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Hollywood #OscarsToo

Auch an der 90. Oscar-Verleihung geht die #MeToo-Bewegung nicht vorbei. Dabei setzen die Frauen aber nicht auf schwarze Kleider.

Schauspielerin Frances McDormand
Schauspielerin Frances McDormand nutzt die Oscar-Verleihung, um für Chancengleichheit für Frauen in der Filmbrache zu werben. Foto: afp

Er sei derzeit der „beliebteste und am meisten respektierte Mann“, sagte Moderator Jimmy Kimmel bei der Eröffnung der 90. Oscar-Verleihung in Los Angeles. Mit dieser Einschätzung lehnte sich Kimmel nicht allzu weit aus dem Fenster. Denn der 50-Jährige meinte damit den Oscar selbst, der bekanntlich gar nicht nach einem historischen Oscar benannt ist. Walt Disney bedankte sich lediglich 1934 für seinen „Oscar“, als ihm der „Academy Award of Merit“ (so sein offizieller Titel)  verliehen wurde.

Der Spitzname sollte sich halten – und bot dem Moderator in diesem Jahr eine willkommene Gelegenheit, um auf die #MeToo-Debatte anzuspielen. Auf einem internationalen Großevent, wo alle, die in der nach wie vor männerdominierten Filmszene Rang und Namen haben, einlaufen, sei der „Oscar“ ein wahrer Lichtblick, insinuiert Kimmel: „Er hält seine Hände dort, wo man sie sehen kann.“ Er sei nie unflätig, und am wichtigsten: „Kein Penis.“ „Das ist ein Mann, von dem wir mehr in dieser Stadt brauchen.“  Hollywood müsse sich ändern, so die Forderung des Moderators.

Starke Worte und Gesten statt schwarze Kleider

So überdeutlich Kimmel damit auf #MeToo angespielt hat, so wenig solidarisierten sich die Damen des Abends durch ihr Outfit mit der Bewegung, die sich mit den Opfern von sexuellen Übergriffen auf Frauen solidarisiert. Zurückhaltend waren die Frauen des Abends zumindest, was die Wahl ihrer Kleider angeht. Anders als bei der Golden-Globe-Verleihung zu Jahresbeginn, wo die meisten Stars in Schwarz erschienen, waren schwarze Kleider kaum zu sehen. Sie gelten als Signal gegen Missbrauch und Benachteiligung in Zeiten von #MeToo.

Hie und da blitze auf dem roten Teppich wohl ein Anstecker der ähnlichen Bewegung „Time’s Up“ („Die Zeit ist um“) an den Roben der Damen auf, so etwa auf dem weißen Kleid der US-Schauspielerin Jane Fonda. Alles in allem aber bunte Farben, fröhlich. Als sei nie was gewesen – freilich ein Trugschluss. Denn natürlich ist #MeToo auch unter den Frauen Thema.

So verrät Sharon Stone einem TV-Reporter auf dem roten Teppich: „Ich bin seit 40 Jahren in diesem Business. Kannst du dir das Business vorstellen, in das ich vor 40 Jahren hineinkam? So wie ich aussehe? Aus dem Nirgendwo in Pennsylvania? Ich bin völlig ohne Schutz dorthin gekommen. Ich habe alles gesehen.“ Entsprechend feiere sie heute auch, dass Frauen seit dem Sturz des von der US-Filmakademie aus ihren Reihen verbannten Ex-Filmmoguls Harvey Weinstein engagierter als zuvor gegen sexuelle Übergriffe aufbegehren. „Wir fangen an, uns als Frauen wertzuschätzen, und nicht zu denken, dass wir uns wie Männer verhalten müssen, um kräftig, mächtig oder wertvoll zu sein.“

Weinstein-Opfer auf der Bühne

Auf offene Worte wie diese statt auf Kleider setzten auch mehrere Filmschaffende, die sich als Weinstein-Opfer bezeichnen. Sie bekamen ihren Moment auf der Bühne. Salma Hayek, Ashley Judd und Annabella Sciorra präsentierten einen Kurzfilm zu den neuen Protestbewegungen für die Frauenrechte. Diese Bewegungen stellten einen „kraftvollen Chor dar, der endlich sagt: ‚Die Zeit ist um‘“, sagte Judd. Schon auf dem roten Teppich war Judd nicht mit einem Mann, sondern demonstrativ mit ihrer Kollegin Mira Sorvino angekommen. Auch Sorvino wurde nach eigener Schilderung von Weinstein sexuell belästigt.

Wohl am eindrucksvollsten präsentierte aber Schauspielerin Frances McDormand die neue Frauen-Power, als sie für ihre Rolle als zornige Mutter einer vergewaltigten und ermordeten jungen Frau in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ausgezeichnet wurde. Ihren Oscar stellte die 60-Jährige neben sich auf den Boden, um gestenreich und mit ausgebreiteten Armen andere Frauen im Saal in ihre Freude einzubeziehen – verbunden mit einem Appell an die mächtigen Männer der Branche.

Auf McDormands Aufforderung hin erhoben sich die Frauen mit Oscar-Nominierungen von ihren Sitzen. „Wir alle haben Geschichten zu erzählen und Projekte, die finanziert werden müssen“, rief die Oscar-Gewinnerin und forderte die Hollywood-Macher auf, diese Projekte schon in den nächsten Tagen mit den Frauen zu besprechen.

McDormand machte damit klar, dass die Anprangerung von sexuellen Übergriffen nur ein Teil der neuen Frauenbewegungen ist. Der andere Teil ist das Streben nach Chancengleichheit in der weiterhin männerdominierten Branche. (mit dpa/afp)

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