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Hochzeit Der teuerste Tag des Lebens

Individualität wird beim Heiraten immer wichtiger – und die kostet.

Hochzeitskleid
Der Traum in Weiß: Für das Kleid, das sie nur einmal tragen, geben manche Bräute sehr viel Geld aus. Foto: rtr

In einem großen Spiegel in der Umkleide können sich die künftigen Bräute in ihrem Hochzeitskleid bestaunen. In dem Salon La Mode Abyssale von Helen Bender in der Mainzer Innenstadt hängen weiße und cremefarbene Kleider dicht an dicht, Schleier liegen bereit, daneben Schmuck und Schuhe. „Gerade sind tiefe Rückenausschnitte angesagt, Spitze, außerdem Zweiteiler, also ein Oberteil mit langem Rock“, sagt die Modedesignerin und zeigt die Roben an der Stange. Aber auch der klassische Prinzessinnen-Look gehe immer. Bender hat sich auf lesbische Hochzeiten spezialisiert, bei manchen Paaren heiratet eine im Damenanzug, die andere im Kleid.

Wer bei Bender einkauft, muss schon ein wenig Geld ausgegeben wollen: 1100 Euro bis 2300 Euro kosten die Traumkleider im Schnitt. Wer kann, bezahlt auch 4000 Euro. Und beim Kleid sparten wenige, sagt Bender. Oft gebe ja auch die Familie etwas dazu. Laut einer Umfrage des Portals Statista würden Frauen im Durchschnitt 973 Euro für ihr Brautkleid ausgeben, 152 Euro für die Brautschuhe.

Frauen kommen aus ganz Deutschland zu ihr in den Laden. Ein Dreivierteljahr vorher müssen sie schon bei Bender anfragen. Heute, an einem Mittwoch, ist es leer. In einem separaten Raum arbeiten die Mitarbeiterinnen an der Bügelpresse. Samstags sieht das ganz anders aus, da geben sich die Bräute in spe die Klinke in die Hand, zwei Stunden bekommt jede zum Probieren.

Seit mehreren Jahren bemerkt Bender den Trend, aus der Hochzeit ein Event zu machen. Bei ihren Kunden, aber auch im Freundeskreis. Fast niemand gehe nach dem Standesamt oder der Kirche einfach nur ins Restaurant. Viele Paare wollen mehr, die Hochzeit soll groß und unvergesslich werden, geheiratet wird in Scheunen, auf Schlössern, Landhäusern oder Weingütern. Falls in der Stadt, am besten am Wasser oder auf einer Dachterrasse. Hauptsache besonders. Wer wo heiratet, verraten die Statistiken nicht. Wie viele schon: 2017 haben sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts in Deutschland rund 407 000 Paare das Ja-Wort gegeben, das sind zwar ein bisschen weniger als im Vorjahr. Doch hatte sich die Zahl seit 1950 fast halbiert, nun ist ein kleiner Aufwärtstrend zu sehen. Erstmals nach 15 Jahren stieg die Zahl 2015 wieder über 400 000.

In den Sommermonaten ist Hochsaison. Wer dieser Tage samstags am Schloss Philippsruhe in Hanau vorbeikommt, kann sicher sein, dort Braut und Bräutigam anzutreffen. „Ab Mai wird hier jedes Wochenende geheiratet, oft auch freitags und sonntags“, sagt Geschäftsführer Thorsten Bamberger. Die Anfragen würden deutlich mehr. Wer den Weißen Saal in dem barocken Schloss am Main bucht, zahlt 2000 Euro für die Raummiete, fertig eingedeckt, inklusive Thekenpersonal und Grundreinigung. Hinzu kommen Hussen, Servicepersonal und natürlich Essen und Getränke. Der Mindestumsatz liege bei 10 000 Euro brutto erklärt Bamberger. Aber bei 80 Gästen erreiche man den. Man rechne meist mit 100 bis 150 Euro pro Person. Es komme darauf an, ob die Gäste ein einfaches Büfett wünschen oder ein Fünf-Gänge-Menü.

Viele greifen für ihre Hochzeit tief in die Tasche. „Die Paare wollen ihrer Familie und Freunden aus aller Welt etwas Besonderes bieten“, sagt Hochzeitsfotograf Kai Fritze. „Die meisten meiner Kunden geben 25 000 Euro aus, oder mehr.“ Ihnen sei sehr wichtig, dass alles stimmig ist. Viele legten Wert auf einen guten Caterer, eine schöne Location, hinzu kommen DJ, Band, Outfits, Ringe, Make-up, Blumen und Deko, da komme schnell viel Geld zusammen. Seit 2010 hat er sich mit seiner Agentur Kajul Photography auf Hochzeitsfotografie spezialisiert und ist von Mai bis Oktober dauerbeschäftigt.

Fritze begleitet die Paare meist den ganzen Tag und macht dabei bis zu 5000 Bilder. Daraus wählt er etwa 500 aus, die er einzeln professionell bearbeitet. Die Trends sind in der Republik unterschiedlich, „in Berlin und im Osten gibt es einen Hang zu Vintage-Hochzeiten“. Im Westen sei der romantische Boho- und der bunte sogenannte Gypsy-Stil häufiger gefragt. Generell heirateten die Paare weniger formell als früher, sondern individuell. Vielen sei wichtig, dass sie ihre Location exklusiv haben, also keine parallele Veranstaltung laufe. Natürlich kann und will nicht jedes Brautpaar so viel zahlen; laut einer Umfrage bei Statista würden 26 Prozent der befragten Deutschen 5000 bis 10 000 Euro ausgeben und immerhin neun Prozent rund 10 000 bis 25 000 Euro.

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