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Hinrichtung von Troy Davis Letzte Botschaft aus der Todeszelle

Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung hat sich der US-Amerikaner Troy Davis mit einer letzten Botschaft an seine Fürsprecher gewandt. Davis soll heute Abend sterben - trotz weltweiter Proteste und massiver Zweifel an seiner Schuld.

Auch am Dienstag forderten im US-Bundesstaat Georgia Tausende Gnade für Troy Davis. Foto: REUTERS

Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung hat sich der US-Amerikaner Troy Davis mit einer letzten Botschaft an seine Fürsprecher gewandt. Davis soll heute Abend sterben - trotz weltweiter Proteste und massiver Zweifel an seiner Schuld.

In seiner letzten Botschaft fordert Troy Davis seine Mitstreiter auf, den Kampf gegen die Todesstrafe fortzusetzen. „Der Kampf für Gerechtigkeit endet nicht mit mir“, schrieb der 42-Jährige in einer am Dienstag (Ortszeit) von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International verbreiteten Botschaft. „Dieser Kampf ist für alle Troy Davise, die vor mir kamen und die nach mir kommen werden“, schrieb er. „Ich bin guter Verfassung und voller Gebete und in Frieden. Aber ich werde bis zu meinem letzten Atemzug nicht aufhören zu kämpfen“

Am Dienstag hatte der Gnadenausschuss im US-Bundesstaat Georgia das Gnadengesuch des schwarzen Todeskandidaten abgelehnt - und damit seine letzte Chance auf Leben zunichte gemacht. Davis soll am heutigen Mittwoch um 19 Uhr per Giftspritze hingerichtet werden.

Herber Rückschlag

Für die Gegner ist die Entscheidung der US-Behörden ein herber Rückschlag. Schließlich war in der Geschichte der Hinrichtungen in den USA kaum ein Fall so umstritten wie der von Davis. "Einen Mann in den Tod zu schicken trotz enormer Zweifel an seiner Schuld ist ein ungeheuerlicher Affront gegen die Gerechtigkeit", urteilt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nach dem Urteil. Sie hatte weltweit 660.000 Unterschriften gegen die Hinrichtung gesammelt und Zehntausende zu Straßendemonstrationen mobilisiert. Prominente wie Papst Benedikt XVI. hatten die Kampagne unterstützt. Auch am Dienstag versammelten sich 2000 Menschen vor dem Gebäude, in dem der Gnadenausschuss tagte, um gegen die Exekution zu protestieren.

Am Mittwoch appellierten der Europarat und das Europaparlament an die USA, den 42-Jährigen am Leben zu lassen. Die US-Behörden müssten „einen Weg zu finden, um Troy Davis das Leben zu retten“, forderte der Generalsekretär des Europarats Thorbjorn Jagland. „Der Europarat ist grundsätzlich gegen die Todesstrafe - aber in diesem Fall gibt es eine reale Möglichkeit, dass ein unschuldiger Mann stirbt“, unterstrich die Berichterstatterin des Europarats-Parlaments zur Todesstrafe, Renate Wohlwend, am Mittwoch. Davis wäre der 34. Hingerichtete in den USA in diesem Jahr.

Davis war vor 20 Jahren verurteilt worden, weil er 1989 einen jungen weißen Polizisten getötet haben soll. Es gab jedoch keine physischen Beweise für seine Tatbeteiligung wie DNA-Spuren oder Fingerabdrücke. Sieben der neun Hauptbelastungszeugen hatten zudem in einem späteren Verfahren ihre Aussagen zurückgezogen. Einige hatten laut Medienberichten angegeben, von der Polizei unter Druck gesetzt worden zu sein. (mit afp)

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