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Hilferuf einer Hebamme Jetzt verhüten!

Die Geburtshelferin Christine Niersmann ruft auf Facebook auf, an Ostern keine Kinder zu zeugen.

Hebamme auf Facebook: An Ostern keine Kinder zeugen
Kinder, die in diesen Tagen gezeugt werden, kommen in der Weihnachtszeit zur Welt. Foto: dpa

Zeugen Sie Ihr Kind besser erst NACH Ostern.“ Mit diesem Post auf ihrer Facebook-Seite sorgt Christine Niersmann gerade für Aufregung im Netz. Dabei hat die Frau nichts gegen Kinder. Ganz im Gegenteil. Sie ist selbst zweifache Mutter. Auf den Zeitraum der Zeugung kommt es ihr an. Wer sich ein Kind wünsche, solle über die Feiertage verhüten oder noch ein paar Tage mit der Zeugung warten, rät die selbstständige Hebamme aus Kerken in Nordrhein-Westfalen.

Der etwas merkwürdig anmutende Kommentar hat einen ernsten Hintergrund: Ein jetzt gezeugtes Baby käme im Dezember oder Januar zur Welt – keine gute Zeit für eine sichere Schwangerschaft und ein gut betreutes Wochenbett, sagt die Geburtshelferin. Denn rund um Weihnachten und Neujahr sei es noch schwieriger als ohnehin, eine betreuende Hebamme zu finden. Wie die meisten anderen auch, würden sich die Geburtshelferinnen über die Feiertage auch gerne mehr Zeit für ihre eigenen Familien nehmen. So sind noch weniger im Dienst, als sonst schon. In den Kreißsälen herrsche dann Notbetrieb.

„Nein, das ist kein Scherz. Schon jetzt sind die Zustände alles andere als rosig. Aber über die Weihnachtszeit und Silvester wird es sicherlich SCHLIMMER“, schreibt Christine Niersmann, 1962 geboren, auf Facebook. Sie selbst ist jetzt schon bis Ende Oktober ausgebucht, wie man auf ihrer Homepage einsehen kann. Selbst außerhalb der Ferienzeit haben es viele Frauen schwer, eine Hebamme zu finden. Schlechte Bezahlung und Hürden bei der Versicherung haben den Beruf außerdem zunehmend unattraktiv gemacht.

Mit ihrem Posting, das zahlreiche Zeitungen und Online-Medien aufgriffen, will Christine Niersmann auf den Hebammenmangel in Deutschland aufmerksam machen. Eine in Vollzeit arbeitende Hebamme betreut nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands pro Jahr rund 100 Geburten. Zum Vergleich: In Großbritannien und Norwegen sind es nur rund 30.

„Die Hebammen sind so fertig, sie können keiner Frau richtig genügen“, sagte Niersmann der Deutschen-Presse-Agentur am Telefon. Niersmann zufolge laufen in deutschen Kreißsälen oft drei bis vier Geburten gleichzeitig ab. Eine Kollegin habe vor kurzem sogar acht Geburten parallel betreuen müssen. „Es geht nicht um mehr Freizeit für die Hebammen. Es ist ein Hilferuf“, sagte Niersmann.

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