre Bulldoggen aufeinander zu hetzen. „Es ist ein Hobby der Mächtigen“, sagt Abdul Ghaffar, der selbst Hundekämpfe organisiert.

"Einen Champion zu halten, ist teuer"

Einen Champion wie Moti zu halten und zu trainieren, ist teuer. „Wir geben ihm jeden Tag zwei Liter Milch, ein Kilo Fleisch, Butter und einen Apfel. Das kostet uns monatlich 50.000 Rupien“, sagt Hussain. Der 59 Jahre alte Bauer kann sich das nur leisten, weil die Hälfte seiner Familie in Großbritannien lebt und ein Bruder ihm Geld gibt, um den Hund zu füttern. Moti wurde ein Jahr lang für seinen ersten Kampf trainiert, indem er täglich 20 Kilometer einem Motorrad herrennen musste.

Die Siegerhunde verschaffen ihren Besitzern Ruhm und Ehre, für die Besitzer der Verlierer sieht es anders aus. „Bitte fragen Sie mich nicht. Es ist eine Schande, mein Hund ist verloren“, sagt ein etwa 20-Jähriger, während er Salz in die Wunden seiner Bulldogge reibt. Er versucht damit, Infektionen zu verhindern.

Die Regierung unternimmt wenig, um das Verbot von Hundekämpfen durchzusetzen und die damit verbundene Geschäftemacherei zu unterbinden. Rund um den Kampfplatz haben Händler Tee- und Imbissbuden aufgebaut. Jeder Kampf wird gefilmt und die Videos der blutigsten Auseinandersetzungen werden verkauft.

Alle wissen, wo und wann Kämpfe stattfinden

Es gibt keinen Veranstaltungskalender, doch alle Fans und Budenbetreiber wissen, wann und wo im Umkreis von 200 Kilometern der nächste Kampf stattfindet. „Ich fahre zu jedem Kampf und baue dort meinen Stand auf. Da verdiene ich etwa 3000 Rupien am Tag – viel mehr als sonst in meinem Laden“, sagt der Händler Ishtiaq Ahmed.

Die Polizei beteuert, mit Razzien gegen das Treiben vorzugehen und die Täter festzunehmen. Doch die meisten kämen gegen Kaution wieder frei, räumt die Polizei von Punjab ein. Die Höchststrafe ist ein halbes Jahr Gefängnis und eine Geldbuße von umgerechnet nicht einmal zehn Euro.

Tierschützern ist das zu wenig, sie fordern von der Regierung, dem grausamen Spektakel ein Ende zu setzen. „Viele Hunde erliegen nach den Kämpfen ihren Verletzungen. Viele Kampfhunde bekommen Hautkrankheiten und ihre Wunden heilen nicht“, sagt Nasim Ahmad von der Gesellschaft gegen Tierquälerei in Pakistan. Im Schnitt sterbe pro Veranstaltung ein Hund, sagt der Tierarzt und Tierschützer Zulfiqar Otho. Die Zuschauer in Tangdhe Sayedan sind anderer Meinung als die Tierschützer. „Gott hat Hunde erschaffen, damit sie kämpfen und beißen“, sagt der Bauer Chaudhry Javed. „Selbst wenn wir das nicht arrangieren, werden sie immer aufeinander losgehen.“ (AFP)

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