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Harvey Weinstein Das aufgezwungene Kleid

Die Modemarke von Harvey Weinsteins Ex-Frau Georgina Chapman gerät unter Beschuss. Die Geschichte macht deutlich, wie Weinstein über Jahre hinweg seine Macht als Druckmittel gegen Frauen einsetzte.

Oscars Vanity Fair Party
Harvey Weinstein mit der Fashion-Designerin Georgina Chapman. Foto: rtr

In Cannes war es dieses Jahr Eva Longoria. Bei den DGA-Awards Nicole Kidman und bei den Oscars die als beste Nebendarstellerin nominierte Octavia Spencer. Eigentlich hat in Hollywood schon so ziemlich jede Frau ein Kleid von Marchesa getragen, Penélope Cruz, Kate Hudson, Cameron Diaz, Halle Berry, Kristen Stewart, Jennifer Lopez – die Liste ist lang. Sandra Bullock nahm 2010 in einer Robe der Marke den Oscar als beste Hauptdarstellerin entgegen. Ein Coup: Bilder der strahlenden Siegerin im strahlenden Kleid gingen millionenfach um die Welt.

Und strahlen, das können die Kleider von Marchesa besonders gut, Roben für den ganz großen Auftritt. Eigentlich wirken die Entwürfe aus der Zeit gefallen, passten viel eher auf die legendären Feste der Marchesa Luisa Casati, nach der das Label benannt ist. Viel Stoff, viel Stickerei, viel Glitzer. Vielleicht ein bisschen zu viel, selbst für den roten Teppich. Warum haben sich Schauspielerinnen trotzdem immer wieder für die Marke entschieden?

Jetzt tritt nun zu Tage, worüber in der Modeindustrie schon lange geredet wurde: „Entschieden“ haben sich viele berühmte Marchesa-Trägerinnen nicht. Sie wurden gedrängt – von Harvey Weinstein. Seit 2004 ist der US-Produzent mit Georgina Chapman verheiratet, seit dem Jahr genau, in dem die britische Designerin zusammen mit ihrer Kollegin Keren Craig auch die Marke Marchesa gründete.

Sich vorzustellen, dass auch der Einfluss des großen Hollywood-Produzenten einigen Marchesa-Roben auf den roten Teppich half, war nie schwer vorzustellen. Wie rabiat Weinstein aber nicht nur sexuelle Gefälligkeiten, sondern auch geschäftlichen Erfolg für seine Ehefrau einforderte, wird erst jetzt klar. „Wir alle wussten, dass Stars aufgefordert wurden, Marchesa zu tragen, wenn sie in einem Weinstein-Film mitspielten“, zitiert die „New York Times“ eine PR-Agentin, die anonym bleiben will. Soweit nicht ungewöhnlich, auch wer etwa das Werbegesicht einer Parfum-Kampagne ist, trägt auf großen Events für gewöhnlich ebenso die Mode der Marke.

Enthüllungen könnten das Aus für die Marke bedeuten

Im Falle Marchesa aber sprach Schauspielerin Felicity Huffman auf einer Gala in Los Angeles unlängst von Nötigung: Trage sie zu Veranstaltungen einen anderen Designer, so werde er die Promokampagne für den Film „Transamerica“ aus dem Jahr 2005 fallen lassen, mit dem Huffman maßgeblich berühmt wurde. So berichtet es die Fachzeitschrift „Hollywood Reporter“. „Er war der Kopf hinter Marchesa.

Er hat Deals gemacht und seinen Einfluss genutzt, um Promis für die Marke zu gewinnen“, zitiert das Blatt einen US-Produzenten. Im Vergleich zu den Anschuldigungen der Vergewaltigung wirkt diese Episode im Weinstein-Skandal klein, unbedeutend. Aber auch sie macht deutlich, wie Weinstein über Jahre hinweg seine Macht als Druckmittel gegen Frauen einsetzte: Du musst auf dieses Event gehen, du musst jenes Kleid tragen, du musst mich anfassen.

Für Georgina Chapman und ihre Marke bedeuten die Enthüllungen womöglich das Aus: Längst wird auf sozialen Medien unter dem Hashtag #boycottmarchesa zum kompromisslosen Verzicht auf das Label aufgerufen. Eine lukrative Kooperation mit Marchesa hat die Schmuckmarke Helzberg Diamonds nun aufgekündigt, laut der „New York Post“ sieht sich die Marke auch mit einer Kündigungswelle der Mitarbeiter konfrontiert.

Und auch die Kundinnen, zu denen zuletzt selbst die ehemalige US-First-Lady Michelle Obama und die zukünftige Königin von Großbritannien Kate Middleton zählten, werden unruhig. „Sie wollen nicht mehr mit der Marke assoziiert werden“, sagt die Stylistin Diane Lloyd Roth der „Post“. Da hilft auch das ganze Glitzer nichts.

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