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„Henry rettet den Regenwald“ Der beste Freund der Orang-Utans

Vom Rollstuhl aus versucht der 25 Jahre alte Benni Over, den Regenwald in Indonesien zu retten. Jetzt läuft sein erster Film - es geht um einen kleinen Orang-Utan, der von Alpträumen geplagt wird.

Benni Over will bald selbst nach Indonesien reisen. Foto: Klaus Over

Ich glaube, es sind die Augen, die einfach nur die Wahrheit sagen.“ Die Augen der Orang-Utans – sie haben es Benni Over angetan. Sie haben ihn einst neugierig gemacht, vielleicht haben sie ihn sogar ein bisschen hypnotisiert. Benni Over spricht nicht so viel darüber, er lässt lieber seinen Vater Klaus reden. Fest steht: Die Orang-Utans haben dem 25-jährigen Rheinland-Pfälzer schon viel gegeben in seinem nicht so einfachen Leben. Und Benni Over gibt ihnen viel zurück. Gerade ist er dabei, den Regenwald für sie zu retten.

Beziehungsweise: Er lässt den Menschenaffen Henry den Regenwald retten – in einem Trickfilm. Unlängst hatte die 20-Minuten-Produktion ihre Kinopremiere in Mainz vor 500 Grundschülern, und das Publikum war begeistert. „Es war gigantisch“, sagt Klaus Over, Benni musste Autogramme geben.“ Das funktioniert, denn Benni Over kann seine Finger bewegen. Sonst allerdings nichts. Benni leidet an der Erbkrankheit Muskeldystrophie Duchenne, er sitzt im Rollstuhl.

Gegen Palmöl-Plantagen

„Henry rettet den Regenwald“ handelt von einem kleinen Orang-Utan, der von Alpträumen geplagt wird, seit seine Eltern dem Raubbau an ihrer Umgebung zum Opfer fielen. Der gezeichnete Affe beginnt, Lobbyarbeit für den Wald zu machen. Er reist um die Welt, er scheut auch nicht davor zurück, die Bundeskanzlerin zu besuchen, den US-Präsidenten, den Papst und den Dalai Lama, um ihnen klarzumachen, was auf dem Spiel steht. Denn solange die Menschen den Regenwald in Indonesien abholzen, um riesige Ölpalmen-Plantagen anzubauen, und solange die Konsumenten Produkte mit Palmöl kaufen – solange verlieren die rothaarigen Primaten immer mehr von ihrer natürlichen Heimat.

Was Henry erreicht und welche Aktion am Ende dazu führt, dass tatsächlich die ersten Bagger stillstehen, das zeigt der liebenswerte kurze Trickfilm. Umgesetzt haben ihn findige Leute, die sich mit so etwas auskennen, koloriert hat ihn Benni Over mit eigenen Händen. Vor allem aber kam die Idee von dem 25-Jährigen. „Er sitzt für sein Leben gern stundenlang vor den Tieren und beobachtet sie“, sagt sein Vater. Mindestens einmal im Monat fahren sie nach Köln oder gern auch in andere Zoos – die Namen der einzelnen Affen kennt Benni längst auswendig.

Und er wollte unbedingt etwas für sie tun. Ein Kinderbuch sollte es erst werden. „Papa, mach mal was klar“, forderte er Klaus Over auf. Das wurde zum geflügelten Wort bis hinein in den Film. Papa ließ die Kontakte im bereits 20 Jahre bestehenden Freundeskreis „Aktion Benni“ spielen, gegründet für Menschen mit der derselben Krankheit wie Benni Over. Papa machte dieses klar und jenes – „auf einmal waren wir beim Filmfestival, hatten ein Netzwerk, hatten Kontakte nach Berlin und nach Indonesien“.

Benni Over ist seit Jahren Pate des echten kleinen Affen Henry in Indonesien. Der junge Mann wird vormittags von einem ambulanten Dienst betreut und nachts von einer Maschine beatmet – und er hat einen starken Willen. „Es ist mir ein großes Anliegen, dass geschieht, was Benni in sich trägt“, sagt sein Vater. „Das gibt ihm Wertschätzung und Erfüllung, er ist einfach gut drauf.“ Der Regenwald-Film ist ein Signal für Nachhaltigkeit und Sensibilität im Umgang mit der Natur, aber auch ein starkes Symbol für Integration und Inklusion. „Überall, wo Benni ist, herrscht eine gute Sozialstimmung“, beschreibt sein Vater. „Er schafft es, Menschen zu bewegen.“

Kindern eine Stimme geben

Der bewusst einfach gehaltene Film, betont Klaus Over, soll helfen, den Kindern eine Stimme zu geben, denn Kinder könnten die Erwachsenen sehr berühren, wenn sie rufen: „Jetzt hört doch mal bitte auf damit! Hört doch mal auf, die Natur zu zerstören!“ Deshalb will Benni nach dem Film auch das Kinderbuch veröffentlichen. Ein Verlag wird noch gesucht. Und wenn das alles zu viel wird? „Wir prüfen uns permanent“, sagt Klaus Over. „Hauptsache, es geht Benni gut dabei.“ Sieht aus, als klappte das: Demnächst möchte er zum ersten Mal nach Indonesien fliegen – Henry besuchen. 

Die DVD „Henry rettet den Regenwald“ kann man für fünf Euro Porto unter henry-rettet-den-regenwald.de bestellen. Auf der Internetseite gibt es mehr Informationen – und eine Bastelanleitung für eine Orang-Utan-Stabfigur. Die wird man irgendwann brauchen, wenn die geplante Demo ins Berliner Regierungsviertel startet.

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