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Halloween Warum Blackfacing immer noch rassistisch ist

Schwarze Farbe im Gesicht eines Weißen ist immer noch rassistisch. Ein Kommentar zur Unsitte, die nicht totzukriegen ist.

Minstrel Tänzer
Die Geschichte des Blackfacing: Minstrel-Tänzer im 19 Jahrhundert mimen schwarze Trottel zur Belustigung des weißen Publikums. Foto: imago

Halloween steht an. Und vor der Tür kostümierte Kinder, um nach Süßigkeiten zu fragen. Auch Erwachsene verkleiden sich und gehen als sexy Pirat/Vampir/Polizist auf entsprechende Partys.

Pünktlich zum letzten Oktobertag greift vor allem in den USA eine alte Unsitte um sich, die trotz weitreichender Kritik einfach nicht aussterben will. Weiße Witzbolde malen sich das Gesicht schwarz an, bedienen rassistische Klischees der untersten Schublade und hoffen damit, die Lacher auf ihrer Seite zu haben.

Und genauso sicher wie der Kürbis mit der Kerze taucht die Frage auf, was daran denn so schlimm sein soll. NBC-Moderatorin Megyn Kelly stellte sie vor kurzem, ergänzt mit dem Hinweis, dass das in ihrer Jugend gar kein Problem gewesen sei. Das kostete sie ihren Job, was aber nicht alle verstehen wollen, wie Tucker Carlson von Fox News beweist, für den die Blackface-Tradition in den USA schon lange vorbei ist und es deshalb in Ordnung sei, sein Gesicht wieder anzumalen. Carlson muss nicht um seine Arbeit bangen, derlei Kommentare sind bei Fox der normale Umgangston. Aber die Frage bleibt, was das Problem mit der schwarzen Farbe im Gesicht, die lässt sich beantworten, auch im Jahr 2018, wenn, wie es scheint, es immer noch nötig sein sollte.

Der Ursprung des Blackfacing

Zunächst einmal hilft ein Blick auf die Geschichte. Das schwarz gemalte Gesicht als Witz geht zurück auf „Jim Crow“, einem rassistischen Stereotyp eines ebenso fröhlichen wie dummen Schwarzen, der im 19. Jahrhundert in den so genannten „Minstrel-Shows“ auftrat. Weiße Schauspieler, allen voran Thomas D. Rice, malten sich das Gesicht schwarz an, tanzten und sangen fürs Publikum. „Jim Crow“ wurde zu einem Symbol für die durch Gesetzgebung und ökonomische Praxis gepflegte Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung auch nach dem Ende der Sklaverei in den USA. Ein Symbol, kenntlich gemacht durch schwarze Farbe im Gesicht.

War es den Weißen vor 200 Jahren noch herzlich egal, ob sie mit ihrem humoristischen Rassismus ebenjenen reproduzieren, so könnte man meinen, dass die immer noch herrschende Gruppe mittlerweile sensibler vorgeht. Doch bis heute ist es scheinbar das Privileg des (immer weißen und meist männlichen) Hegemons, den anderen zu erklären, wann sie sich beleidigt fühlen dürfen und wann gefälligst nicht.

Michael Jordan Kostüm geht auch ohne schwarze Farbe

Damit machen solche Menschen deutlich, dass ihnen die Befindlichkeiten anderer egal sind und dass sie hunderte Jahre Unterdrückung und Gewalt gegen anders aussehende Mitmenschen ignorieren, wenn es um ihr eigenes Vergnügen geht.

Nun wird der eine oder die andere Angemalte sagen, dass für sie Rassismus nicht existiere, weil sie keine Unterschiede sehen zwischen Menschen mit dunkler und heller Hautfarbe. Meist sind das weiße Menschen, denen im Alltag eher selten rassistische Stereotype um die Ohren gehauen werden. Sie ignorieren damit deren Omnipräsenz und was es bedeutet, auch heute noch, mit schwarzer Hautfarbe U-Bahn zu fahren oder sich auf einen Job zu bewerben. Rassismus ist existent, auch wenn man selbst ihn nicht anwendet oder wahrnimmt. Er verschwindet nicht, wenn man ihn ignoriert oder seine Opfer für das eigene Pläsier entmenschlicht.

Und selbst wenn jemand gerne als Michael Jordan gehen möchte, die eigene Hautfarbe aber eine andere Tönung als die von „His Airness“ hat, dann sei ihm das gegönnt. Er sollte sich dafür ein Trikot der Chicago Bulls (oder der Looney Tunes) mit der Nummer 23 überstreifen, ein paar Nike „Air“ anziehen (oder das Logo auf irgendwelche billigeren Turnschuhe malen), eine Glatzenperücke überziehen und einen Basketball herumtragen. Wenn er richtig tief einsteigen will, ergänzt durch Unterwäsche der University of North Carolina. Jeder wird ihn als Michael Jordan erkennen, ganz ohne schwarze Farbe im Gesicht.

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