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Hitze „Das ist ein Jahrhundertsommer“

Meteorologe Gerhard Lux erklärt im Interview, was die extreme Hitze und Trockenheit dieser Tage mit dem Klimawandel zu tun haben.

Seifenblasen
Seifenblasen sind in der untergehenden Sonne besonders schön anzusehen. Foto: dpa

Herr Lux, erleben wir gerade einen Jahrhundertsommer?
Wenn man das auf die anhaltende Trockenheit und die durchgängig hohen Temperaturen seit April bezieht, haben wir sicherlich einen Jahrhundertsommer. Er ist insgesamt trockener und wärmer als 2003, auch wenn wir zumindest bisher noch keine 40 Grad Celsius gemessen haben.

Was ist 2018 anders als im Hitzejahr 2003?
In vielerlei Hinsicht sind die beiden Jahre ähnlich. Damals waren allerdings vor allem der Südwesten und Süden Deutschlands tangiert, es gab mit 40,2 Grad neue Hitzerekorde in Karlsruhe und Freiburg. Diesmal liegt die Hitze über ganz Deutschland.

Wie stark ist der Einfluss des Klimawandels auf die aktuelle Situation?
Dieser Sommer ist natürlich ein Einzelereignis. Im nächsten Jahr kann das wieder ganz anders sein, insofern lässt sich ein direkter Zusammenhang nicht beweisen. Aber das alles passt natürlich genau in unser Bild des Klimawandels und der zu erwartenden Änderungen der nächsten Jahrzehnte. Schon vor 15 Jahren sprach ich von einer Mediterranisierung Deutschlands bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Unsere Klimaanalysen und die Extrapolationen in die Zukunft signalisieren nach wie vor eine generell zunehmende Häufigkeit von Witterungsperioden, wie wir sie gerade haben.

Sie wollen künftig, wenn Wetterextreme auftreten, über den jeweiligen Einfluss der Klimaveränderungen informieren. Wie genau können diese Angaben sein?
Diese Berechnungen sind noch experimentell. Jedoch versuchen wir über statistische Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, ob eine extreme Wettersituation ohne Klimawandel weniger extrem gewesen wäre.

Wie oft müssen wir in Zukunft mit Hitzesommern rechnen?
Hitzesommer gab es auch schon früher. Aber die Häufigkeit hat in Deutschland zugenommen – das zeigen unsere Analysen ganz klar. Jeder Sommer ist anders, deshalb kann ich auch nicht sagen, wie oft wir solche Verhältnisse zukünftig haben werden. Das hängt ja auch entscheidend von den Randbedingungen ab. Wir wissen nicht, wie es mit den Klimaverträgen weitergeht, wir wissen auch nicht, welche Umweltpolitik China künftig einschlägt oder wann der Kohleabbau in Deutschland endet. Das alles bestimmt, wie stark der Klimawandel wird.

Typisch deutsche Sommer werden seltener? 
Ja, das zeigt sich ja schon seit Längerem. Die im letzten Jahrhundert in Deutschland typischen Sommer – meist feucht und überwiegend mäßig warm – sind seltener geworden. Spätestens seit den 1990er Jahren sind unsere Sommer eher überdurchschnittlich warm oder sehr warm, oft trocken mit zeitweisen gewittrigen Niederschlägen, gelegentlich auch unwetterartig.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Heiße Zeiten

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