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Hochwasser Vermisstes Ehepaar gerettet

Sieben Tote allein in Niederbayern - und die Unwetter-Gefahr in Deutschland dauert an. Die Menschen in den betroffenen Gebieten stehen vor langen Aufräumarbeiten.

03.06.2016 06:36
Während in Simbach aufgeräumt wird, warnen die Meteorologen vor weiteren Regenfällen. Foto: dpa

Nach der Flutkatstrophe in Niederbayern ist die Zahl der Todesopfer auf sieben gestiegen. Vermisst werde niemand mehr, teilte das Landratsamt Rottal-Inn am Freitag mit. So galt demnach ein älteres Ehepaar fälschlicherweise als vermisst. Der 81 Jahre alte Mann und seine 77-jährige Frau seien bereits am Mittwoch aus ihrem mit Wasser vollgelaufenen Keller gerettet und ins Krankenhaus gebracht worden.

Meteorologen zeigten sich überrascht von der Heftigkeit der Unwetter in Deutschland. Ausmaß und Dauer seien «absolut außergewöhnlich», schrieben Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in einem Zwischenbericht. Seit Fronleichnam am 26. Mai beherrsche die Großwetterlage «Tief Mitteleuropa» das Wetter in Deutschland. Eine solche Wetterlage habe auch die Jahrhunderthochwasser 2013 in Süddeutschland und 2002 an der Elbe ausgelöst.

Die Unwettergefahr hält an: Für Freitagabend warnte der DWD vor teils kräftigen Schauern und Gewittern vor allem über dem Süden Deutschlands. «Aufgrund der langsamen Verlagerung muss mit Starkregen von teils mehr als 25 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit gerechnet werden.» Im Westen sei derweil die Hagelgefahr erhöht.

In Nordrhein-Westfalen entspannte sich jedoch die Lage im Hochwassergebiet in der Niederrhein-Region. Die Pegelstände an der die Dämme bedrohenden Issel sanken seit der Nacht zum Freitag. Der Deich, der das sonst unscheinbare Flüsschen im Zaum halten soll, war an zwei Stellen kontrolliert geöffnet worden. An anderer Stelle brach sich das Wasser selbst eine Bahn und schoss auf einen Acker. Dies stelle jedoch keine Gefahr dar, weil es in unbewohntem Gebiet passiert sei, sagte ein Sprecher des Krisenstabs.

Aus Bayern wurde ein weiteres Todesopfer gemeldet. Nach Behördenangaben starb am Freitag ein 72 Jahre alter Mann, der am Mittwoch aus dem Hochwasser gerettet worden war, dabei jedoch eine Herzattacke erlitten habe. Die Zahl der Toten stieg damit in Niederbayern auf sieben. In Baden-Württemberg waren bei Unwettern vier Menschen ums Leben ghekommen.

Das Landratsamt Rottal-Inn zahlte Betroffenen der Flutkatastrophe Sofortgelder in Höhe von insgesamt 645 000 Euro aus. Für diesen Samstag hat sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) im Landkreis angekündigt.

Es werde Monate dauern, bis die Folgen der Flut beseitigt seien, hieß es. Bagger schoben meterhoch angeschwemmten Unrat weg. Feuerwehren saugten mit großen Spezialschläuchen Schlamm und Wasser ab. Anwohner griffen zur Schaufel. Taucher waren in überfluteten Kellern unterwegs. Die Stromversorgung war am Freitag weitgehend wieder hergestellt. Mit Hochdruck wurde an der Trinkwasserversorgung gearbeitet.

Auch in Belgien wüteten Unwetter. In den Ardennen wurde die Leiche eines Mannes gefunden, der seit Donnerstag vermisst wurde. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Belga wollte der Rentner Bienenstöcke in Sicherheit bringen und wurde vom Hochwasser überrascht.

In Frankreichs Hauptstadt Paris bereiteten sich immer mehr Museen auf das steigende Hochwasser der Seine vor. Nach dem weltberühmten Louvre und dem Orsay-Museum schloss am Freitag auch der Grand Palais. Die am Seine-Ufer gelegenen Museen bringen ihre Kunstschätze zum Teil in höher gelegene Stockwerke in Sicherheit oder verlagern sie in Depots.

Unterdessen konkretisieren sich die Schadensschätzungen für die Überschwemmungen nach dem Sturmtief «Elvira» Ende Mai, das vor allem in Baden-Württemberg gewütet hatte. Die deutschen Versicherer müssten voraussichtlich für Schäden von rund 450 Millionen Euro aufkommen, schätzte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dabei gehe es etwa um versicherte Häuser und Hausrat, Gewerbebetriebe und Autos. Noch nicht enthalten sind die späteren Schäden - etwa in Niederbayern und Nordrhein-Westfalen.

Die Unwettergebiete im Westen und Süden müssen mit weiteren Wassermassen rechnen. Tief «Friederike» liege nahezu ortsfest über Deutschland und weiche kaum von der Stelle, sagte Meteorologe Christian Herold vom DWD. An diesem Wochenende müsse in der gesamten Südhälfte - südlich einer Linie zwischen Niederrhein und Oberlausitz - mit heftigen Gewittern gerechnet werden. Auch Hagel sei möglich. Wo genau große Regenmengen fallen, können die Meteorologen erst kurz vorher sagen. Im Norden und Nordosten werde es dagegen sommerlich warm und trocken.

Die Besucher der Musikfestivals «Rock am Ring» in Rheinland-Pfalz und «Rock im Park» in Nürnberg müssen sich auf legendäre Woodstock-Verhältnisse mit Regen und Schlamm einstellen. Die beiden Festivals begannen am Freitag - bei «Rock am Ring» in der Eifel feierten Zehntausende den Auftakt bei Dauerregen.

Die Veranstalter des «Holi Festivals of Colours» in Stuttgart verlegten das Event wegen der schlechten Wetterprognosen auf den 31. Juli. (dpa)

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