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Hunde-Beißattacken Tierschutzbund will Hundeführerschein für alle Halter

Der Staffordshire-Mischling Chico, der in Hannover zwei Menschen getötet hat, wurde am Montag eingeschläfert. Tierschützer fordern bundesweite Konsequenzen aus dem Fall, bei dem die Behörden im Vorfeld trotz Hinweisen nicht durchgegriffen haben.

17.04.2018 13:03
Chico
Nach der tödlichen Attacke auf zwei Menschen in Hannover ist Hund Chico eingeschläfert worden. Foto: dpa

Angesichts der Beißattacken der jüngsten Zeit plädiert der Deutsche Tierschutzbund für die bundesweite Einführung eines Hundeführerscheins. „Es geht darum, die Sachkunde der Hundehalter zu verbessern – und zwar in allen Bundesländern“, sagte Verbandspräsident Thomas Schröder am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Dagegen habe es keinen Sinn, Rasselisten mit angeblich gefährlichen Rassen zu erfinden, betonte er. Der Terriermischling Chico aus Hannover hatte vor zwei Wochen seinen 27-jährigen Besitzer und dessen Mutter totgebissen. Am Montag wurde Chico eingeschläfert. Wie die Stadt einräumte, hätte der unter Betreuung stehende Mann den aggressiven Hund gar nicht halten dürfen. Schon 2011 hatte das Veterinäramt Hinweise darauf erhalten.

Im hessischen Bad König starb vor gut einer Woche ein sieben Monate alter Junge, dem der Staffordshire-Mischling der Familie in den Kopf gebissen hatte. In Ostfriesland musste eine 52-Jährige nach einem Dobermann-Angriff am Montag notoperiert werden. Sie ist laut Polizei inzwischen außer Lebensgefahr. Zunächst stand im Raum, Chico in einer Spezialeinrichtung für schwierige Hunde unterzubringen. Wie eine tierärztliche Untersuchung ergab, litt er jedoch an einer schmerzhaften, frischen Kieferverletzung und hätte häufig operiert werden müssen. Zudem hätte er nur isoliert gehalten werden können.

Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes forderte Konsequenzen aus den von der Stadt zugegebenen Fehlern. „Das Leben von Chico ist beendet, aber die Aufklärung der Vorgeschichte muss jetzt erst richtig losgehen“, sagte Schröder. „Wir haben hier zwei Tote zu betrauern und einen toten Hund.“ Alles deute darauf hin, dass die zuständigen Behörden entweder Hund und Halter nicht trennen wollten oder die Dramatik nicht erkannt hätten. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung gegen unbekannt. „Wenn es Hinweise auf Probleme gibt, muss ein Amt sich verantwortlich fühlen und darf nicht sagen, wird schon nicht so schlimm sein“, betonte Schröder.

In Niedersachsen gibt es anders als in anderen Bundesländern im Hundegesetz keine Rasselisten. Die Regelung, die Gefährlichkeit jedes einzelnen Hundes zu prüfen, sei richtig, sagte der Chef des Tierschutzbundes. „Es gibt keine Rasse Kampfhund.“ In Niedersachsen muss, wer einen Hund anschaffen will, in der Regel eine Prüfung ablegen, den sogenannten Hundeführerschein. (dpa)

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