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Hannover Tierschützer besuchten Familie lange vor Hundeattacke

Ein Kampfhund soll in Hannover eine 52-Jährige und ihren erwachsenen Sohn getötet haben. Die niedersächsische Landeshauptstadt muss nun entscheiden, ob das Tier eingeschläfert wird.

05.04.2018 17:37
Hundeattacke in Hannover
Der Hund namens Chico wurde von Einsatzkräften eingefangen und in ein Tierheim gebracht. Foto: Holger Hollemann (dpa)

Vor der tödlichen Kampfhundattacke in Hannover war der Tierschutzverein in den vergangenen Jahren zwei Mal bei der betroffenen Familie. Eine Vernachlässigung des Familienhundes „Chico“ wurde dabei allerdings nicht festgestellt. Nachbarn hatten 2014 und 2016 gemeldet, dass das Tier wohl in einem Zimmer eingesperrt sei, ständig belle und sein Geschäft auf dem Balkon verrichte.

Eine Tierschutz-Inspektorin besuchte daraufhin zwei Mal die Wohnung, in der das Tier gehalten wurde, wie der Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover, Heiko Schwarzfeld, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Hund habe dabei laut gebellt und sei weggesperrt worden, das sei aber nicht ungewöhnlich. „Der Hund zeigte damals keine Anzeichen von Vernachlässigung“, betonte Schwarzfeld.

Obduktionsergebnis wohl am Freitag

Der Staffordshire-Terrier-Mischling soll am Dienstag seinen 27-jährigen Besitzer und dessen 52-jährige Mutter totgebissen haben.  Nach Berichten von Anwohnern war die Mutter auf einen Rollstuhl angewiesen und der Sohn soll schwer krank gewesen sein. Der Mann soll den Terrier in einem Metallzwinger in seinem Zimmer gehalten und tagsüber nicht ausgeführt haben.

Nach der ersten Untersuchung eines Rechtsmediziners starben die beiden Bewohner der Wohnung augenscheinlich infolge des Hundeangriffes. Die Staatsanwaltschaft Hannover ordnete nach dem Unglücksfall vom Dienstagabend eine Obduktion an. Es gehe darum, die genaue Todesursache zu ermitteln, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Klinge. Die Obduktionsergebnisse werden erst am Freitag erwartet, weil es derzeit längere Wartezeiten in der Medizinischen Hochschule Hannover gibt. In der Zwischenzeit stehen auch keine weiteren Zeugenbefragungen an.

Der Hund wurde nach der Attacke am Dienstagabend von der Feuerwehr in der Wohnung eingefangen und in ein Tierheim gebracht. Die Stadtverwaltung wird entscheiden, ob der Hund eingeschläfert werden muss.

Jährlich sterben in Deutschland im Schnitt drei bis vier Menschen durch Hunde. Das Statistische Bundesamt zählt zwischen 1998 und 2015 insgesamt 64 Todesopfer.

In Niedersachsen sind dem Agrarministerium zufolge von knapp 350.000 Hunden im Melderegister etwa 460 Tiere als gefährlich gekennzeichnet. In Hannover wurden dem Stadtsprecher zufolge seit 2013 insgesamt 32 Hunde als gefährlich eingestuft.

Acht Halter durften ihre Tiere nach einem erfolgreichen Wesenstest unter Auflagen behalten, in weiteren Fällen läuft das Verfahren noch. Vier Hunde mussten getötet werden. Neun Hunde wurden im Tierheim abgegeben oder nach einer Sicherstellung dorthin gebracht. (FR/dpa)

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