Lade Inhalte...

Hawai-Hemden Den Sommer ein bisschen besser machen

Zwei Wiesbadener stellen Hawaiihemden mit hessischen Motiven her.

Deutscher Löwenzahn statt exotischer Blütenpracht ziert die Hemden von Schönwetterfront. Foto: Lichtrausch Fotografie

Wiesbaden ist nicht Waikiki, Hessen ist nicht Hawaii – und Deutschland hat mal so gar kein „Aloha“. Schade eigentlich, dachte sich Christian Jakob und machte sich daran, ein wenig Südsee und hawaiianische Leichtigkeit in unseren viel zu oft verregneten Sommer zu holen – und zwar mit einem auf den ersten Blick großen Widerspruch: Gemeinsam mit seiner Kollegin Rebecca Kerbeck hat er das Label „Schönwetterfront“ gegründet und sich daran gemacht, deutsche Hawaiihemden herzustellen. Das klingt ein wenig absurd, macht aber schon gute Laune, wenn man den ersten Blick auf die Teile wirft.

„Bei 30 Grad waschen, nicht bleichen“, steht da bei den Pflegehinweisen auf dem kleinen Schild, das in die Hemden eingenäht wird. Und darunter: „Bitte mit einem Lächeln tragen“ bei den „Tragehinweisen“. Und tatsächlich, es klappt, schon muss man grinsen. Mit Liebe zum Detail, viel Spaß und ein bisschen Fernweh gestaltet Christian die Designs der Hemden und des ganzen Drumherum. Auf Aufkleber, Flyer und Postkarten prangt der vielbedeutende hawaiianischen Gruß „Aloha“, um den sich Blüten und Blätter ranken. An denen sieht man dann auch das Besondere an den Produkten von Schönwetterfront.

Nicht die typischen tropischen Pflanzen zieren die Hemden, sondern hessische Botanik: Löwenzahn, Vergissmeinnicht und Riesling-Reben. Angefangen hat alles mit der goldenen Lilie auf dem Wappen von Christians Wahlheimat Wiesbaden. Er experimentierte mit der Blüte und dem dunkelblauem Hintergrund des Stadtwappens und fügte noch Platanenblätter hinzu, weil diese Bäume so viele Straßen in der hessischen Landeshauptstadt säumen und voilá, oder eher aloha: Fertig war das erste deutsche Hawaiimuster.

„Wir sind jetzt Gründer“

Christian, 34, selbst ein leidenschaftlicher Fan der Hemden, war angefixt und überzeugte seine Kollegin Rebecca, 33, gelernte Damenschneiderin, mit einzusteigen. Gemeinsam brachten sie das Projekt zuerst im Kopf, dann auf dem Konto voran.

Über die Crowdfunding-Plattform „Startnext“ fanden sich genug Unterstützer der Idee. Mit dem Startkapital orderten die beiden die ersten vier Stoffbahnen, die Produktion konnte losgehen.

„Wir sind jetzt Gründer“, sagt Christian mit einem schiefen Lächeln. Doch wie viele andere Start-ups haben Rebecca und er nicht alles in eine Waagschale geworfen, um ihre Idee zu verwirklichen. Beide haben ihre Jobs behalten, Christian als Designer und Art Director bei einer Werbeagentur, Rebecca als Schneiderin bei der zur Agentur gehörenden Firma „Burning Love“, die Accessoires für Handys und Tabletts entwirft und produziert.

Über die freundschaftlichen Kontakte zu ihren Chefs war es möglich, dass sich die beiden nach Feierabend in deren Büro und Schneiderei einmieten konnten. So sparen sie Miete und Nebenkosten, aber das heißt auch: Alles läuft nach Feierabend, neben einer 40-Stunden-Woche. Bislang sind die Bestellungen noch zu bewältigen, auch wenn sich schon eine lange Liste angesammelt hat – Rebecca näht die Hemden, beziehungsweise die Blusen für die Frauen, komplett von Hand und alleine. „Ich ärgere mich immer über jeden Knopf, denn ich an den Kleidern, die von der Stange kommen, verliere“, sagt sie. Deshalb verknotet sie jeden Knopf, den sie selbst annäht, nochmal von Hand. Das dauert, aber es entspricht der Art der beiden, an ihrer Sache zu arbeiten.

„Es ist jetzt komplett unser Ding“, sagt Christian. „Und das Schönste daran: Wir machen wirklich was, das uns einfach nur Spaß macht.“ Auch wenn im Moment das Schlafen etwas zu kurz komme, fügt er etwas leiser, aber grinsend hinzu. Fair und nachhaltig produziert sollten die Sachen der „Schönwetterfront“ sein, finden die beiden, auch wenn das bedeutet, dass man Stunden, Tage, Wochen damit verbringen muss, den perfekten Holzknopf (aus Platanenholz, was zufällig zum Muster passt) zu finden, oder eine Druckerei, die zu noch bezahlbaren Preisen in Deutschland Stoffe bedruckt.

Die Wahl fiel auf ein Unternehmen in Sachsen, der Baumwollstoff kommt aus Europa. Seit einigen Tagen läuft der Vorverkauf und in rund zwei Wochen geht es dann richtig los mit der Herstellung.

Die vier Stoffbahnen à 100 Meter reichen etwa für 50 Hemden pro Muster – das Angebot ist also begrenzt. Was für Interessierte heißt: Schnell sein. Und für die Gründer, dass sie erst mal schauen können, wie das mit dem Aloha überhaupt so ankommt. Denn wer weiß – vielleicht helfen die gutgelaunten Hemden ja, den deutschen Sommer ein bisschen besser zu machen.

Weitere Infos und die Möglichkeit online zu shoppen gibt es unter www.schoenwetterfront.de. Die Hawaiihemden und -blusen kosten 85 Euro, Shirts mit einer Brusttasche aus einem der vier Muster 30 Euro.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum