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Hilfe für Afrika U2-Sänger Bono mahnt Bundesregierung

Afrika-Aktivist und U2-Sänger Bono mischt sich in die deutschen Haushaltsverhandlungen für 2013 ein, die diese Woche beginnen. Deutschland dürfe trotz aufziehender Rezession in Europa keine Hilfsgeldern kürzen, die Leben retten, sagt er im Interview mit dieser Zeitung.

U"-Sänger Bono kämpft seit Jahren für bessere Lebensbedingungen in Afrika. Foto: REUTERS

In dieser Woche beginnen im Bundestag die Verhandlungen über die Eckpunkte für den Haushalt 2013 - für Rockstar und Afrika-Aktivist Bono Grund genug, an die deutschen Hilfszusagen für die Ärmsten der Welt zu erinnern.

Auch in Zeiten von Wirtschaftskrise und aufziehender Rezession in Europa dürfe die Bundesrepublik nicht an der Entwicklungshilfe für Afrika zu sparen. „Es sind schwere Zeiten, sogar in Deutschland“, sagte der U2-Sänger dieser Zeitung. „Aber der britische Premier David Cameron hat gerade versprochen, so nötig Haushalts-Kürzungen sind – sie dürfen keine Leben kosten.“ Trotz der größten Einschnitte in der Nachkriegsgeschichte von Großbritannien werde nicht an lebensrettenden Hilfsprogrammen gespart. „Es wäre gut, wenn auch Deutschland das so handhabt“, so Bono. „Ich glaube nicht, dass Deutschland ein Land ist, das Gelder kürzt, die Leben retten.“

Als Mitgründer der Organisation ONE, die sich für die Einhaltung der Hilfszusagen der Industriestaaten einsetzt, höre er zwar immer wieder Stimmen, die die Krise als Vorwand nutzen wollen, um Hilfsgelder zu kürzen. „In Umfragen zeigt sich jedoch ein anderes Bild“, erklärte der 51-jährige Ire. „Wenn man die Menschen fragt, ob zu viel Entwicklungshilfe gezahlt wird, sagen viele ja. Aber wenn man ihnen dann sagt, dass wir weniger als ein halbes Prozent des Bruttosozialprodukts ausgeben und damit so gute Ergebnisse erzielen, dann sind sie begeistert. Es gibt viele Erfolgsgeschichten.“

Hunderttausende gerettet

So versorge der Globale Fonds gegen Aids und Malaria, zu dessen wichtigsten Geldgebern Deutschland gehört, weltweit mehr als drei Millionen HIV-infizierte Menschen mit lebensrettenden Medikamenten. Eine Million Schwangere geben dadurch den Virus nicht an ihre Kinder weiter. Dank dem Fonds seien 230 Millionen Moskitonetze verteilt worden, um Malaria einzudämmen, und fast neun Millionen Fälle von Tuberkulose erkannt und behandelt. „Wenn man das alles addiert, rettet allein der Globale Fonds Monat für Monat rund 100 000 Menschenleben“, so Bono.

Zu den wichtigsten Geldgebern des Fonds gehört zwar auch Bonos Charity-Marke RED, aber er lobte vor allem die Bundesregierung als einen der wichtigsten Unterstützer. „Deutschland hat Recht damit, dass es sich an Ergebnissen und Effizienz orientiert – und kaum eine Organisation ist so erfolgreich wie der Globale Fonds.“

Nach Berechnungen von ONE müsste die Bundesregierung im Haushalt 2013 und allen folgenden jeweils drei Milliarden zusätzlich für Entwicklung ausgeben, um ihre internationalen Finanzzusagen bis 2015 einzuhalten. Die anstehenden Haushaltsverhandlungen seien die letzte Chance für die aktuelle deutsche Regierung, dieses im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel zu erreichen.

Transparenz gefordert

Bono forderte die Bundesregierung zudem auf, den rohstoffreichen Entwicklungsländern zu helfen und sich für eine EU-Richtlinie einzusetzen, die ein US-Gesetz zum Vorbild habe: Firmen aus Industrieländern sollen gezwungen werden, ihre Zahlungen für Öl und Rohstoffe an afrikanische Länder offen zu legen. So soll dafür gesorgt werden, dass die Einnahmen in den Aufbau der Länder und nicht in private Taschen fließen, so Bono. Frankreich unterstütze das Vorhaben bereits, Deutschland zögere noch.

„Afrikas Reichtum liegt unter den Füßen der Menschen: Öl, Gas, Gold, Minerale, Mangan“, sagte er. „Das Schwierige ist nur, den Reichtum von dort in ihre Hände zu bekommen – in dem man diese korrupte Ebene dazwischen bekämpft.“ Deshalb sei Transparenz nötig: „Wenn die Zivilgesellschaft ans Tageslicht bringt, wer wie viel Geld für die Bohr- und Schürfrechte an wen fließt, können korrupte Politiker und gierige Firmen die Menschen nicht mehr so einfach berauben“, sagte Bono. „In den USA ist das Gesetz schon geschrieben, in Europa hoffen wir, dass nach Frankreich und England auch Deutschland sich dafür stark macht. Das kann Afrika mehr bringen als jede Hilfszahlung.“

Kritik an Entwicklungshelfern

Der U2-Sänger kritisierte aber auch die staatlichen und nichtstaatlichen Entwicklungshelfer. „Die beiden wichtigsten Akteure der Entwicklung, sind im Norden die Menschen, deren Steuern verwendet werden, und in Afrika die Menschen, die die Mittel erhalten“, sagte der vielfach preisgekrönte Aktivist und Musiker. „Aber ausgerechnet diese beiden Gruppen wissen am wenigsten über die Lage. Das nervt mich. Fragen Sie irgendjemanden in Deutschland auf der Straße, wieviel Geld fließt – keine Ahnung. Fragen Sie jemanden hier in Afrika: Wo kam diese Finanzierung her? Keine Ahnung. Darin müssen wir besser werden.“

 

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